EU weitet Handelsüberschuss gegenüber USA aus – kommen jetzt Auto-Strafzölle?

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Deutschlands Autoindustrie zittert einmal mehr: Verhängt Trump doch noch die gefürchteten Strafzölle? Neue Zahlen böten einen Anlass. (Foto: Gubin Yury / shutterstock.com)

Das dürfte Donald Trump gar nicht gefallen: Trotz seiner immer wieder angedrohten Strafzölle ist der Exportüberschuss der Europäischen Union in die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr noch einmal kräftig gestiegen.

Wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte, lag der Exportwert europäischer Güter in die USA 2019 um 152,6 Milliarden Euro höher als das Importvolumen in entgegengesetzter Richtung. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Handelsüberschuss aus europäischer Sicht damit um mehr als 10 Prozentpunkte zu. 2018 lag der entsprechende Wert noch bei 137,8 Milliarden Euro.

Trumps Protektionismus schadet der Weltwirtschaft

Trump sieht die US-Wirtschaft im globalen Handel benachteiligt, da insgesamt wesentlich mehr Güter in die USA eingeführt werden als von dort exportiert werden. Sein Lösungsansatz sieht hohe Hürden und Handelsbarrieren vor, insbesondere Strafzölle sind sein Mittel der Wahl, wenn es darum geht, nationalen Wirtschaftsprotektionismus durchzusetzen.

Besonders anschaulich ließ sich das in den vergangenen Jahren in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China beobachten. Washington und Peking überzogen sich gegenseitig mit immer höheren Strafzöllen, der internationale Handel geriet ins Stocken, weltweit schlugen sich die Folgen in rückläufigen Konjunkturdaten nieder. Auch in Deutschland verzeichnete das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr eine vorübergehende Delle und verlor insgesamt an Dynamik, was unter anderem mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China in Zusammenhang gesehen wird.

Kommen doch noch die Auto-Strafzölle?

In Europa hat Trump seinen schärfsten Gegner in der Person des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ausgemacht, der seinerseits eine Digitalsteuer eingeführt hat, um vor allem Unternehmen wie Google oder Amazon stärker zur Kasse zu bitten. Im Gegenzug drohte Trump mit Strafzöllen auf französische Exportgüter wie Käse oder Champagner.

Von wesentlich größerer Tragweite sind jedoch andere Zölle, die der US-Präsident gegenüber Europa immer wieder ins Gespräch bringt: Strafzölle auf Auto-Exporte. Diese würden vor allem den deutschen Standort empfindlich treffen, immerhin ist die Automobilindustrie die wichtigste Exportbranche des Landes und trägt auch europaweit betrachtet einen guten Teil zum jetzt erneut verzeichneten Handelsüberschuss bei.

Charmeoffensive deutscher Hersteller läuft ins Leere

Um den Präsidenten zu besänftigen, hatten deutsche Autobauer vor einiger Zeit eine Charmeoffensive in Washington gestartet und neue Produktionsstätten auf US-amerikanischem Boden versprochen – Arbeitsplätze für die dortige Bevölkerung zu schaffen gilt schließlich als eines der wesentlichen Wahlversprechen Trumps.

Die Effekte blieben jedoch überschaubar. Trotz hoher Investitionen in den US-Standort wurde Trump nicht müde, immer wieder gerade gegen Europas und speziell Deutschlands Autoindustrie loszupoltern. Die diesbezüglichen Strafzölle sind sein womöglich mächtigstes Schwert in den transatlantischen Handelsbeziehungen.

Genutzt hat er es bislang nur verbal, in die Tat umgesetzt wurden die Drohungen noch nicht. Die jüngsten Zahlen zum Handelsüberschuss Europas gegenüber den USA dürften die Lage jedoch nicht gerade entschärft haben.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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