Euribor-Zins: Anleihe nicht zeichnen

Eine weitere neue Anleihe/Zertifikat setzt auf den Euribor-Zins. Diese Anleihe ist mit einer Garantie ausgestattet und trotzdem nicht geeignet, Vermögen aufzubauen.

Dies ergibt unsere Muster-Analyse für Sie.

Schutz zu gering

Kapitalschutz mit einem Garantiezins ist die eine Seite, die Bindung an den Euribor die andere. Der Zinssatz zwischen den Banken ist zu gering, um damit große Sprünge zu machen. Die Anleihe verspricht Ihnen mindestens 3,25% Zinsen.

Steigt unter bestimmten Umständen und Daten der Euribor darüber, erhalten Sie diesen.

Garantiert gibt Ihnen die Emissionsbank „Morgan Stanley“ zum Laufzeitende als Zeichner Ende Juli 2015 die derzeitige Einlage zurück. Das bedeutet auf den ersten Blick:

100% zurück + 3,25% jährlich als Garantie mit Zusatzchance. Ganz so freundlic ist das Angebot nicht.

Renditefresser laufen mit

Der erste Renditefresser ist der Ausgabeaufschlag in Höhe von 1%. Dieses Geld ist weg. Angesichts der vergleichsweise niedrigen Verzinsung nicht wenig. Der zweite Renditefresser ist die Inflation. Bei einer Inflationsrate von offiziell 2,7% in der Eurozone sind selbst von den Garantiezinsen nur noch 0,55%-Punkte übrig, wenn Sie grob den Inflationsausgleich berechnen.

Selbst das wäre noch positiv. Wäre, wenn nicht die Steuer zuschlägt. Auf die Zinsen von 3,25% zahlen Sie knapp 30% Abgeltungssteuer inklusive Solizuschlag und der Kirchensteuer. Bleiben 2,25% – die zu einem Minus von 0,45%-Punkten nach der Inflation führen.

Schon diese Betrachtung macht klar: Sie verlieren von vornherein etwas Geld mit dem Zertifikat. Die Zusatzchance haben wir allerdings nicht berechnet. Nur: die wird kaum greifen.

Interbankensatz gering

Der Interbankensatz „Euribor“ ist immer deutlich geringer als der sonstige Marktzins. Wenn die Zinsen am Markt deutlich steigen- etwa weil die Inflation kräftig anzieht – sind nahezu alle anderen Zinsanlagen attraktiver.

Ein weiteres Problem ist die lange Laufzeit. Die Garantie bezieht sich nur auf die Rückzahlung – ohne Inflationsausgleich – am Laufzeitende. Ihr Vermögen ist zwar nicht gebunden – Sie können über die Börse handeln – aber wird während der Laufzeit weniger wert sein. Die Kurse sinken unter die Garantiesumme.

Insgesamt also ist das Zertifikat ein Geldvernichter kleineren Ausmaßes:

  • Nach Inflation und Steuern bleibt ein Minus.
  • Die Zusatzchance ist zu gering, weil der Euribor geringer als der Marktzins wächst.
  • Das Kapital bleibt gebunden, wenn Sie die Garantie ausznutzen möchten.
  • Der Ausgabeaufschlag reduziert die Rendite weiter.
GeVestor.de meint: Nicht laifem, auch wenn die Anleihe – das Zertifikat – etwas attraktiver als andere Garantiezertifikate ist. 3,25% Garantiezins sind noch zu wenig. Der Euribor wird den Zins kaum hebeln.

Der Interbankensatz liegt typischerweise unter dem Marktzins. Der aber ist aktuell auch sehr niedrig – und wird kaum auf diese Höhe kommen.

Eine Alternative bleibt der Genussschein von Bertelsmann: Rendite etwa knapp 7%.

18. Oktober 2011

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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