Euro-Höhenflug vor dem Ende

Der Euro hat in diesem Jahr gegenüber dem Dollar um 13% aufgewertet. Inzwischen gibt es aber erste Indizien für ein Ende des Höhenflugs. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Im Wochen-Ausblick habe ich Ihnen heute Morgen geschrieben, dass der Euro der Schlüssel zu einem baldigen Ende der kleinen Sommerflaute am deutschen Aktienmarkt sein könnte.

Daher werde ich die europäische Gemeinschafts-Währung jetzt ein wenig genauer unter die Lupe nehmen:

Der Euro ist so teuer wie zuletzt Anfang 2015

Der Höhenflug des Euro war – neben dem Diesel-Skandal – in den vergangenen Wochen einer der maßgeblichen Belastungs-Faktoren für den deutschen Aktienmarkt.

In der zurückliegenden Woche kletterte der Euro zeitweise über die Marke von 1,19 Dollar und somit auf den höchsten Stand seit Januar 2015.

Damit hat er gegenüber dem Dollar allein seit Jahresbeginn um bis zu 13% aufgewertet.

Diese Entwicklung sorgt deshalb für Verunsicherung unter den Anlegern, weil die heimische Wirtschaft stark von den Exporten abhängig ist.

Wie Sie wissen, gilt Deutschland als Export-Weltmeister, und ein steigender Euro hat zur Folge, dass die Produkte deutscher Firmen in Ländern außerhalb der Euro-Zone teurer werden.

Die Euro-Stärke ist fundamental nicht gerechtfertigt

Anfang des Jahres war diese Entwicklung nicht abzusehen; da musste man für 1 € nur 1,05 Dollar bezahlen.

Und alle Analysten waren sich einig, dass das Erreichen der Parität (1 € kostet 1 Dollar) nur eine Frage der Zeit sei.

Seitdem hat der Euro die Skeptiker aber Lügen gestraft und wieder kräftig angezogen.

Ein Auslöser für diesen imposanten Höhenflug ist sicherlich die unerwartet gut laufende europäische Wirtschaft, ein anderer das politische Chaos im Weißen Haus.

Dennoch halte ich den jüngsten Anstieg aus fundamentaler Sicht nicht für gerechtfertigt.

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Die Tatsache, dass die Zinsen in den USA steigen, während sie in der Euro-Zone auf der Null-Linie verharren, spricht für den Dollar.

Außerdem werfen US-Anleihen mit mittleren und langen Lauf­zeiten rund 2% mehr Rendite ab als europäische Papiere; das dürfte den Dollar über kurz oder lang wieder stärken.

Erste Hinweise auf ein Ende des Höhenflugs

Das heißt zwar nicht, dass der aktuelle Aufwärtstrend nicht noch weitergehen kann.

Nach dem Anstieg von gut 1,11 auf über 1,19 Dollar seit Mitte Juni, der ohne nennenswerte Rücksetzer vonstattenging, ist eine Atempause aber überfällig.

Der etwas deutlichere Rückgang nach den starken US-Arbeitsmarktdaten am Freitag ist ein erster Hinweis, dass der Höhenflug möglicherweise bald sein Ende finden könnte.

euro-dollar

Zuletzt kletterte der Euro zwar über sein 2015er-Hoch bei 1,1714 Dollar.

Bei 1,1877 Dollar befindet sich jetzt aber eine weitere massive charttechnische Hürde in Form eines markanten Tiefpunkts aus dem Jahr 2010.

In dieser Region gilt es, die Entwicklung genau zu beobachten. Schafft der Euro den Sprung über 1,20 Dollar, ist kurzfristig ein weiterer Anstieg wahrscheinlich.

Dreht er hier jedoch nach unten und fällt unter das 2015er-Hoch bei 1,1714 Dollar, könnte dies der Startschuss sein

  1. für eine deutliche Gegenbewegung und
  2. für eine Fortsetzung des seit 2008 gültigen Abwärtstrends.

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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.