Euro-Krise: „In drei Jahren haben wir die Katastrophe“

Die Euro-Krise geht weiter – trotz der ganzen Rettungspakete. (Foto: fotogestoeber)

Jetzt ist die Euro-Krise auch bei den Talkshows im Fernsehen angekommen.

Am vergangenen Donnerstag ging es bei Maybrit Illner im ZDF um die Euro-Krise. Gestern legte Anne Will in der ARD nach. Dort gab es einige erstaunliche Aussagen.

Stoiber skeptisch

So tauchte nach langer Zeit mal wieder der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber auf. Nach eigener Aussage hatte er sich schon im Vorfeld der Euro Einführung in Griechenland dagegen ausgesprochen. Auch jetzt ist Stoiber skeptisch.

So zweifelt er an, dass die Griechen wirklich ernsthaft gewillt sind, die aktuellen Bedingungen der EU und des IWF auch tatsächlich zu erfüllen. „Das Problem in Griechenland sind die Reichen, die kaum Steuern zahlen und dann auch noch ein Großteil des Geldes ins Ausland bringen“, ergänzte Stoiber.

Das Thema der Talkshow gab schon ganz klar die Richtung vor: „Immer mehr Milliarden für arme Euro-Schlucker – riskiert die Regierung unser Geld?“

Krisenexperte Max Otte sparte dann auch nicht mit deutlichen Worten. „Wir leiden aktuell an einem Sozialismus für Banken. Die werden mit staatlichen Mitteln gestützt. Das muss überwunden werden“, sagte Otte.

Umschuldung für Griechenland

Einig war sich die Runde dann aber bei einem Punkt: Griechenland wird um eine Umschuldung wohl nicht herumkommen. Nur über den Zeitpunkt gab es deutliche Differenzen. Max Otte plädiert ganz klar dafür, diesen Schnitt möglichst bald zu machen.

„Die aktuellen Maßnahmen führen nur dazu, dass ein Fass ohne Boden aufgemacht wird.“ Und die Konsequenzen sind für Otte auch klar: „Wenn wir so weitermachen, dann haben wir in drei Jahren die nächste Katastrophe.“

Laut Otte hat der Euro in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Europa sich weiter auseinander entwickelt hat. „Es ist ein Mythos, dass der Euro Europa zusammenbringt“, so Otte weiter.

Schafft es Griechenland allein?

Grundsätzlich zweifelten die Diskussions-Teilnehmer bei Anne Will an, dass Griechenland es aus eigener Kraft schaffen kann. Und das ist ein Riesenproblem: Die Wirtschaft hat nur einen Exportanteil von 7% – das ist deutlich zu wenig.

Derzeit spart sich Griechenland kaputt. Das ist auch keine Lösung. Klar ist aber, dass auch ein Jahr nach dem ersten Rettungspaket noch keine Rettung wirklich in Sicht ist.

2011 wird als das Jahr des Risikos für den Euro in die Geschichte eingehen.

Wir hatten das Desaster in Griechenland vor Monaten noch einmal betont, als viele Analysten Entwarnung gaben. Portugal hat verharmlost, wir blieben bei der Einschätzung für 2011. ,

Jetzt kratzt Spanien an daen Grundfesten des Euro. Das Risiko steigt. Die sinkenden Immobilienpreise auf Mallorca etwa nehmen Sie am besten nicht als Investmentgrundlage.

2011 wird das Risiko für den Euro dank Portugal und Spanien schnell steigen

Portugal erhält Rettungshilfen von der Eurozone. Lange wehrte sich die Regierung in Lissabon gegen die Unterstellung, das Geld zu brauchen. Wir haben hier angekündigt, dass dies nur Politik ist.

Spanien macht es ähnlich und will angeblich kein Geld. Das Risiko für den Euro wird 2011 stark zunehmen. Wir sind sicher und empfehlen Ihnen, sich zu schützen.

Fakt ist, dass die Immobilienblase in Spanien noch gar nicht geplatzt ist. Sie ist, um im Bild zu bleiben, angepiekst. Die Preise sind nicht nur um gut 15% bis 20% gesunken, regional teils noch deutlich stärker. Sie werden weiter fallen.

Der Grund ist fast sichtbar: Immobilien, die leer stehen, ganze Wüsten, fehlende Nachfrage und Banken, die diese Immobilien entweder direkt abschreiben müssen oder als Veräkufer ohne Nachfrage auftreten.

Arbeitslosigkeit steigt erneut

Die Krisendaten zeigen sich auch in anderen Bereichen, ausgerechnet bei der Immobilieneinschätzung in Spanien und an den Börsen jedoch nicht. So ist die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 2011 erneut angestiegen. Trotz aller Regierungsprogramme, die entgegensteuern wollten und sollten.

Der aktuelle Wert beträgt 21,3% – aller offiziell Arbeitssuchenden. Rechnen Sie damit, dass noch eine weitere „Reservearmee“ existiert, die derzeit nicht zum Zug kommt.

Das sind nicht nur statistische Werte ohne Bedeutung, sondern Schicksale, die direkt die Nachfrage nach Immobilien etwa beeinflussen. Und damit auch die Bilanzen der Großbanken, die derzeit an den Börsen hoch gehandelt werden.

Glück haben Banken und andere Großkonzerne derzeit mit der hohen Inflationsrate. Die ist auf 3,8% gestiegen und damit 1,1%-Punkte höher als offiziell in der Eurozone.

Mit steigenden Preisen lassen sich Bilanzschwächen im ersten Quartal dank des damit höheren Umsatzes etwas verdecken. Der Mantel des Schweigens jedoch wird bald wieder abgedeckt.

Spanische Immobilien unter Druck

Immer noch bleiben die Löcher im Immobilienbestand der Banken unüberbrückbar. Die Abschreibungen kommen. Und mit den Abschreibungen wird auch die Börse reagieren, die derzeit in Madrid noch munter steigt. Sorglos, wie wir aus Deutschland sagen müssen.

Der Hintergrund zu den spanischen Aussichten für 2011 zeigt: das Risiko wächst stark. Es nimmt von Woche zu Woche zu, in der die Kurse der Aktien steigen.

Dies wird, wenn Spanien auch den Rettungsschirm sucht, den Euro weiter schwächen. Zwei Empfehlungen dazu: lassen Sie sich trotz gesunkener Preise nicht in spanische Immobilien hetzen.

Kaufen Sie Sachwerte vor allem in Deutschland – etwa selbst genutzte oder im Zweifel vermietete Immobilien gehören bei uns dazu.

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.