Euro-Krise: wie kann eine Währungsreform oder ein „Schnitt“ ablaufen?

Der Euro kommt seiner Abschaffung inzwischen immer schneller entgegen. Denn:

Erst am Wochenende zuckte Griechenland als Schuldenmacher ohne Perspektive auf.

Die Griechen können, wollen und sollten (eigentlich) nicht dort sparen, wo es Wirtschaftskraft kostet – so etwa bei Beamtengehältern. Auf der anderen Seite werden die Griechen sogar Geld brauchen, um Investitionen durchführen zu können. Um Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit zu retten.

Genau darum aber dreht sich der Streit wie etwa am Wochenende. Das heißt: je länger die Märkte warten müssen, wie es in Griechenland weiter gehen kann oder wird, desto mulmiger die Situation für unsere Gemeinschaftswährung. Sie können sich dem Druck weiterhin entziehen.

Währungsreform kommt

Es gibt damit zwei Möglichkeiten: Griechenland wird sich aus der Eurozone zurückziehen und alles geht weiter wie bislang. Dann allerdings rechnen wir mit einer stärkeren Inflation als zur Zeit, weil die übrigen Euro-Anleihen schlagartig teurer für die Staaten werden – der Markt möchte dann Risiko-Absicherung.

Da der Kapitalbedarf aber derselbe bleibt, werden die Staaten automatisch mehr Geld aufnehmen als bisher, um dann auch die neuen höheren Zinsen zu zahlen.

Oder, dies ist dann das zweite Szenario: die Währungsreform kommt. Davon gehen wir mit höchster Sicherheit aus.

Das heißt: eines Tages, nicht allzu fern, wird es schlicht eine neue Währung geben. Sie wachen aus und die Währung hat einen neuen Namen. Diese Währungsreform ist – mit Konsequenzen – ziemlich wahrscheinlich.

Konten- und Vertragsumstellung

Praktisch sieht dies etwa so aus:

  • Sie erhalten die Nachricht, dass Ihr Bankkonto vorübergehend gesperrt ist, bis die Umstellung vorgenommen werden konnte.
  • Zudem wird es eine Gesetzesänderung geben. Diese ist Grundlage dafür, dass beispielsweise auch Verträge in der Privatwirtschaft – Mietverträge, Kreditverträge, Versicherungsverträge, Ratenverträge – mit der neuen Währung hinterlegt werden.
  • Dabei legt der Staat wie nach dem zweiten Weltkrieg fest, was ein Euro in der neuen Währung wert ist.
  • Rechnen Sie damit, dass der Staat in einem bestimmten Sinn zu seinen Gunsten manipuliert. Er schuldet Investoren viel Geld, dies ist der Ursprung des aktuellen Dilemmas. Je weniger als die alten Schulden wert sind, desto besser.
  • Daher wird es ein Umstellungsverhältnis geben, dass aus mehreren Euro, beispielsweise 5 Euro, einen – nennen wir ihn – Taler macht. Diese Umstellung hat keinerlei wirtschaftlichen Hintergrund, sodass der Markt der neuen Währung nicht allzu viel Vertrauen entgegen bringen wird.
  • Besser – und eine sehr gut denkbare Variante – ist es, eine Parallelwährung einzuführen. In welchem Verhältnis die Verträge sich dann umstellen, bleibt dem Markt überlassen. Der Gläubiger – Sie etwa als Vermieter – kann dann festlegen, ob er die Gegenleistung in Euro erhalten möchte oder in „Taler“.

GeVestor meint: sofort würde der Markt den Wert der neuen Währung festlegen. Auf jeden Fall aber verlieren dann „Geldbesitzer“. Da die Gefahr solcher Umstellungen oder einer Währungsreform/einem Schnitt dank Griechenland hoch ist, investieren Sie weiter so viel wie irgend möglich in Sachwert.

Aktien also, die dauerhaft rentieren. Dividendentitel wie RWE zählen zu unserem Favoritenkreis.

6. Februar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt