Euro schwächelt: Wie sehr belastet Italien die Gemeinschaftswährung?

Die italienische Regierungsbildung hat den Euro zuletzt massiv unter Druck gesetzt. Zeitweise rutschte die Währung unter 1,17 Dollar. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Spätestens seit dieser Woche ist klar, dass man sich in Europa – und speziell in der Euro-Zone – auf neue Zeiten einstellen muss.

Das vergangene Jahr war noch geprägt von einer anhaltenden Dollarschwäche, im Verhältnis präsentierte sich die europäische Gemeinschaftswährung außergewöhnlich stark. Das hatte insbesondere zu tun mit Befürchtungen rund um die Politik des umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump. Tatsächlich wirkte seine Administration darüber hinaus auch aktiv darauf hin, den Dollar zu schwächen.

Nun aber wendet sich das Blatt. Bereits seit einigen Wochen befindet sich der Euro auf Talfahrt. Am Mittwoch rutschte der Euro zeitweise unter die Marke von 1,17 Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit November 2017.

Hintergrund der Euro-Schwäche ist vor allem die Verunsicherung über die innenpolitische Lage in Italien. Die drittgrößte Wirtschaftskraft der Euro-Zone steht einmal mehr vor einer schwierigen Regierungsbildung.

Stellt Italien die Euro-Zone vor die nächste Zerreißprobe?

Konservative und Sozialdemokraten waren bei den jüngsten Parlamentswahlen harsch abgestraft worden, stattdessen konnten sich populistische Kräfte durchsetzen. Eine Koalition schmieden nun – allen inhaltlichen Widersprüchen zum Trotz – die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsgerichtete Lega.

Ihr designierter Regierungschef Giuseppe Conte erhielt nach mehrtägiger Bedenkzeit am Mittwoch auch offiziell den Auftrag zur Regierungsbildung von Staatspräsident Sergio Mattarella. Conte, Jurist mit langjähriger akademischer Laufbahn, besitzt bislang keinerlei politische Erfahrung. Doch das ist nicht der einzige Faktor, der bei Beobachtern für Beunruhigung sorgt.

Vielmehr plant das Regierungsbündnis offen, die Staatsausgaben drastisch zu erhöhen und zugleich die Steuern zu senken. Auch vor immenser Neuverschuldung schreckt man dabei offenbar nicht zurück. Dass dies mit europäischen Vereinbarungen kaum in Einklang zu bringen ist, scheint die Koalitionspartner dabei nicht weiter zu stören: Von der Europäischen Union sowie der Gemeinschaftswährung halten beide Parteien ohnehin nicht viel.

Pleite Italiens wäre kaum zu verkraften

Gerät mit Italien nun aber die drittgrößte Wirtschaftskraft innerhalb der Euro-Zone in finanzielle Schieflage, dürften die Konsequenzen noch weitaus verheerender ausfallen als im Kontext der Beinahe-Pleite Griechenlands, die ab 2010 monatelang für Schlagzeilen sorgte.

Einen Staatsbankrott Italiens könnte die Gemeinschaftswährung wohl schwerlich verkraften. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Regierungsbündnisse in Italien häufig von eher kurzer Lebensdauer geprägt sind.

Einige Beobachter rechnen daher bereits innerhalb der kommenden sechs Monate mit einem Scheitern der neuen Regierung – wobei Neuwahlen nach aktuellen Umfrageergebnissen die populistischen Kräfte eher noch stärken würden, von grundlegend anderen Mehrheitsverhältnissen wäre daher wohl eher nicht auszugehen.

Beim Euro scheint das italienische Dilemma unterdessen eingepreist zu sein. Am Morgen nach der Erteilung des Regierungsauftrags an Conte zeigte sich die Gemeinschaftswährung jedenfalls stabil und fiel zunächst nicht weiter zurück. Doch auch das ist nur eine Momentaufnahme.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.