Euro/US-Dollar vor einem Trendwechsel?

Beim Euro/USD zeichnet sich ein Trendwechsel ab. Allerdings gilt es, diesen richtig in die Historie einzuordnen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Gestern hatte ich für Sie die Kryptowährung Bitcoin analysiert. Bleiben wir doch heute noch im Thema:

Das passt ohnehin gut, weil sich im Währungspaar Euro / US-Dollar gerade ein möglicher Trendwechsel abzeichnet. Ich habe für Sie außerdem einmal geschaut, wie sich diese Entwicklung in den langfristigen Zusammenhang einordnet.

Die Entwicklung von Euro / USD ist insbesondere für Euro-Anleger interessant, die in US-Dollar-Anlagen (beispielsweise Aktien oder Anleihen) investiert sind oder dies planen:

Sinkt der Euro gegenüber der US-Devise, dann profitieren diese Investoren von zusätzlichen Währungsgewinnen. Umgekehrt reduziert sich Ihre USD-Rendite um den Aufschlag des Euro/USD während der Dauer Ihres Investments.

Euro wertet gegen US-Dollar seit 39 Jahren tendenziell auf

Wie Sie das gewohnt sind, schauen wir zunächst einmal auf einen möglichst langen Zeitraum der Kurshistorie, um uns einen Überblick zu verschaffen:

Seit 39 Jahren wertet der Euro gegenüber dem US-Dollar tendenziell auf

Vorab zur Erklärung: Die Grafik zeigt die Entwicklung seit Ende 1978. Die Daten vor der Einführung des Euro stammen aus dem Währungspaar DM / USD und wurden entsprechend umgerechnet. Wie Sie sehen:

Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen 39 Jahren tendenziell aufgewertet (gestrichelte grüne Linie). Das Rekordhoch wurde im Jahr 2008 mit 1,6039 erreicht.

Europäische Schuldenlast drückt Euro seit 2008

Seit dieser Zeit hat der Euro gegenüber der US-Währung allerdings tendenziell abgewertet. Das ist vor allem der Flucht aus der europäischen Devise während der Schuldenkrise (Stichwort: Griechenland) in der Euro-Gemeinschaft zu verdanken.

Sie können übrigens an der Entwicklung seit Jahresbeginn sehr schön ablesen, wie sich das erneut auftauchende Schuldengespenst – diesmal in Gestalt Italiens – auf das Währungspaar auswirkte.

Nach dem kräftigen Rücksetzer seit dem Zwischenhoch bei 1,2557 im Februar dieses Jahres (im Chart gelb unterlegt) werden Sie sich nun wohl schon denken, was mit dem möglichen Trendwechsel gemeint ist:

Schauen wir dazu gleich einmal auf eine kürzere Kurshistorie. Eines können wir aber schon einmal festhalten, weil es wichtig bei der Betrachtung ist:

Um den Abwärtstrend seit 2008 zu beenden, müsste der Euro schon deutlich über das Jahreshoch hinaus klettern!

Euro setzt gegenüber US-Dollar zur Erholung an

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Euro/USD: Es zeichnet sich eine Erholung ab

In dieser Grafik können Sie sehr schön ablesen, wie die Aufwärtsbewegung im Januar dieses Jahres (Schuldendiskussion um Italien) abgebremst wurde. Daran schloss sich zunächst eine Konsolidierung an, bevor das Währungspaar dann im April aus dem Aufwärtstrend seit März 2017 herausfiel.

Das 50-Tage-Momentum kündigte bereits gestern mit seinem Trendbruch den heutigen Trendbruch im Währungspaar an (gelber und blauer Kreis). Sie dürfen also davon ausgehen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar in den kommenden Wochen tendenziell steigen wird. Aber:

Trendwechsel ist nur temporär

Wie bereits bei Betrachtung des Langfrist-Charts angemerkt, ändert dies zunächst einmal rein gar nichts an dem übergeordneten Abwärtstrend: Als maximales Kursziel dieser Aufwärtsbewegung sehe ich daher das Niveau um das bisherige Jahreshoch. Sie erinnern sich:

Hier verläuft derzeit der Abwärtstrend aus dem Jahr 2008. Bei der sich jetzt entfaltenden Erholung handelt es sich daher mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen charttechnisch üblichen Pull-Back (Rücksetzer) in Richtung der zuvor durchbrochenen Aufwärtstrendlinie (seit 2017).

Dafür spricht auch der mittelfristige Abwärtstrend im Schwung-Indikator Momentum (gestrichelte rote Linie).

Fazit

Um diese Einschätzung zu untermauern, zeige ich Ihnen zum Schluss nun noch den USD-Index Future. Dieser zeigt die Entwicklung des US-Dollars gegenüber einem gewichteten Währungskorb mit den 6 Weltleitwährungen:

Dazu gehören (Quelle: Wikipedia): Der Euro (Gewichtung: 57,6%), der japanische Yen (13,6%), das britische Pfund (11,9%), der kanadische Dollar (9,1%), die schwedische Krone (4,2%) und der Schweizer Franken (3,6%).

USD-Index-Future: US-Währung seit April wieder bärenstark

Wie Sie in dieser Grafik sehen, wertet der US-Dollar seit April 2018 gegenüber dem Währungskorb auf (grüner Kreis). Eine Entwicklung übrigens, die Sie, meiner Ansicht nach, schon weit eher hätten sehen sollen:

Schließlich hat die US-Wirtschaft seit dem Amtsantritt von Donald Trump eine signifikante Aufwärtsentwicklung genommen, was Sie unter anderem an den seither kräftig gestiegenen Unternehmensgewinnen ablesen können.

Überdies hat es seit Dezember 2015 insgesamt 7 US-Leitzinsanhebungen gegeben: Das macht den US-Dollar für verzinsliche Anlagen eigentlich attraktiv im Vergleich zum Euro, für den noch immer eine Nullzinspolitik gefahren wird.

Meine Interpretation der vorhergegangenen (unter den genannten Aspekten eigentlich unlogischen) Abwärtsbewegung des US-Dollars lautet: Trump! Offensichtlich haben sich viele USD-Investoren wegen der „Twitter-Politik“ des amtierenden US-Präsidenten zeitweilig aus der Währung zurückgezogen.

Die seit knapp 3 Monaten zu sehende Aufwärtsbewegung des US-Dollars stützt also meine Einschätzung, dass der sich gerade ereignende Bruch des Abwärtstrends beim Euro/USD nur vorübergehender Natur sein wird.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.