Euro/ USD: Abwärts mit Rasierschaum

Wussten Sie schon, dass Sie Kaffee- und Teeflecken im Teppich mit Rasierschaum reinigen können?

Einfach den Fleck einschäumen und danach für rund 3 Stnd. ein Handtuch darüber legen, um die Feuchtigkeit aufzusaugen.

Nicht alternative Fakten, sondern alternative Nutzung

Warum ich Ihnen das mit dem Rasierschaum erzähle?

Na ja, weil Sie den Tipp vermutlich noch nicht kannten; v. a. aber, weil Sie wahrscheinlich nicht gedacht hätten, dass Sie Rasierschaum auch anderweitig als zum Rasieren nutzen können.

Und genau darum soll es heute gehen: Ich werde für Sie einen Technischen Indikator anders nutzen, als ursprünglich vorgesehen.

Relative Stärke Index und die traditionelle Nutzung

Der Relative Stärke Index wurde 1978 von dem Analysten Welles Wilder Jr. entwickelt.

Dieser Indikator misst die Relation von Auf- und Abwärtsbewegungen eines Kursverlaufs in einem vorbestimmten Zeitraum, meist einer 14er-Periode (Minuten, Tage, Wochen, Monate).

Auf diese Weise berechnet der Relative Stärke Index (RSI) die Trend-Intensität oder auch die innere Stärke eines Trends. Die dabei ermittelten Werte pendeln auf einer Skala zwischen 0% und 100%.

Wilder sah Basiswerte, die einen RSI von mehr als 70% erreichen, als „überkauft“ an. Andersherum werden Wertpapiere mit einem Relative Stärke Index von weniger als 30% als „überverkauft“ betrachtet.

Wie Sie allerdings gleich noch im Chart sehen werden, ergibt sich daraus eine wichtige Frage: Wie „überkauft“ oder „überverkauft“ kann ein Markt denn sein oder werden?

Denn: Einen Markt nur deshalb zu verkaufen, weil der RSI die 70% überschritten (zu kaufen, weil er die 30% unterschritten) hat, kann in einer fatalen Fehlentscheidung enden.

Schließlich können die „überkauften“ bzw. „überverkauften“ Zustände weit länger andauern, als wir uns vorstellen können.

Relative Stärke Index und die alternative Nutzung

Aus diesem Grund nutze ich den RSI – um es bildlich zu formulieren – nicht zum Rasieren, sondern zum Fleckentfernen!

Dazu zeichne ich in den Verlauf des Relative Stärke Index Trend-Linien ein – ganz so wie beim Kursverlauf.

Der Vorteil, den ich dabei für mich schon vor vielen Jahren entdeckt habe: Der RSI neigt dazu, Kauf- oder Verkaufs-Signale schon VOR den entsprechenden Signalen des Kursverlaufs auszubilden.

Schauen wir uns das einmal gemeinsam im nachfolgenden Chart an: Die Grafik zeigt den Euro / USD als Monats-Chart und natürlich mit dem Relative Stärke Index.

euro-usd monats-chart_31-01-2017

Euro / USD: Das jüngste Verkaufs-Signal wurde Ende Dezember generiert

Der RSI als Frühindikator

Bei dieser Chart-Analyse fokussieren wir uns auf die Verkaufssignale: Die werden immer dann generiert, wenn ein Aufwärtstrend (grüne Linien) nach unten durchbrochen wird.

Für einen optisch besseren Abgleich sind die Verkaufs-Signale durch die blauen vertikalen Balken gekennzeichnet. So finden Sie meine Aussage sehr gut bestätigt:

Der RSI eignet sich bestens als Frühindikator! In allen dargestellten Fällen verließ der Relative Stärke Index schon kurz VOR dem Kursverlauf selbst seine jeweiligen Aufwärtstrends.

Die Parität ist so gut wie sicher

Das jüngste Verkaufs-Signal (pinkfarbener vertikaler Balken) für den Euro / USD wurde Ende Dezember ausgeprägt.

Wie Sie im Chart sehen, wurde dabei die seit März 2015 gültige Seitwärts-Bewegung kurzzeitig nach unten verlassen.

Inzwischen kehrte das Währungspaar wieder in die Handelsspanne zurück. Liegt also ein Fehlsignal vor? – Wohl kaum:

Wenn Sie die Verkaufs-Signale der vergangenen Jahre einmal genauer anschauen, dann stellen Sie schnell fest, dass der Ausprägung der Signale häufig noch leichte Erholungs-Bewegungen folgten.

Das Erreichen der Parität – dann entspricht 1 € genau 1 US-Dollar – ist mithin eher eine Frage der Zeit, als eine Frage des Überhaupt.

Wenn Sie also demnächst wieder einmal Charts analysieren, dann denken Sie an den Rasierschaum: Manchmal kann es sehr hilfreich sein, Indikatoren auch einmal alternativ zu nutzen!

31. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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