Euro / USD: Bleiben Sie beim Investieren flexibel!

Glauben Sie NIE, zu wissen, wohin ein Markt tendieren wird. Seien Sie indes bereit, Ihre Sichtweise schnell zu ändern.

Überzeugungen spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle. Wikipedia definiert den Begriff so:

„ … eine feste, unerschütterliche, durch Nachprüfen eines Sachverhalts oder durch Erfahrung gewonnene Meinung – oder ein fester Glaube.“

Im Leben weichen wir äußerst selten von unseren Überzeugungen oder unserem Glauben ab. Und das ist auch völlig in Ordnung so.

An der Börse hingegen können Überzeugungen und insbesondere das Festhalten daran fatale Einbußen für Ihr eingesetztes Kapital nach sich ziehen. Beim Investieren ist vielmehr Ihre Flexibilität gefragt:

Sie sollten bereit sein, Ihre getroffene Investment-Entscheidung jederzeit infrage zu stellen! Denn die Finanzmärkte scheren sich nicht im Geringsten um IHRE Überzeugung.

Daher werden Sie auf Dauer nur Investment-Erfolge erzielen, wenn Sie bereit sind, die von den Börsen gesendeten Signale zu akzeptieren und zu interpretieren.

Wir werden das heute einmal am Beispiel des Euro / USD skizzieren.

Wie Trends definiert werden

Wie Sie vermutlich wissen, werden Aufwärtstrends durch immer höhere Hochs und höhere Tiefs definiert. Bei Abwärtstrends werden tiefere Tiefs und tiefere Hochs in Serie generiert.

In Charts können Sie diese Trends durch das Einzeichnen von Linien visualisieren. Doch auch hier gilt es, flexibel zu sein und einmal gezogene Trendlinien nicht als „in Stein gemeißelt“ anzusehen.

So ziehen Sie Trendlinien richtig

Mit dem Wissen, was einen Auf- bzw. Abwärtstrend definiert, ist es wesentlich einfacher, Trendlinien stets korrekt in Charts einzuzeichnen. Die von mir schon seit vielen Jahren praktizierte Vorgehensweise ist logisch aufgebaut, systematisch und kann deshalb konsistent angewandt werden:

  • Um eine Aufwärtstrend-Linie einzuzeichnen, wird eine Linie vom untersten Tiefpunkt zum signifikantesten höchsten Tiefpunkt gezogen, der dem höchsten Hochpunkt vorausgeht.
  • Um eine Abwärtstrend-Linie einzuzeichnen, wird eine Linie vom obersten Hochpunkt zum signifikantesten tiefsten Hochpunkt gezogen, der dem tiefsten Tiefpunkt vorausgeht.

Das klingt komplizierter, als es tatsächlich ist. Und wenn Sie diese Vorgehensweise einmal verinnerlicht haben, geht sie Ihnen „in Fleisch und Blut über“.

Trendlinien erfordern Ihre Flexibilität

Schauen wir uns dazu einmal den Tages-Chart für den Euro / USD an:

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Euro / USD: Trendlinien erfordern Ihre Flexibilität

Beginnen wir mit dem Verlauf des Währungspaares. Die gestrichelte rote Linie bezeichnete den ursprünglichen Abwärtstrend. Mit dem Anstieg (Punkt 1 im Chart) wurde der Abwärtstrend durchbrochen und schien beendet.

Tatsächlich gelang dem Euro jedoch nicht, wie man es hätte erwarten sollen, sich deutlicher nach oben abzusetzen. Vielmehr markierte das Währungspaar ab dem 10. August neue Tiefs (Punkt 2), was eine Neujustierung der Trendlinie erforderlich machte (rote Linie).

Inzwischen wurde auch dieser Abwärtstrend nach oben durchbrochen und sogar ein neuer Aufwärtstrend definiert. Allerdings wurde das bei 1 markierte Hoch bis dato noch nicht überboten.

Somit sollten Sie den Trendwechsel aus dieser Perspektive noch mit Vorsicht genießen.

Momentum unterstützt Ihre Kursanalyse

Das Momentum verkörpert den Schwung und die Dynamik einer Kursbewegung. Das 50-Tage-Momentum zeigt Ihnen diese Dynamik auf mittelfristiger Ebene (50 Tage = 10 Handelswochen).

Wie im Chart zu sehen, bildet auch der Indikator Trends aus, die Sie wiederum durch Linien visualisieren können.

Hier dokumentiert die gestrichelte grüne Linie den ursprünglichen Aufwärtstrend. Dieser wurde an Punkt 3 nach unten verlassen – eigentlich ein Verkaufssignal.

Mit dem gestern erreichten neuen Hoch (gelber Kreis, Punkt 4) wurde jedoch auch hier eine Neujustierung der Aufwärtstrendlinie erforderlich. Dieser ist nun also wieder in Kraft.

Fazit

Die heutige Analyse verdeutlicht Ihnen meine Eingangsthese, dass Sie beim Investieren nicht an Überzeugungen festhalten, sondern vielmehr flexibel im Handeln bleiben sollten.

Die am Währungspaar Euro / USD aufgezeigten Trends dokumentieren, dass ein Trendbruch nicht zwingend ein Umschalten Ihrer Investmentrichtung notwendig macht:

Fast immer ist es sinnvoller (siehe Punkte 1 und 3 im Chart), eine Position erst einmal „nur“ glattzustellen und nicht gleich in die Gegenrichtung zu spekulieren.

Die Analyse zeigt Ihnen überdies, dass Sie Ihren Investment-Erfolg verbessern können, wenn Sie

  1. … sich Signale im Kursverlauf durch einen Indikator – wie in unserem Beispiel durch das Momentum – bestätigen lassen.
  2. … die Geduld aufbringen, auf eindeutige Signale zu warten – wie beispielsweise ein Überbieten des früheren Hochs (1) an Punkt 5.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.