Euro / USD: Das würde Trump ganz und gar nicht behagen

Wechselkurse

Das neue Rekordhoch des Goldpreises auf Euro-Basis signalisiert eine bedeutsame Entwick-lung im Währungspaar Euro / USD. (Foto: welcomia / Shutterstock.com)

Am vergangenen Donnerstag hatte ich für Sie den Goldpreis analysiert. Dabei ging es vorrangig um die langfristigen Auf- und Abwärts-Zyklen im Edelmetall.

In diesem Zusammenhang hatte ich Sie auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Goldpreis, in Euro umgerechnet, eine neue historische Bestmarke erreicht hat. Da dies nicht für den in US-Dollar gehandelten Kurs des gelben Metalls gilt, muss hier noch eine andere Einflussgröße eine Rolle spielen:

Und das kann naturgemäß nur die Entwicklung des Euro gegenüber der amerikanischen Währung sein. Tatsächlich ist unsere heimische Devise gegenüber dem US-Dollar auf ein 2-Jahrestief gesunken.

Wir schauen daher heute mal, was hier im Detail geschehen ist. Noch wichtiger indes ist, was dies konkret für Sie als Anleger bedeuten kann und ob der jüngste Rückgang auch langfristige Konsequenzen in der Charttechnik des Währungspaares mit sich bringt.

Wann die Entwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar für Sie wichtig ist

Wenn Ihr Vermögen auf Euro oder Schweizer Franken (SFRS) lautet – was wohl sehr wahrscheinlich ist – dann kommt der Entwicklung zwischen Euro und US-Dollar eine besondere Bedeutung zu, falls Sie in USD-notierten Aktien oder Anleihen investieren.

Dasselbe trifft auch auf Rohstoffe zu, die traditionell in der Welt-Leitwährung US-Dollar gehandelt werden. Dabei gilt:

Steigen der Euro / SFRS gegenüber dem US-Dollar, dann verbuchen Sie – unabhängig von der Kursentwicklung Ihres US-Investments – einen entsprechenden Währungsverlust. Umgekehrt fällt ein zusätzlicher Gewinn an, wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar nachgibt.

Weitere Konsequenzen von Währungsveränderungen

Auch unter weltwirtschaftlichen Aspekten haben Veränderungen in einer Währungsbeziehung Folgen für die beteiligten Länder bzw. Regionen. Das machte Ihnen jüngst die Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA wieder deutlich:

Auf die Anfang August von Donald Trump angehobenen bzw. neu verhängten Strafzölle auf chinesische Ausfuhrprodukte reagierte der Renminbi (die chinesische Währung) mit einer Abwertung gegenüber allen anderen Währungen:

Dadurch verbilligen sich Exporte aus China, weshalb die davon betroffenen Waren im Ausland preiswerter und damit wettbewerbsfähiger werden. Die Kehrseite der Medaille: Für alle anderen Länder werden die nach China exportierten Produkte teurer und sind mithin weniger konkurrenzfähig gegenüber vergleichbaren inländischen.

Was Trump derzeit nicht schmeckt

Wenn der Euro also just auf ein 2-Jahrestief gesunken ist, dann bedeutet das für die Wirtschaftsbeziehung zwischen den USA und den Euro-Staaten:

Exporte in die Vereinigten Staaten werden preiswerter und somit konkurrenzfähiger. Umgekehrt verteuern sich für die USA die Exporte in die Euro-Region. Genau das schmeckt Trump gar nicht, weswegen er schon seit Monaten vehement gegen den starken US-Dollar wettert.

Schauen wir uns dazu zunächst die aktuelle Charttechnik an:

Euro / USD: Wichtige Unterstützung durchbrochen

Der Chart verrät Ihnen Folgendes:

  • Der Abwärtstrend seit Beginn 2018 hat sich ab Mai dieses Jahres beschleunigt (gestrichelte rote Linie).
  • Die Unterstützung bei 1,1050 ist gefallen. Daraus resultiert ein neues nächstes Kursziel von 1,0830: Dort liegt eine weitere Unterstützung, die sich aus dem Oktober 2016 und März 2017 ausgebildeten Widerstand ergibt (blaues Rechteck).
  • Das 50-Tage-Momentum, das sich schon seit 12 Monaten nicht wirklich im positiven Bereich etablieren konnte, ist nun klar in den Minus-Bereich abgerutscht. Seither wird verstärkt negative Kurs-Dynamik aufgebaut.

Halten wir also fest: Die jüngste Entwicklung im Währungspaar signalisiert uns eine weiter andauernde Schwäche des Euro.

Konsequenzen für die langfristige Entwicklung

Blicken wir zum Abschluss auf einen langfristigen Chart:

Euro / USD: Wichtige Unterstützung durchbrochen

Auch hier können wir einige bedeutsame Punkte festhalten:

  • Der Euro befindet sich bereits seit Juli 2008 in einem Abwärtstrend gegenüber dem US-Dollar.
  • Mit dem jüngsten Tief wurde der Abwärtstrend seit Februar 2018 bestätigt.
  • Das dem Tages-Chart entnommene Kursziel von 1,0830 (gestrichelte Horizontale) fügt sich perfekt in das langfristige Kursbild des Monats-Charts (gelber Kreis) ein: Mit Erreichen dieser Marke würde das Währungspaar exakt auf der seit dem Jahr 1984 gültigen Aufwärtstrendlinie aufsetzen.

Fazit

Wenn Sie als Euro- (bzw. SFRS-) Anleger in USD-Papiere investieren, dann beeinflusst die Entwicklung dieses Währungspaares Ihre Performance:

Ein fallender Euro (bzw. sinkender US-Dollar) führt zu zusätzlichen Währungsprofiten. Umgekehrt sorgt ein steigender Euro für Währungseinbußen, welche die Rendite Ihrer USD-Investments senken.

Der jüngst auf ein 2-Jahrestief gefallene Euro tat dies im Rahmen einer seit Mai beschleunigten Abwärtsbewegung. Allerdings erscheint das Abwärts-Potenzial mit 1,0830 begrenzt:

Hier würde das Währungspaar nämlich von einem extrem langfristigen Aufwärtstrend aus dem Jahr 1984 aufgefangen. Erst darunter hätte ein weiterer Verfall des Euro, dann allerdings sehr ernst zu nehmende Konsequenzen:

Denn in diesem Fall würde der langfristige Aufwärtstrend nach unten durchbrochen, was Ihnen eine über viele weitere Jahre andauernde, tendenzielle Abwärtsbewegung des Euro signalisiert.

DAS würde Donald Trump ganz gewiss nicht gefallen!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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