Euro / USD: Es zeichnet sich ein Trend-Wechsel ab

Warum Sie beim Euro / USD in diesen Tagen etwas genauer hinschauen sollten. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der extrem schwache US-Dollar war im vergangenen Börsenjahr für die meisten Finanzmarktexperten eine riesige Überraschung. Wir hatten den Grund dafür in Chartanalyse-Trends bereits im Sommer 2017 analysiert:

Er war vor allem dem Misstrauen des internationalen Großkapitals gegenüber dem vor gut 12 Monaten im Amt installierten neuen US-Präsidenten Donald Trump geschuldet. Was wiederum (gemeint ist das Misstrauen) keine wirkliche Überraschung war.

Die Fortsetzung der US-Dollar-Schwäche, also auch der Stärke des Euro, war somit auch im laufenden Börsenjahr 2018 zu erwarten. Und sie zeigte sich auch prompt mit einem neuen 3-Jahreshoch von 1,2538 im Währungspaar.

Aber unter der Oberfläche tut sich derzeit Erstaunliches…

Euro / USD erreichte soeben langfristigen Abwärtstrend

Finanzmärkte bewegen sich bekanntlich in Trends. Dabei unterscheiden wir kurz-, mittel- und langfristige Tendenzen.

Langfristige Trends sind bedeutsamer als mittelfristige und diese wiederum wichtiger als die kurzfristigen. Daher ist es ratsam, sich als Charttechniker erst einmal einen Überblick über einen möglichst langen Zeitraum zu verschaffen.

Schauen Sie also gemeinsam mit mir auf einen Jahreschart des Euro / USD, der bis ins Jahr 1979 zurückreicht:

Euro / USD: Aufwärtsbewegung endete am langfristigen Abwärtstrend

Nun werden Sie als aufmerksamer Leser einwenden: Der Euro wurde doch erst am 1. Januar 1999 als Buchgeld und drei Jahre später als Bargeld eingeführt? Das ist natürlich richtig.

Der oben zu sehende Kursverlauf zeigt Ihnen für die Zeit davor die umgerechnete Währungsparität der Deutschen Mark zum US-Dollar.

Seit 1979 steigt der Euro gegenüber dem US-Dollar.

Der Anstieg über den langfristigen Widerstand bei 1,4550 hinaus im Jahr 2008 kann als kurzzeitige Übertreibung gewertet werden: In den Jahren 2007 bis 2011 endeten jegliche Versuche an oder knapp über diesem Widerstandsniveau.

Seit Beginn der Finanzkrise zeigt die Tendenz des Euro abwärts – nicht ohne Grund: Es gab in den Jahren danach diverse Auflösungsängste. Stellvertretend sei hier nur die Griechenland-Krise ins Gedächtnis gerufen.

In den Jahren 2015 bis 2017 schien zeitweilig sogar ein Kollaps des Euro möglich: Sie erkennen das daran, dass der langfristige Aufwärtstrend in dieser Zeit mehrfach verletzt wurde.

Schwung-Indikator kündigt Trend-Wechsel an

Im Hinblick auf unsere heutige Analyse ist die Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf bedeutsam: Mit dem jüngsten Jahreshoch von 1,2538 hat das Währungspaar fast den seit 2008 gültigen Abwärtstrend erreicht.

Warum dies eine Entwicklung von Tragweite ist, zeigt uns nun der (kurzfristige) Tages-Chart:

Euro / USD: Divergenz kündigt Ihnen einen Trend-Wechsel an

Zunächst einmal: Diese Grafik unterstreicht, warum ich Ihnen immer wieder eine langfristige Betrachtung ans Herz lege!

Diesem Kursverlauf können Sie nämlich schlichtweg nicht entnehmen, dass der Euro / USD mit 1,2538 jüngst an einen seit 10 Jahren andauernden Abwärtstrend angelangt war!

Dafür sehen Sie in dieser Grafik, was sich „so Erstaunliches an der Oberfläche“ tut: Die pinkfarbenen Linien im Schwung-Indikator, dem 50-Tage-Momentum, und im Kursverlauf markieren Ihnen jeweils Divergenzen (Abweichungen).

Neue Hochs in einem Aufwärtstrend sollten nämlich durch höhere Hochs im Momentum bestätigt werden. Bleibt dies aus, sprechen wir von einer Divergenz, die Ihnen wiederum einen baldigen Trendwechsel ankündigt.

Im Chart sehen Sie, wie dies bei den ersten beiden Divergenzen der Jahre 2015 und 2016 exzellent „geklappt“ hat. Mit den jüngsten Jahreshoch wurde erneut eine Divergenz ausgebildet.

Weiterhin sehen Sie, dass der Aufwärtstrend seit November im Schwung-Indikator derzeit attackiert wird (gelber Kreis). Noch ist es kein Durchbruch, aber genau deshalb sollten Sie in den kommenden Tagen beim Währungspaar ganz genau hinschauen.

Fazit

Ganz nebenbei erfahren Sie hier einen der Vorteile, die Ihnen das Momentum häufig – aber nicht immer – bieten kann: Es signalisiert Ihnen schon jetzt (mit einem Bruch des Abwärtstrends) einen Trend-Wechsel, von dem der Kursverlauf selbst noch weit entfernt scheint (blauer Kreis).

Für Sie als Euro- oder Schweizer Franken-Anleger ist dies eine bedeutsame Botschaft, wenn Sie im US-Dollar-Bereich investieren: Denn es winken Ihnen in den kommenden Wochen zusätzliche Währungsgewinne!

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.