Euro / USD: Kommt die Parität?

Nachdem der Euro gegenüber dem US-Dollar gleich zu Jahresbeginn unter die Marke von 1,2000 gesunken ist, erfreut er sich wieder erhöhter Aufmerksamkeit von Seiten der Börsenmedien und Investoren.

Heute Vormittag hob die Schweizerische Notenbank überraschend den Mindestkurs von 1,20 SFR je Euro auf und senkte den Negativ-Zins weiter auf nun -0,75%, um die Flucht in den Schweizer Franken zu stoppen. Daraufhin fiel der Euro gegenüber dem USD auf ein neues Jahrestief (bisheriges Tagestief: 1,1618).

Für die Börsenmedien, aber auch für viele Analysten ist es inzwischen „ausgemachte Sache“, dass der Euro gegenüber dem USD schon in absehbarer Zeit auf seine Parität zurückfällt. Parität bedeutet: 1 Euro entspricht exakt 1 USD.

Der lange Blick zurück

Ich schaue heute einmal gemeinsam mit Ihnen auf einen sehr langfristigen Chart des Euro / USD (zurück bis 1978). Mit Hilfe der Charttechnik werde ich analysieren, wie die Chancen auf eine Parität zu beurteilen sind.

Nun werden Sie mir als aufmerksamer Leser gleich entgegenhalten, dass es den Euro ja erst seit 1999 gibt. Das ist natürlich korrekt: Der Euro wurde am 1. Januar 1999 zunächst als Buchgeld und drei Jahre später, am 1. Januar 2002, auch als Bargeld eingeführt.

Der Chart, den Sie nun sehen werden, zeigt vor dem 1. Januar 1999 den auf Euro umgerechneten Verlauf von DM / USD:

euro gegen usd monats-chart seit 1978-15-01-2015

Euro / USD (Monats-Chart): Bei 1,0400 wartet eine wichtige Kreuz-Unterstützung

Parität? Die hatten wir doch schon mal!

Gleich zu Beginn fällt auf: Die Parität ist eigentlich nichts Neues. Es hat sie auch schon nach der Einführung des Euro als Buchgeld gegeben. Die Erinnerung verklärt halt manchmal die Realität.

Nach der Einführung als Bargeld begann der Siegeszug des Euro, der im Juli 2008 bei einem Wechselkurs von 1,6039 gipfelte (gestrichelte grüne Linie).

Interessante Nebenbeobachtung: Der Euro hat bei 1,4500 (pinkfarbene Horizontale) eine Art Langzeit-Top gebildet: Die Phasen darüber, in den Jahren 2008, 2009 und 2011, erwiesen sich letztlich als kurzzeitige „Ausreißer“.

Euro seit 2008 auf dem Abwärts-Trip

Seit dem Allzeithoch – also seit der Finanzkrise – verliert der Euro gegenüber dem USD kontinuierlich an Boden (roter Trend-Kanal). Anhand der gestrichelten blauen Linie können Sie gut erkennen, dass das Währungspaar aktuell auf das Tief bei 1,1638 aus dem Jahr 2005 zusteuert.

Im Chart sehen Sie allerdings auch die grüne Aufwärtstrend-Linie, die im Jahr 1985 startet und durch die Tiefs der Jahre 2000 und 2001 verläuft. Und genau diese Aufwärtstrend-Linie könnte eine erneute Parität von Euro / USD verhindern oder zumindest eine Zeitlang blockieren.

Kreuz-Unterstützung bei 1,0400 könnte die Parität blockieren

Diese Aufwärtstrend-Linie schneidet sich nämlich mit der Unterseite des Abwärtstrend-Kanals bei etwa 1,0400 (schwarze horizontale Linie; violetter Kreis). Einen solchen Schnittpunkt bezeichnet die Charttechnik als „Kreuz-Unterstützung“.

Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Parität zwischen Euro und USD damit ausgeschlossen ist. Die Charttechnik bemüht stets die Kurshistorie, um daraus Wahrscheinlichkeiten für eine mögliche künftige Entwicklung abzuleiten.

Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz des Euro – davon können wir inzwischen wohl sprechen – bei 1,0400 zunächst einmal gestoppt wird, ist aufgrund der dort wartenden Kreuz-Unterstützung einfach sehr hoch.

Klar ist indes auch: Sollte dieser Schnittpunkt fallen, wird der Euro wenig später signifikant UNTER der Parität notieren!

15. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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