Euro/USD: Mit dieser Tendenz dürfen Sie rechnen

Die Parität zwischen Euro und US-Dollar wird vor allem durch einen Fakt beeinflusst. Wir schauen, wie es weitergeht. (Foto: welcomia / Shutterstock.com)

Am Mittwoch vergangener Woche erhöhte die US-Notenbank ein weiteres Mal den Leitzins:

Es war die achte Anhebung um jeweils einen Viertel-Prozentpunkt seit Dezember 2015. Damit liegt der auch als „Fed Funds Rate“ bezeichnete Leitzins bei 2,0% bis 2,25%.

Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt indes bislang noch nicht ernsthaft über eine Änderung ihrer Zinspolitik nach: Bei ihrem letzten Treffen kündigten die europäischen Währungshüter an, eine Wende „frühestens“ im Herbst 2019 zu vollziehen.

Diese unterschiedlichen Haltungen in der Leitzinspolitik strahlen unter anderem auf die Parität zwischen den beiden größten Leitwährungen der Welt aus. Und das ist insbesondere für Anleger mit US-Investments von Bedeutung.

Wir schauen uns dazu heute die Charttechnik von Euro und US-Dollar an!

Leitzins und Währung: Wie hängt das zusammen?

Bevor wir in die Analyse gehen, lassen Sie uns noch einmal darauf schauen, warum Landeswährungen von der Leitzinspolitik ihrer Notenbank beeinflusst werden.

Das „Big Money“, also die gigantischen Geldmittel der Großinvestoren, kreisen beständig um den Erdball, stets auf der Suche nach der bestmöglichen Rendite. Dabei fließt das Kapital natürlich nicht allein in Aktien, sondern auch in verzinste Anlagen wie Anleihen Tages- oder Festgelder.

Logisch, dass aufgrund der eingangs angeführten Differenz derzeit USD-basierte Zinsanlagen gegenüber dem Euro bevorzugt werden. Entsprechend fließt tendenziell mehr Kapital in den USD-Bereich, was wiederum die Währung stärkt.

Aus diesem Grund sehen wir seit geraumer Zeit einen starken US-Dollar: Der Euro verliert gegenüber der US-Währung. Und das hat Konsequenzen für Sie, falls Sie als Euro-Anleger in US-Wertpapiere investieren:

Wann  Sie als Euro-Anleger von US-Investments profitieren

Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar sinkt – oder der US-Dollar gegenüber dem Euro steigt – dann profitieren Sie davon, wenn Sie beispielsweise Besitzer von US-Aktien sind.

Dazu ein Rechenexempel:

Nehmen wir einmal an, Sie kauften am 16. Februar dieses Jahres 100 US-Aktien zum Kurs von 100 USD sowie zum Währungskurs von 1,2556 Euro/USD. Entsprechend wurden die 10.000 USD in Euro umgerechnet und Ihrem Konto der Betrag von 7.964,32 Euro belastet.

Würde die Aktie heute noch immer bei 100 USD notieren und Sie Ihre Position deshalb abstoßen, dann bekommen Sie bei der aktuellen Währungsparität von 1,1500 einen Betrag von 8.695,65 Euro (10.000 dividiert durch 1,15) gutgeschrieben.

Macht ein Plus von 731,33 Euro oder +9,2% – und das, obwohl sich der Kurs Ihrer US-Aktie nicht verändert hat. Das Datum 16. Februar 2018 war selbstverständlich bewusst gewählt:

Rohstoffpreise: Historische Abwärtsbewegung bereits beendet?Während die Anleger noch das Abwärtspotenzial der Rohstoffpreise diskutieren, sind diese schon auf dem Weg nach oben. › mehr lesen

An jenem Tag wurde das bisherige Jahreshoch im Euro/USD festgestellt. Unser Rechenbeispiel zeigt Ihnen somit zugleich, wie viel der Euro von seinem Top bis heute eingebüßt hat.

Halten Sie also für sich fest: Ein fallender Euro/USD begünstigt Ihre US-Investments durch zusätzliche Währungsgewinne. Umgekehrt schmälert ein steigender Euro/USD Ihre Rendite.

Das Gesagte gilt selbstverständlich entsprechend für Schweizer Anleger: Nur das hier natürlich die Parität CHF/USD maßgeblich ist.

Chartanalyse

Kommen wir nun aber zur Chartanalyse:

Euro/USD: Die Folgen der Leitzinspolitik von EZB und FED

Gut zu sehen ist, dass der Euro/USD in der zweiten Aprilhälfte seinen Anfang 2017 initiierten Aufwärtstrend nach unten verlassen hat. Das war eine Art „Spätfolge“  der im März vorgenommenen Leitzinserhöhung (blauer Pfeil).

Seit Mitte Mai nun konsolidiert der Euro/USD in einer breiten Seitwärts-Bewegung. Mit dem gestrigen Handelstag wurde diese Handelsspanne nach unten verlassen.

Doch warum sollte es diesmal nicht erneut zu einer „Bärenfalle“, also einem Fehlausbruch kommen, wie zuletzt im August (roter Kreis)? Das verrät Ihnen das 50-Tage-Momentum:

Der Indikator für Schwung und Dynamik einer Kursbewegung hat zu Beginn dieser Woche seinen Ende Juni etablierten Aufwärtstrend nach unten durchbrochen (gelber Kreis). Ein Verkaufssignal.

Fazit

Sie dürfen davon ausgehen, dass der Abwärtstrend im Währungspaar auch in den kommenden Monaten andauern wird. Entsprechend sollten Sie davon, als US-Aktien-Investor, durch zusätzliche Währungsgewinne profitieren.

Für ein Andauern des Abwärtstrends spricht schlicht und ergreifend die von EZB und FED (Federal Reserve Bank) angekündigte Leitzinspolitik: Die Europäische Zentralbank hält, wie eingangs berichtet, an ihrer „Nullzins“-Haltung bis mindestens Herbst 2019 fest.

Die FED hingegen hat bereits durchblicken lassen, dass sie im selben Zeitraum weitere 4 bis 5 Zinsanpassungen – um jeweils +0,25 Prozentpunkte – vornehmen wird.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.