Euro / USD: Prognose-Ziel erreicht – was jetzt?

Was ist das Besondere an einem Markttief?

Nun: Sie wissen erst einige Tage später, ob es sich tatsächlich auch um ein solches handelt. Schließlich können auf das Markttief ja noch niedrigere Tiefs folgen.

Doch selbst wenn die Kurse zunächst wieder klettern, besteht noch immer die Möglichkeit, dass der Markt erneut und noch tiefer abrutscht.

Genau das ist auch der Grund, warum es so gut wie unmöglich ist, exakt an einem Tiefpunkt zu kaufen. Dies gilt selbstverständlich in gleicher Weise für den Verkauf an einem Markthoch.

Immerhin bietet uns die Charttechnik jedoch die Chance, wahrscheinliche Niveaus für künftige Markthochs und -tiefs im Voraus zu bestimmen. Sie können solche Punkte nämlich aus der Kurshistorie herleiten: Beispielsweise aufgrund von Trend-Linien, Widerstand oder Unterstützung.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Wenn sich der Kurs eines Marktes auf einem Allzeithoch oder einem Rekordtief bewegt, existieren die genannten Anhaltspunkte nicht.

Ziel-Prognose Euro / USD: Fast punktgenaue Landung

Am vergangenen Freitag könnte der Euro gegenüber dem US-Dollar ein Markttief ausgeprägt haben, als er bis auf 1,0462 zurückfiel: An den darauf folgenden Handelstagen, also bis heute Vormittag, wurde dieses Tief nicht mehr unterboten.

Tatsächlich hatte ich Ihnen exakt diese Marke am 15. Januar 2015 beim Stand von 1,1783 in meinem Chartanalyse-Trends-Beitrag „angekündigt“:

„Kreuz-Unterstützung bei 1,0400 könnte die Parität blockieren

Diese Aufwärtstrend-Linie schneidet sich nämlich mit der Unterseite des Abwärtstrend-Kanals bei etwa 1,0400. Einen solchen Schnittpunkt bezeichnet die Charttechnik als „Kreuz-Unterstützung“.

Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Parität zwischen Euro und USD damit ausgeschlossen ist. Die Charttechnik bemüht stets die Kurshistorie, um daraus Wahrscheinlichkeiten für eine mögliche künftige Entwicklung abzuleiten.

Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz des Euro – davon können wir inzwischen wohl sprechen – bei 1,0400 zunächst einmal gestoppt wird, ist aufgrund der dort wartenden Kreuz-Unterstützung einfach sehr hoch.

Klar ist indes auch: Sollte dieser Schnittpunkt fallen, wird der Euro wenig später signifikant UNTER der Parität notieren!“

Euro-Abwärtstrend schon vor der Kreuzunterstützung abgebremst

Schauen wir uns das noch einmal auf dem Chart an, den ich Ihnen bereits Mitte Januar präsentiert hatte:

euro gegen usd monats-chart seit 1978-18-03-2015

Euro / USD-Verfall: Zu schnell für die Kreuzunterstützung

Sie sehen es selbst am gelben Kreis: Es war letztlich nicht die Kreuzunterstützung (Schnittpunkt zwischen grüner Aufwärtstrend-Linie und unterer roter Trend-Kanal-Begrenzung) die den Fall des Euro zunächst einmal abgebremst hat.

Der Abwärtsdruck und die Abwärtsdynamik waren in den zurückliegenden 4 Wochen derart hoch, dass die untere Trend-Kanal-Begrenzung als „Haltestelle eingesprungen“ ist. Diese beiden Kriterien würden aus Sicht der Charttechnik auch dafür sprechen, dass die Abwärtsbewegung des Euro gegenüber dem US-Dollar damit ausgestanden ist. Wenn …

Ja, wenn da nicht die Europäische Zentralbank (EZB) wäre…

Wie Sie wissen, hat die EZB in der letzten Woche damit begonnen, Staatsanleihen und Anleihen von privaten Schuldnern aufzukaufen. Dieses Programm soll ein Volumen von bis zu 1.100 Mrd. Euro umfassen und bis September 2016 laufen oder bis sich die Inflationsrate im Euroraum wieder der 2%-Marke annähert.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass über anderthalb Jahre hinweg zusätzliche Euro in dem genannten Umfang auf den Markt gelangen. Ein höheres Angebot führt indes in aller Regel zu sinkenden Notierungen.

Kombinieren Sie das mit der ohnehin schon seit einigen Jahren anhaltenden Flucht aus dem Euro, dann spricht dies inzwischen eher dafür, dass der Euro / USD auf Sicht noch unter die Parität absinkt und wir demnächst neue Markttiefs sehen werden.

18. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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