Euro vs. USD: Wie entwickelt sich das Währungspaar?

Wenn man den Wechselkurs des Euro in USD untersucht, wird man schnell in einen Zwiespalt gedrängt. Denn einerseits ist die aktuell zweifelsohne recht brisante Lage in Griechenland ein dicker Malus für den Euro, aber andererseits stellt sich die Lage in den USA zunehmend schlechter dar.

Ich tendiere zu einer einzigen Aussage: „Beide Währungen sind zurzeit umfeldtechnisch hoch belastet und gehören mit Sicherheit nicht zu den Top-Währungen in der Welt. Das Zerren und Zurren gegenseitig bedingt hier die Wechselkursentwicklung des Währungspaares.

Da beide ein gleichermaßen mieses Außenbild abgeben, kann die Charttechnik wie so oft bestimmend sein. Ziele, Widerstände und Unterstützungen sind selbstredend dann hinfällig, wenn die politischen Querelen das Geschehen massiv übertünchen.

Um der Sache charttechnisch auf den Grund zu gehen, schauen wir uns zunächst das kurzfristige Bild an und nehmen dazu den 8-Monatschart unter die Lupe.

100 Euro in USD, 8-Monatschart

Kurzfristiger Aufwärtstrend gebrochen

Wir erkennen eine deutliche Bodenformation in Form eines W (grünes W), welche Anfang des Jahres die Umkehr im Euro einleitete. Von etwa 1,29 USD kletterte der Euro daraufhin bis fast 1,50 USD!

Anfang Mai war dann Schluss mit dem Anstieg des Euro. Auslöser erneut die zum x-ten Male wieder aufkeimende Schuldenproblematik. Der aufsteigende Trendkanal (blaue Trendlinien) wurde dabei nach unten verlassen.

1,41/42 USD ausgeprägte Marke

Bereits Mitte Mai bot die Marke um 1,41/42 USD eine gute Unterstützung für den Euro-Wechselkurs. Dieses Niveau ist mehrmals von oben wie auch von unten her getestet worden und hat immer zu einer Gegenbewegung geführt (rote Pfeile).

Und auch diesmal hielt die Zone! Der Euro befindet sich aktuell nach einer zwischenzeitlichen Rally bis 1,47 USD erneut an dieser Marke. Ein Durchrutschen darunter würde zu einer Bewegung mit Ziel 1,37 USD führen. Ein Abprallen mit einer angeschlossenen Aufwärtsbewegung würde den Euro Richtung 1,45 USD führen. Darüber besteht gar die Chance auf eine schräge W-Formation, die dann einen Anstieg bis über 1,50 USD ermöglichen würde.

Allerdings ist das Szenario im momentanen Umfeld kaum vorstellbar.

MACD vor „Entscheidung“

Die Wichtigkeit der oben genannten Marke wird auch durch den MACD-Indikator (rotschwarzer Kurvenverlauf unterhalb des Chartbildes) deutlich (hellroter Kasten). Er befindet sich an der Nulllinie und sollte in der nächsten Zeit ausschlagen. Die Chance auf weitere Kursverluste ist hier größer einzustufen! Auch hier wird ein Kursziel von 1,37 USD ausgeworfen, bevor der Markt sich überverkauft darstellen würde!

Längerfristiger Chart zeigt ebenfalls auf 1,37 USD

Um den Kurzfristchart zu bestätigen und die Ziele zu definieren, ist ein Blick auf den längerfristigen 3-Jahreschart sinnvoll.

100 Euro in USD, 3-Jahreschart

Trendkanal ausgereizt, zunächst Rückgang zu erwarten

Wir haben es beim Wechselkurs des Euro zum USD mit einem mustergültigen Chart zu tun! Der übergeordnete breite Abwärtstrend (roter Trendkanal) wird seit 2008 befolgt! Gleichmäßige Aufwärtsphasen wechseln sich bei Erreichen der oberen Begrenzung mit gleichmäßigen Abwärtsphasen ab und umgekehrt (blaue Pfeile). Schöner geht es in der Chartlandschaft eigentlich nicht.

Dritter Zyklus abgeschlossen, Neubewertung?

Demnach muss man der längerfristigen Analytik nach eindeutig erwarten, dass nun wieder eine Abwärtsphase eintritt. Das mustergültige Ziel läge bei 1,15 USD. Aber so einfach ist das diesmal nicht! Dabei wird nämlich völlig vergessen, dass wir bereits den dritten Zyklus abgeschlossen haben! Und zyklische Auf/Ab-Phasen in langen breiten Trendkanälen sind meist nach dem dritten Zyklus beendet. So gesehen ist durchaus zu erwarten, dass der Euro irgendwann den Abwärtstrend nach oben durchbricht und nicht mehr die zu erwartende untere Begrenzung bei 1,15 USD anläuft.

Test der oberen Begrenzung 2 Mal erfolgt

Das dem so geschehen kann, sei durch die bereits erfolgten 2 Versuche vorgewarnt.

Passend zum Trendkanal der letzten Aufwärtsbewegung (graue Trenlinien) ist ein Abgleiten auf 1,37 USD (kommt Ihnen die Zahl bekannt vor?) anzunehmen.

Danach erwarte ich, dass der Euro eine Aufwärtsbewegung einschlägt und keine weitere Abwärtsbewegung, wie das von vielen Analysten vorhergesagt wird! Der langjährige Trendkanal wäre bei 1,45/46 nach oben durchbrochen und die weitere Aufwärtsbewegung führt dann zu einer neuen Ära mit neuen Trendkanälen.

Prognose: Zunächst 1,37 USD möglich, danach eher aufwärts!

Fazit: Euro und USD sind zwei „enfants terribles“, wobei der Euro die bösesten Nachrichten bereits hinter sich hat.

Dem USD dagegen stehen noch so einige negative Stürme ins Haus.

Beide Währungen haben ihre hausgemachten Probleme. Mal wird durch neue Meldungen oder Daten die Eine, mal die andere Währung in den Fokus geraten. Die entscheidende Frage wird sein:“Wer schafft es, schneller gesund zu werden? Wer schafft es, die Schuldenproblematik schneller zu beheben?“

Und da sehe ich in der Euro-Zone einen entscheidenden Vorteil. Denn die Probleme sind bereits länger erkannt und man befindet sich in Europa schon in der Lösungsphase. Die USA haben gerade einmal damit begonnen, zu realisieren, wie groß denn das Problem eigentlich ist.

So gesehen sehe ich durchaus eine gewisse Chance, dass der Euro den langjährigen Abwärtstrend beendet und in eine neue Phase eintritt. Die Widerstandszone ist gewaltig und daher sollten Longpositionen frühestens aufgebaut werden, wenn die Zone signifikant durchbrochen wurde.

Zurzeit gilt: „Stand aside!“

16. Juni 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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