Eurokrise 2.0 – Turbulenzen am italienischen Rentenmarkt

Neben dem Absturz der griechischen Bankaktien sorgt die Lage im großen Krisenland Italien für Aufsehen. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Die erste Oktober-Woche hatte es wahrlich in sich. Zum einen flammte in Griechenland die Bankenkrise wieder voll auf. Zum anderen ist die Eurokrise ja weiter alles andere als ausgestanden. Neben Griechenland sorgte der Krisen-Gorilla Italien für Negativ-Schlagzeilen.

Italienischer Rentenmarkt bricht ein

Am italienischen Rentenmarkt kam es zu heftigen Turbulenzen. Die Kurse der Anleihen gaben massiv nach; die Renditen zogen stark an. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen schnellte auf den höchsten Stand seit März 2014 nach oben. Zwischenzeitlich lag die Rendite deutlich über 3,4 Prozent. Zum Vergleich, zehnjährige deutsche Anleihen werfen aktuell um die 0,4 Prozent ab. Kein Wunder, dass es auch am italienischen Aktienmarkt, insbesondere mit Blick auf die Kurse der Bankaktien, zu Turbulenzen kam. Die Verluste fielen aber noch relativ moderat aus.

Haushaltspläne der Regierung im Visier

Hintergrund der Turbulenzen sind ja die Pläne der neuen Regierung in Rom, das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr 2019 auf 2,4 Prozent hochzufahren. Beim jüngsten Treffen der Euro-Finanzminister waren die Pläne der Regierung Conte ja alles andere als begeistert aufgenommen werden. Der Vize-Chef der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, macht im Hintergrund mächtig Druck und drängt Rom dazu, die Budgepläne für 2019 zu verändern und ein deutlich geringeres Defizit im Staatshaushalt auszuweisen. Laut Dombrovskis widerspreche der aktuelle Haushaltsplan für das kommende Jahr den EU-Regeln des Wachstums- und Stabilitätspakts.

Euroskeptischer Ausschussvorsitzender sorgt für Unruhe

Hinzu kam in der vergangenen Woche, dass einmal mehr der Starökonom der Regierungspartei Lega Nord, Herr Claudio Borghi, die Turbulenzen regelrecht mit einer wie gewohnt eurokritischen Aussage befeuerte. Wörtlich soll der Professor für Ökonomie und Vorsitzende des Haushaltsausschusses laut der Agentur Reuters folgendes gesagt haben:

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„Ich bin ehrlich überzeugt davon, dass Italien die meisten seiner Probleme lösen würde, wenn es eine eigene Währung hätte.“

Ja, liebe Leser, die Entwicklung in der vergangenen Woche zeigt klar auf, dass die Eurokrise alles andere als ausgestanden, geschweige denn gelöst ist. Im Gegenteil, die neue Regierung im Krisenland Italien wird auch in den kommenden Wochen und Monaten für Unruhe sorgen. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen ja nicht von ungefähr.

Angesichts der horrend hohen Staatsverschuldung der Italiener wirkt jeder Basispunkt Renditeanstieg wie pures Gift. Anders gesagt, die Nervosität ist mehr als berechtigt. Und unter dem Strich liegt Herr Borghi wohl nicht gänzlich falsch mit seiner Aussage, dass Italien mit einer Lira 2.0 die meisten seiner Probleme lösen könnte…


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.