Eurokrise – Bankenrettung erhöht italienisches Haushaltsdefizit

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Die Schuldenkrise in Europa ist nicht vorbei: Jetzt wurde bekannt, dass es um die italienischen Staatsfinanzen nicht wirklich gutsteht. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Eurokrise, besser gesagt die Schuldenkrise in Europa, ist derzeit ja überhaupt nicht mehr auf der Agenda der Massenmedien. Darauf habe ich ja schon gestern hingewiesen. Ferner fällt auf, dass selbst das große Krisenland im Süden des Kontinents, Italien, nicht mehr wirklich im Fokus der Berichterstattung steht. Ab und an wird derzeit noch über die extrem schwierige politische Konstellation nach den jüngsten Parlamentswahlen berichtet.

Naja, hier könnte es ja zu einer möglichen Koalition zwischen der eher rechts ausgerichteten Lega mit der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung kommen. Sollte es zu einem solchen Bündnis kommen, wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Eurokrise wieder „aktuell“. Alles zu seiner Zeit eben.

Hohes Haushaltsdefizit durch Bankenrettung ausgeweitet

Wie auch immer, nach Ostern war nur als kleine Randnotiz zu lesen, dass es um die Staatsfinanzen Italiens weiter nicht wirklich gutsteht. Das Statistikamt Italiens, Istat, teilte jedenfalls mit, dass das Haushaltsdefizit des italienischen Staats im Jahr 2017 deutlich höher als bisher verkündet ausfiel. Kurzum, das Haushaltsdefizit wurde von 1,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf 2,3 Prozent nach oben revidiert. Hintergrund ist insofern, dass die Kosten für die Rettung diverser Krisenbanken bei der ersten Veröffentlichung nicht berücksichtigt wurden. Anders ausgedrückt, das Defizit fiel damit um fast fünf Milliarden Euro höher aus.

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Die Bankenkrise ist in Italien ja nach wie vor ungelöst. Hunderte Milliarden Euro an faulen Krediten schlummern in den Bilanzen der Geldhäuser. Und im letzten Jahr musste der italienische Staat ja massiv mit Stützungsgeldern eingreifen, um den kompletten Untergang einiger Banken in letzter Sekunde abzumildern.

In dem Kontext sei darauf hingewiesen, dass allein in der Region Venetien zwei Banken mit italienischem Staatsgeld gestützt werden mussten. Und dann war ja da auch noch die älteste Bank der Welt, Monte Paschi di Siena, die vom italienischen Staat gerettet wurde. Das Bankhaus aus der Toskana ist immerhin das drittgrößte Kreditinstitut des Landes. Und nun ist eben der italienische Staat Großaktionär des Geldhauses.

Italiens Schulden steigen weiter massiv an

Ja, liebe Leser, unter dem Strich wurde dadurch der ohnehin schon gewaltige Staatsschuldenberg der Italiener nicht kleiner. Im Gegenteil. Mittlerweile sprechen wir hier über eine offen ausgewiesene Verschuldung des Landes in Höhe von sage und schreibe 131,8 Prozent des BIP. Gigantisch hoch, aber wahr. Ein Schelm, wer nun denkt, dass nur die Geldpolitik des Italieners an der Spitze der Euro-Notenbank EZB, Mario Draghi, den italienischen Staatsbankrott abwenden konnte. Zumindest bisher. Wie schon gesagt, die Krise ist nach wie vor nicht gelöst, geschweige denn beendet.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.