Eurokrise – EZB bleibt bis auf weiteres im Krisenmodus

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Derzeit attestieren die Notenbanker dem Euroraum eine robuste Konjunktur. Dennoch verharrt die EZB im Krisenmodus. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Die Notenbanker in Frankfurt freuen sich über einen breit angelegten Aufschwung in der über viele Jahre hinweg krisengeplagten Eurozone. Das ist der Grundtenor, der in diesen Februar-Tagen durch die Finanzmedien geistert. Der Aufschwung werde weitergehen, selbst die Turbulenzen an den Aktienmärkten könnten der Erholung nichts anhaben. Naja, offen gestanden ist das wohl eher Wunschdenken und berühmt-berüchtigtes Pfeifen im Walde.

EZB bleibt im Krisenmodus

Fakt ist jedenfalls, dass die EZB bis auf weiteres voll im Mega-Krisenmodus bleibt. Nach wie vor liegt der Einlagenzins ja bei Minus 0,4 Prozent. Die großangelegten Anleihenkäufe gehen ja noch bis mindestens bis zum Herbst diesen Jahres weiter. Und Herr Draghi sagt ja bei seinen Pressekonferenzen immer wieder, dass diese Käufe noch bis ad infinitum verlängert werden könnten, wenn die Kriterien für einen nachhaltigen Anstieg der Teuerung in der Eurozone nicht erfüllt werden.

Der Chefvolkswirt der EZB, Herr Praet, bestätigte dies erst in der vergangenen Woche und betonte, dass die EZB erst dann ihre Anleihenkäufe beenden werde, wenn die Inflation stärker anzieht. Wörtlich sagte er laut Reuters in Frankfurt am Main: „Wir benötigen Geduld, denn es braucht Zeit, bis sich Preisdruck aufbaut”. Im selben Atemzug stellte er klar, dass der von der EZB gewünschte Preisdruck aktuell noch nicht existieren würde.

Gigantisches Anleihenkaufprogramm

Zur Erinnerung sei hier angemerkt, dass die EZB, genauer gesagt die Notenbanken des Eurosystems, ja seit März 2015 ein historisch einmaliges Kaufprogramm für Anleihen betreiben. Wir reden hier über ein Volumen von gewaltigen 2,55 Billionen Euro. Und wir haben hier schon erwähnt, dass die selbst ernannten Währungshüter auch Anleihen von angeschlagenen Unternehmen kaufen.

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Das Beispiel des deutsch-südafrikanischen Möbelkonzerns Steinhoff läßt grüßen. Wahnsinn, aber leider traurige Wahrheit. Das alles geschieht, weil die EZB mit aller Gewalt die offiziell ausgewiesene Inflationsrate für die Eurozone bei knapp zwei Prozent haben will. Aktuell liegt diese immer noch bei nur 1,3 Prozent.

Ja, liebe Leser, der ganze „Stimulus-Zirkus“ findet ja in einer Zeit statt, die von einer angeblich robusten Erholung geprägt ist. Da fragt sich der geneigte Beobachter, was die Notenbanker machen werden, wenn im Geleitzug der Turbulenzen an den Finanzmärkten eine handfeste Weltrezession entsteht.

Höchst beachtlich ist insofern, was jüngst EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau in dem Kontext anmerkte. Er sagte, dass das Risiko bestehen würde, dass die Geldpolitik mit der nächsten Rezession im Euroraum überfordert sei. Naja, die Notenbanker sind ja schon jetzt – in der angeblich besten aller Welten – hoffnungslos überfordert, oder?


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.