Eurokrise: Griechen verlieren mehr als ein Drittel ihrer Vermögen

Positive Schlagzeilen zur wirtschaftlichen Lage in Europa: Selbst dem Krisenland Griechenland wird eine Erholung bescheinigt. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Wirtschaft in Europa befindet sich in einem breiten und robusten Aufschwung. Und selbst Krisenländer im Süden des Kontinents würden sich momentan erholen und aus der Krise herauswachsen. So oder so ähnlich wird es massenmedial beinahe täglich verbreitet. Es ist schon wahrlich brisant, ja eigentlich skandalös, dass über die Spätfolgen der extremen Krise in Griechenland nichts bzw. bestenfalls kaum was berichtet wird.

Griechischer Fiskus mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen

Neulich war eine Meldung zu lesen, die wahrlich unfassbar ist. Fakt ist demnach, dass der griechische Staat, genauer gesagt die Finanzverwaltung der Hellenischen Republik gegen mehr als eine Million Bürger des Krisenlandes mit Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wegen unbeglichenen Verbindlichkeiten vorgeht. Dabei handelt es sich um einen neuen Rekordstand. 2016 ging der griechische Fiskus „nur“ gegen knapp 840.000 Bürger des Landes mit Zwangsmaßnahmen vor; ein Jahr zuvor, sprich 2015, waren es fast 700.000 Personen.

Das sind schon Dimensionen, die wohl historisch einmal sind. Wir reden hier über gut neun Prozent der griechischen Bevölkerung, gegen die der Staat mit aller fiskalischen Härte vorgeht. Wahnsinn! Wenn man diese Zahlen auf Deutschland projizieren würde, hieße das, dass die deutschen Finanzbehörden gegen gut 7,5 Millionen Bürger mit diversen Vollstreckungsmaßnahmen vorgehen würden. Das sind schon Zustände, die nur im Zusammenhang mit einer extremen Krise auftreten können. Und extrem war bzw. ist die Krise für die Bürger in Griechenland immer noch.

Ja, liebe Leser, die Krise und deren Folgen für die Bürger sind historisch einmalig. Extrem hart, extrem bitter. Jüngst veröffentlichte die Marktforschungsgesellschaft New World Wealth in Zusammenarbeit mit Visual Capitalist einen Bericht, in dem das Ausmaß der deflationären Wirtschaftskrise Griechenlands beziffert wurde. Und das ist mehr als nur beachtlich. Fakt ist demnach, dass die Griechen in den letzten zehn Jahren mehr als ein Drittel ihrer Privatvermögen verloren haben. Dem Bericht zufolge sollen es exakt 37 Prozent gewesen sein.

Im übrigen sind Venezuela und Griechenland die beiden Länder, die innerhalb des letzten Jahrzehnts den größten Verlust privaten Reichtums auf der Welt erlitten haben. Die Menschen in Venezuela haben fast die Hälfte ihrer Vermögen verloren.

Diese Zahlen zeigen ganz klar, dass die Krise alles andere als ausgestanden, geschweige denn überwunden ist. Es wird Jahre, ja Jahrzehnte dauern, bis sich die Griechen wieder halbwegs erholen können. Wenn überhaupt. Und es wird noch sehr, sehr lange dauern, ehe wir das wahre Ende der Krise in Europa ausrufen können. Lassen Sie sich nicht von den Aufschwung-Parolen einschläfern!

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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