Eurokrise – Italien mit dem Rücken an der Wand

Das Krisenland Italien steht mit dem Rücken an der Wand. Die jüngsten Nachrichten von der Wirtschaftsfront geben weiter Anlass zu großer Sorge. (Foto: esfera / Shutterstock.com)

Ende Mai dieses Jahres kam ja die Eurokrise, genauer gesagt das große Krisenland Italien, wieder auf die Agenda. Die Bildung einer neuen tendenziell establishment-kritischen Regierung sorgte für Turbulenzen an den Finanzmärkten. So kam es kurzfristig zu einem heftigen Abverkauf italienischer Staatsanleihen. Die Renditen schnellten fulminant nach oben. In den letzten Wochen beruhigte sich die Lage wieder etwas. Nichtsdestotrotz steht die Regierung des Krisenlands mit dem Rücken an der Wand. Die dramatischen Fakten sprechen hier eine klare Sprache.

So schlecht steht es um Italien wirklich

Die Staatsverschuldung Italiens liegt bei ca. 2.300 Milliarden Euro bzw. 132 Prozent des BIP. In der Eurozone weist nur Griechenland in Relation zum BIP einen höheren Wert aus (ca. 180 Prozent des BIP). Hinzu kommt, dass Italien mittlerweile eine gigantisch hohe Summe an Target2-Verbindlichkeiten hat. Im April belief sich der negative Target2-Saldo Italiens auf 426 Milliarden Euro – das ist der höchste negative Target2-Saldo eines Landes innerhalb der Eurozone.

Weiter spricht für sich, dass die Bankenkrise im Hintergrund weiter schwelt. Hunderte Milliarden Euro fauler Kredite belasten die krisengeplagten Banken des Landes weiter schwer. Und obendrauf konnte sich die Realwirtschaft nie wirklich vom Schock der Finanzkrise bzw. Eurokrise erholen. Im Gegenteil, noch immer liegt die Industrieproduktion deutlich unter dem Wert von vor zehn Jahren.

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Schrumpfende Industrieproduktion

Erst jüngst wurde bekannt, dass die italienischen Betriebe im April 2018 1,2 Prozent weniger als im Vormonat produzierten. Von der Agentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 0,6 Prozent erwartet, nachdem es im März noch ein Wachstum von 1,2 Prozent gegeben hatte. Der dritte Rückgang binnen vier Monaten bestätigt die Warnung des Statistikamtes. Die jüngsten Konjunkturdaten “signalisieren ein langsameres Wachstum”, so die offizielle Aussage der Statistikbehörde.  Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal ja nur um 0,3 Prozent. Anders formuliert, Italien wird weiter relativ schwach, wenn überhaupt wachsen.

Ja, liebe Leser, angesichts dieser schlechten Fundamentaldaten wundert es nicht, dass die Realwirtschaft in Italien bestenfalls dahinsiecht. Die enorm hohe Jugendarbeitslosenquote von fast einem Drittel geht nur sehr langsam und zäh zurück. Und das schon seit Jahren. Man mag sich gar nicht erst ausdenken, was hier passiert, wenn die Weltwirtschaft wieder in den Rezessionsmodus zurückfällt.

Unter dem Strich steht die italienische Regierung vor einer kaum lösbaren Herkulesaufgabe. Und damit wird sich über kurz oder lang für die Italiener die Frage stellen, ob der Ausstieg aus dem Euro und die Wiedereinführung der Lira nicht doch ein gangbarer Weg aus der Krise wäre. Alles eine Frage der Zeit, pardon Leidenszeit…


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.