Eurokrise – Target2-Forderungen der Deutschen Bundesbank erreichen Rekordwert

In der breiten Medienlandschaft gehört seit geraumer Zeit die Eurokrise der Vergangenheit an. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Wirtschaft in Europa brummt. Der konjunkturelle Aufschwung setzt sich fort und gewinnt an Breite. So steht es in den Schlagzeilen der Medien am Anfang des Jahres 2018. Und meist liest man dann noch, dass selbst das krisengebeutelte Frankreich wieder zu einer Lokomotive des wirtschaftlichen Wachstums in Europa wird. So weit, so schön.

Target2-Forderungen der Bundesbank explodieren

Fakt ist aber, dass im krassen Gegensatz zur aktuellen Schönwetter-Propaganda im Euro-System immer noch extreme Spannungen, ja Turbulenzen auf der Tagesordnung ganz oben sind. Ein Blick auf die höchst amtlich und offiziell ausgewiesenen Target2-Forderungen der Deutschen Bundesbank genügt und zeigt eindeutig auf, dass die Krise in der Eurozone weiter schwelt und alles andere als gelöst ist.

Halten Sie sich fest: zum 31.12.2017 beliefen sich die Target2-Forderungen der Deutschen Bundesbank auf sage und schreibe 906,9 Milliarden Euro. Gegenüber November 2017 stieg die Summe um 51,5 Milliarden Euro an. Dabei handelt es sich um den zweitgrößten Monatsanstieg überhaupt.

Beim Target2-Saldo handelt es sich um Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB), die auf das Zahlungsverkehrssystem Target2 zurückzuführen sind. Der Jahresanstieg dieser Forderungen der Bundesbank betrug damit 2017 mehr als 150 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 betrug der Anstieg 170 Milliarden Euro, 2015 waren es 123,5 Milliarden Euro

Bundesbank versus Kritiker

Die Deutsche Bundesbank sieht den Hauptgrund für den enormen Anstieg der Forderungen in der Umsetzung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten. Die kritischen Stimmen weisen allerdings darauf hin, dass der Anstieg der Forderungen nichts anderes als eine krasse Zunahme der Kapitalflucht aus den Krisenländern Europas sei.

Unter dem Strich führe das dazu, dass die deutsche Volkswirtschaft den Export der Waren in die EU praktisch und faktisch selbst finanziert. Selbst im „mainstream“ wird eingeräumt, dass bei einem Austritt eines Euro-Landes aus der Währungsunion die Forderungen der Bundesbank gegenüber diesem Land uneinbringlich sein könnten.

Ja, liebe Leser, unter dem Strich zeigt der Anstieg der Forderungen der Bundesbank eindeutig auf, dass die Eurokrise nie gelöst, geschweige dann beendet ist. Die Grundprobleme existieren weiter. Die Fehlkonstruktion des Euro-Systems wird nicht angegangen und ferner sind die Leistungs-Unterschiede zwischen den verschiedenen Euro-Ländern weiter viel zu krass. Es ist also nur eine Frage der Zeit, ehe die Krise in Europa wieder auf die Agenda kommt. Lassen Sie sich nicht von der Aufschwungs-Propaganda einschläfern!

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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