Eurokritiker werden mundtot gemacht

Schon vor Jahren gab es verheerende Umfragen für die EU- und Europolitik. Der Wille des Volkes wird dennoch ignoriert. (Foto: JMiks / shutterstock.com)

Europa steht vor dem Scheideweg. In der Asylkrise. Aber auch in der Euro- und EU-Politik. Immer mehr Menschen wenden sich ab vom Brüsseler Diktat.

Obwohl schon längst vieles wirtschaftlich sinnlos ist, wird daran festgehalten, weil es politisch gewollt ist. Wie etwa an der europäischen Gemeinschaftswährung des Euro.

Kritiker werden dabei mundtot gemacht, ihnen eine nationalegoistische Sichtweise vorgeworfen, Renationalisierung oder gar Fundamentalisierung. Dabei glauben die Bürger der Politik immer weniger. Euro- und EU-skeptische Parteien sind auf dem Vormarsch, wie zuletzt in Italien.

Verheerende Umfragen für den Euro und die EU

In diesem Zusammenhang möchten wir an Umfragen und Studien erinnern, die bereits 2012 gemacht wurden – mit einem verheerenden Ergebnis für die Eurokraten. Die Zahlen sehen heute wohl noch verheerender aus.

Das Ergebnis einer Studie des Bundesverbands deutscher Banken im Juli 2012 war eindeutig: Rund 56 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen glaubten, dass der Euro langfristig nicht erfolgreich sein würde.

Jeder Zweite konnte sich die Zukunft auch ohne die Gemeinschaftswährung vorstellen.

So schlecht beurteil(t)en die Deutschen schon vor Jahren die Euro- und EU-Politik

Ebenfalls im Juli 2012 bekräftige eine Umfrage des ARD-Deutschlandtrends diese Euro- und EU-kritische Tendenz: 71 Prozent der Befragten wollten eine Volksabstimmung, bevor noch mehr Kompetenzen an Brüssel abgegeben werden sollten.

Das Forschungsinstitut Emnid führte im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im September 2012 ebenfalls eine Erhebung durch:

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Dabei meinten 65 Prozent der Deutschen, dass es ihnen heute mit der D-Mark „viel besser“ oder „etwas besser“ gehen würde. 49 Prozent glaubten, ohne die EU wären sie besser dran. Nur noch 32 Prozent erklärten, ohne die Europäische Union schlechter dazu stehen.

48 Prozent waren der Überzeugung, dass es durch die EU-Mitgliedschaft in Deutschland unsicherer geworden – sprich: der soziale Frieden gefährdeter sei.

Euro- und EU-Skeptiker im Aufwind

So schlecht beurteilten die Deutschen die EU und den Euro noch nie. Und das war 2012.

Wie bereits erwähnt, befinden sich sechs Jahre später die Euro- und EU-Skeptiker im Aufwind. Ob in Italien, wo sie inzwischen die Regierung bilden, in Ungarn, Polen oder anderswo.

Wahrscheinlich sind die Anti-Europäer bereits in der Mehrheit in der Union. Auch wenn jetzt der Brexit, das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, kleingeredet wird. Die Angst davor, dass noch mehr EU-Bürger diesem Beispiel folgen wollen, ist groß bei den Eliten.

Ablehnung der Vereinigten Staaten von Europa

Und wollen Sie der sprichwörtliche Volksseele glauben, wünschen sich immer mehr Europäer die Abkehr von der Einheitswährung.

Diese scheinen auf eine Beschleunigung des europäischen Einigungsprozesses zu pfeifen, lehnen eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzregierung ab und wollen auch keine Vereinigten Staaten von Europa.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.