Europa als Ramschladen: „Alles muss raus!“

Griechenland, Spanien, Italien, Irland - der Ausverkauf der Kulturgüter ist in vollem Gange. Hier die Hintergründe. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Zwischen der Flüchtlingskrise und dem Syrienkrieg gehen viele Themen unter; Themen, die wichtig für Sie und Ihre Kinder sind.

Beispielsweise der Ausverkauf von Europas Kulturgütern- und Kulturstätten aufgrund der enormen Schuldenlast der EU-Mitgliedsstaaten.

Es wurde Ihnen bereits aufgezeigt, wie in Griechenland Inseln und Landstriche verhökert werden. Es gibt aber noch weitere EU-Länder, die Staatseigentum verkaufen – gegen den Willen der Bürger.

Ausverkauf Spanien

Der Güell Park in Barcelona ist ein Kulturgut Spaniens – nach 1975 insbesondere für die Katalanen.

Für die Einwohner wurde der Eintritt zum Park quasi über Nacht kostenpflichtig: Zwischen 7 und 8 € sollten sie plötzlich berappen. Die Bürger wehrten sich, gingen sprichwörtlichen auf die Barrikaden – mit Erfolg.

Der Metro-Namens-Verkauf

In Madrid wurden die Namen der Metro-Stationen verkauft. So heißt die ursprüngliche Station Puerto del Sol nun Vodafone Sol.

Hintergrund: Für 3 Mio. € hat sich das britische Telefonunternehmen 3 Jahre lang das Namensrecht gesichert.

Barcelona will nachziehen und nun auch die Namen seiner Metro-Stationen verkaufen.

Ausverkauf Italien

Das Land besitzt viele antike Grundstücke, die zum Kulturerbe gehören – begehrte Objekte.

So werden verschiedene antike Paläste von der staatlichen Immobilien-Agentur verkauft oder verpachtet, u. a. für 99 Jahre an Luxushotels.

Desöfteren wurde bereits versucht, das Kolosseum in Rom zu verkaufen. Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi gründete dazu einst die privatrechtliche Aktiengesellschaft SPA.

Diese sollte die staatlichen Immobilien nicht nur bewerten, sondern auch langfristig verkaufen.

Kampf ums Kolosseum

Sie können es sich denken: Die Italiener protestierten lautstark gegen den Ausverkauf des ökonomisch-kulturellen Vermögens des Landes.

So konnte der Verkauf des Kolosseums verhindert werden. Allerdings erhält eine private Gesellschaft 70% der Gewinne aus dem 12-€-Eintritt der jährlich 6 Mio. Besucher. Dem Staat bleiben nur noch 30 %.

Stellen Sie sich vor, das ist Privatisierung durch die Hintertür!

Ausverkauf Irland

In Artikel 10a der irischen Verfassung ist geregelt, dass der Staat das Recht an allen natürlichen Ressourcen hat – inklusive der Luft!

So wurden bereits während der Wirtschaftskrise viele Wälder ausverkauft, obwohl für die Iren ihr Wald ein Kulturgut ist. Denn die Troika verlangte in ihrem Sparpaket, dass das Land Staatsbesitz im Wert von 3 Mrd. € veräußert.

Sogar die staatliche Forstbehörde, die für den Wiederaufbau zuständig war, fiel darunter. Durch ihre Privatisierung konnten Wälder verkauft werden, die eigentlich der Bevölkerung gehören.

Naturgut Wald

2013 protestierten tausende Menschen dagegen, das öffentliche Naturgut Wald weiter zu verscherbeln – mit Erfolg: Momentan existieren lediglich noch Bewirtschaftungs-Rechte der Waldflächen.

Ein fauler Kompromiss: Zwar gehört der irische Grund und Boden weiterhin der Bevölkerung, die Bewirtschaftung jedoch wurde mit Pachtverträgen an Privat vergeben. Der Ausverkauf ist lediglich auf Eis gelegt.

Die Iren wollen nun auch erreichen, dass in der Verfassung nicht der Staat, sondern das Volk das Recht an allen natürlichen Ressourcen hat – etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Meinen Sie nicht auch!?

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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