Europäische Banken: Hohe Kredit-Ausfälle und weitere Verluste

Sie haben es bestimmt schon in den Medien mitbekommen:

Der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) hat ergeben, dass die 51 untersuchten europäischen Großbanken weitgehend krisenfest sind.

Das Kernkapital der einzelnen Institute liegt demnach mehrheitlich bei 10 – 14% – und somit rund 2% höher als zuvor.

Bei einem makroökonomischen Schock, einer rezessiven Wirtschafts-Entwicklung in der EU in den Jahren 2016 bis 2018 wären die Banken nicht etwa „überlebensgefährdet“, sondern lediglich „sehr dünn kapitalisiert“.

Die Banken-Branche sieht sich in besserer Verfassung als noch vor 2 Jahren, beim letzten Stresstest. Finanz- und Politik-Eliten aus der EU schlagen sich gegenseitig auf die Schultern. – Also alles gut oder nicht?

Der Stresstest wurde manipuliert

Wir haben Ihnen bereits gesagt, dass dies mitnichten so ist. Denn der Stresstest wurde massiv geschönt.

Anhand der ältesten Bank der Welt, der Monte Paschi dei Siena, die beim Test am schlechtesten abgeschnitten hat, haben wir Ihnen aufgezeigt, wie das ging.

Kurz vor der Veröffentlichung des Stresstests wurde ihr von einem italienischen Bankenkonsortium 5 Mrd. € Kapitalerhöhung zugeschustert.

Gleichzeitig wurden etwa 10 Mrd. € an faulen Krediten aus der Bilanz genommen – und das mit Genehmigung der EU-Kommission sowie der nationalen Regulatoren.

Innerhalb kürzester Zeit sitzt die wackelnde Krisenbank wieder fest im Sattel. Aber das ist noch längst nicht alles. Weitere Beispiele gefällig? Dann lesen Sie weiter!

Hohe Kredit-Ausfälle und weitere Verluste

Sehen Sie: Die europäischen Banken haben erheblich niedrigere Quoten für das Kernkapital relativ zur Bilanzsumme (Leverage Ratio). Dies beträgt lediglich zwischen 4 und 7 %.

Die Deutsche Bank hatte Ende letzten Jahres sogar nur ein Leverage Ratio von 3,5 %.

Auch da bietet sich wieder ein Vergleich an: Einige EU-Großbanken sind hinsichtlich ihrer Bilanz so groß wie verschiedene US-Großbanken. Allerdings besitzen diese nur etwa 25 bis 33 % dessen Kernkapitals.

Dabei haben die europäischen Geldhäuser viel höhere Kredit-Ausfälle und Verluste bei Kredit-Ausfällen als ihre US-amerikanischen Pendants.

Dazu gibt es ebenfalls Zahlen: Die Quote der Amerikaner bei Kreditausfällen liegt bei mageren 2%. Die der Europäer bei etwa satten 10%. Manch ein Chefökonom munkelt sogar, dass diese Quote doppelt so hoch sein soll.

Aus all diesen Gründen müssten die EU-Banken also ein viel größeres Eigenkapital-Polster als die US-amerikanischen besitzen. Doch das ist bei weitem nicht so. Ist das nicht beunruhigend?

Vergessen wurde auch das starke Engagement der EU-Banken in den Schwellenländern

Und noch etwas kommt hinzu, was beim Stresstest nicht oder nur ungenügend berücksichtigt wurde: das starke Engagement der europäischen Großbanken gegenüber Schwellenländern. Es ist viel höher als das der Amerikaner.

Die 10 größten EU-Banken sind Kreditgeber in Brasilien, Russland, der Türkei und anderen Krisenstaaten. Und dieses Engagement ist absolut risikobehaftet, wie wir gerade beim Putschversuch in der Türkei gesehen haben.

Fast kein Anleger mehr hat noch großen Bedarf am Bosporus zu investieren. Der Tourismus bricht exorbitant ein. Die Türken stehen schon jetzt mit dem sprichwörtlichen Rücken zur Wand.

Aus diesem Grund stufte die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Türkei bereits als Hochrisiko-Land ein.

3. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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