Europäische Stahlindustrie: Hoffen auf die Trendwende

Und sie bewegen sich doch! Republikaner und Demokraten wollen in den USA wieder verhandeln. Die Republikaner schlagen vor, dass die Schuldenobergrenze zeitlich befristet angehoben wird. Genau diese Zwischenlösung habe ich auch gestern im Schlussgong-Interview vorgestellt.

An den Aktienmärkten wird bereits gefeiert. Aus Verhandlungsbereitschaft wird eine Einigung abgeleitet. Der DAX läuft Richtung Jahres- und Allzeithoch.

Aber nicht alle Branchen stehen 2013 auf der Gewinnerseite. Deutsche Software-Aktien wie SAP und Software AG haben die Rally komplett verpasst. Auch die Stahlwerte standen in diesem Jahr unter Druck.

Aber oft sind die Verlierer-Branchen des Vorjahres die Gewinner-Branchen im neuen Jahr. Daher lohnt sich ein Blick auf die Verlierer-Branchen. Heute starte ich hier im Schlussgong mit dem Branchenbericht Stahl.

2013 – ein verlorenes Stahljahr

Für die europäische Stahlindustrie ist 2013 kein gutes Jahr. Noch vor einem Jahr wurde von den meisten Experten eine deutliche Erholung des Marktes vorausgesagt – diese ist allerdings ausgeblieben.

Bereits im Frühjahr zeichnete sich ab, dass die Voraussagen der Experten nicht haltbar sind. Auf der Jahreskonferenz der Stahlindustrie in Sao Paulo stellte der Weltstahlverband Worldsteel jetzt für das Gesamtjahr 2013 nur noch einen Stahlverbrauch in der Europäischen Union von 135 Mio. Tonnen in Aussicht. Im vergangenen Jahr lag die Prognose noch bei 148 Mio. Tonnen.

Daraus folgt, dass die Stahlproduktion in Europa dieses Jahr voraussichtlich um fast 4% schrumpfen wird, nachdem sie bereits im Vorjahr um 9,5% eingebrochen war – immerhin kann man von einer leichten Besserung sprechen.

Europa ist damit übrigens die einzige Wirtschaftsregion weltweit, in der der Stahlverbrauch im laufenden Jahr sinkt.

Aktuelle Stahlkrise vor allem in Südeuropa

Ursächlich dafür ist vor allem der starke Nachfragerückgang in den südeuropäischen Krisenländern wie Spanien und Italien. In Spanien brach die Nachfrage um 4, in Italien sogar um 8% ein.

In der gesamten EU liegt die Stahlnachfrage aktuell um rund 30% unter dem Vorkrisen-Niveau von 2006. In Italien und Spanien sind es sogar 50 bzw. 60%.

Im Gegensatz dazu ist der weltweite Wachstumstrend dieser Branche ungebrochen. Der weltweite Stahlverbrauch steigt Jahr für Jahr.

Wachstumsmotor China

Der anhaltende Aufwärtstrend der weltweiten Stahlindustrie ist hauptsächlich der Nachfrage in Asien geschuldet. Größter Wachstumstreiber ist auch hier China.

Knapp die Hälfte des weltweit verbrauchten Stahls wird aktuell in China verbraucht. Auch im laufenden Jahr verbucht China ein Wachstum von 6% und stellt damit den Wachstumsmotor für die gesamte Branche dar.

Weltstahlverband: Talsohle in Europa erreicht

Der Weltstahlverband Worldsteel geht davon aus, dass in der EU die Talsohle des Abschwungs jetzt erreicht ist und der Zeiger ab 2014 – nach zwei schwachen Jahren – wieder auf Wachstum zeigt.

Allerdings: Die Prognosen des Verbandes sagen voraus, dass es sich bei diesem Wachstum „nur“ um eine Größenordnung von rund 2% handeln soll.

Hans Jürgen Kerkhoff, der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, warnt zugleich, dass die Strukturkrise auf dem europäischen Markt trotz der prognostizierten Trendwende anhalten werde.

Der Kapitalabfluss aus einigen wichtigen Schwellenländern, der Haushaltsstreit in den USA und einige andere Faktoren sorgen aktuell für neue Verunsicherungen.

Daher kommt Kerkhoff zu folgender Einschätzung: „Das globale konjunkturelle Umfeld bleibt für die Stahlunternehmen volatil und herausfordernd“.

Börsenstrategie: In 2 Schritten einsteigen

An der Börse ist die negative Grundstimmung bereits eingepreist. Europäische Stahlaktien sind weit von alten Höchstmarken entfernt. Sollte es 2014/2015 zu einer positiven Überraschung kommen, besitzen auch deutsche Stahlaktien wie Salzgitter oder Klöckner (Stahlhändler) sehr großes Potenzial.

Eine mögliche Anlagestrategie für Sie, falls Sie ein interessantes Chancen-Risiko-Verhältnis suchen: Eine halbe Position können Sie schon jetzt spekulativ kaufen und die zweite Hälfte aufbauen, wenn es tatsächlich die ersten positiven Meldungen aus der Branche gibt.

11. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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