Europäische Zentralbank: Wie geht es weiter?

DAX Logo RED_shutterstock_392120233_imagentle

Mit Christine Lagarde hat die EZB ein neues Gesicht bekommen. Eine neue Geldpolitik werden wir hingegen nicht erleben. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Der deutsche Leitindex DAX ist schwach in den Börsenmonat Dezember gestartet. US-Präsident Donald Trump hat heute überraschend neue Zölle angekündigt und damit die gute Stimmung schlagartig beendet.

Ruhige Börsenphasen sind auch weiterhin nicht in Sicht: Politik und Notenbanken werden immer wieder für plötzlich steigende oder fallende Kurse sorgen. Da hilft es auch nicht, wenn einzelne Akteure ausgetauscht werden.

Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Der Italiener Mario Draghi hat seinen Platz an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) geräumt und die Französin Christine Lagarde hat übernommen. Mit anderen Worten: Die EZB hat eine neue Präsidentin.

Wenn Sie jedoch glauben, dass sich damit auch der geldpolitische Kurs der EZB drastisch ändert und womöglich sogar zum Vorteil der Sparer, muss ich Sie enttäuschen. Warum Lagarde die Zinsen nicht spürbar anheben wird und wie Sie sich im Spannungsfeld historisch niedriger Zinsen und insgesamt gut gelaufener Aktienmärkte verhalten sollten, erfahren Sie gleich.

Zuvor möchte ich Ihnen Frau Lagarde kurz vorstellen. Denn ihre Biografie lässt schon erahnen, warum sich die Geldpolitik der EZB nicht zu Gunsten der Sparer verändern wird.

Christine Lagarde: Neue EZB-Chefin im Portrait

Christine Lagarde wurde am 1. Januar 1956 in Paris geboren. Sie studierte Sozialrecht und arbeitete danach als Anwältin. In diesem Beruf machte sie ebenso Karriere wie später in der Politik. Ab 2004 war sie Vorsitzende des Global Strategy Committee von Baker & McKenzie in Chicago, einer der größten internationalen Wirtschaftskanzleien mit seinerzeit 3.400 Anwälten in 70 Ländern und einem Jahresumsatz von 1 Mrd. US-Dollar.

Dann folgte der Wechsel in die Politik. Von Juni 2005 bis Mai 2007 war Lagarde beigeordnete Ministerin für Außenhandel, von Mai bis Juni 2007 war sie Ministerin für Landwirtschaft und Fleischerei und danach von Juni 2007 bis Juni 2011 Ministerin für Wirtschaft und Finanzen.

Dax30 – Niemand traut sich was…

Dax30 – Niemand traut sich was…Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte. Morgens starten wir immer mit dem Blick auf… › mehr lesen

Danach folgte der Wechsel zum Internationalen Währungsfonds (IWF), wo Christine Lagarde vom 5. Juli 2011 bis zum 12. September dieses Jahres geschäftsführende Direktorin war.

Kein Strategiewechsel bei der Geldpolitik

Wie Sie gerade erfahren haben, kommt Frau Lagarde aus der Politik. Können Sie sich vorstellen, dass eine ehemalige Politikerin aus einem hoch verschuldeten EU-Land als neue EZB-Chefin die Zinsen anhebt und damit einen Staatsbankrott Italiens und Griechenlands einleitet?

Es ist meines Erachtens völlig unvorstellbar, dass Frau Lagarde die Zinsen spürbar anhebt. Jedenfalls in der augenblicklichen Situation. Im Gegenteil: Sie wird die Zinsen wahrscheinlich sogar weiter lockern. Schon jetzt drohen deutschen Sparern Negativzinsen auf dem Girokonto, selbst bei Spareinlagen unterhalb von 100.000 Euro.

Wie reagieren die Deutschen darauf? Aus Angst vor Negativzinsen horten immer mehr Deutsche Bargeld zu Hause. In den eigenen vier Wänden wird mittlerweile doppelt so viel Geld aufbewahrt wie noch vor 10 Jahren. Insgesamt horten die Deutschen einen Betrag von 235 Mrd. Euro.

Gemessen an der Bevölkerungszahl von 83 Mio. sind dies durchschnittlich 2.800 Euro pro Kopf! Das ist auch angesichts steigender Einbruchszahlen der falsche Weg. Noch dazu verlieren Sie aufgrund der Inflation an Kaufkraft, wenn Sie Ihr Geld zuhause horten.

Die Lösung: Setzen Sie auch auf Aktien

Wenn Sie hingegen Ihr Vermögen erhalten oder sogar welches aufbauen wollen, müssen Sie Risiken eingehen und mit kurzfristigen Kursschwankungen, wie wir sie auch heute an der Börse gesehen haben, leben. Aus meiner Sicht kommen Sie dann, wenn Sie Ihr Vermögen mehren wollen, nicht an Aktien vorbei.

Und: Auf lange Sicht können Sie mit Aktien nur gewinnen. So brachte der deutsche Leitindex DAX beispielsweise in den vergangenen 31 Jahren (seit der Gründung im Jahr 1988) eine jährliche Durchschnittsrendite von rund 8% (inklusive Dividenden). Passende Empfehlungen finden Sie in meinen Börsendiensten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rolf Morrien. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz