Europas Bankenbranche zeigte nach Lehman Schwäche

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Zehn Jahre nach Lehman ist die europäische Bankenbranche nicht stärker geworden. Was heißt das für die weitere Entwicklung von Bankaktien? (Foto: unknown)

Können Sie sich noch an den 15. September 2008 erinnern? Genau vor zehn Jahren meldete die traditionsreiche US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an. Was in den Erinnerungen meist unterschlagen wird: Am selben Tag wurde Merrill Lynch von Bank of America übernommen, weil jene ansonsten den gleichen Weg wie Lehman Brothers beschritten hätte: Den in die Zahlungsunfähigkeit. Der Dow-Jones-Index brach zweistellig ein, der größte Kursverfall seit den Terrorattacken vom 11. September 2001.

Und hierzulande?

Auch in Deutschland ging es tumultartig zu. Dass die BaFin die deutsche Lehman-Tochter zumachte, war zu erwarten gewesen. Für Verwunderung und (auch wenn dies angesichts des Kursdebakels schwerfiel) Heiterkeit sorgte dagegen die Meldung, dass noch einen Tag später eine Überweisung in Höhe von 320 Mio. Euro an die bereits insolvente Lehman Brothers bekannt wurde. Die Überweisung stammte ausgerechnet von der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, einem öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut.

Dies war dann doch zu viel: Zwei KfW-Vorstände wurden binnen weniger Tage entlassen. Abgesehen davon blieben die Verantwortlichen größtenteils an Bord. Übrigens auch in den USA, was die New York Times in ihrer gestrigen „10-Jahre-Lehman-Sonderausgabe“ trefflich bemerkt hat. Unter der (ins Deutsche übersetzten) Schlagzeile “Die Politiker haben das Finanzsystem gerettet. Und Amerika hat ihnen nie verziehen” gelingt es der NYT, ein facettenreiches Thema auf den Punkt zu bringen: Niemals lass diejenigen ein Problem reparieren, die für dessen Entstehung verantwortlich waren!

Die Wurzel allen Übels

Im Alltagsleben würden wir das Motto problemlos unterschreiben. Haben wir ein Problem mit unserem Auto, welches unser angestammter Mechaniker nicht lösen kann, bringen wir es in eine neue Werkstatt. Anders EZB-Chef Trichet: Er befand sich schon vor der Krise in einer Position von Autorität und Macht. Und auch noch Jahre danach.

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Insofern ist die Vorstellung nicht unrealistisch, dass eine andere Besetzung der Entscheidungsträger andere Ergebnisse erzielt hätte. Eine, in der die Großbanken nicht schwächer geworden wären. Eine, in der es mehr statt weniger Wettbewerb gegeben hätte. Eine, in der die Banken ertragreicher geworden wären.

Banken waren lange Zeit die größten Verlierer

So ist es wenig verwunderlich, dass der größte Verlierer des vergangenen Jahrzehnts der Bankensektor ist. Mehr als 40 % haben die europäischen Bankaktien verloren, während der DAX kurz vor der Verdoppelung steht.

Dabei stehen Europas Banken immer noch vor gigantischen Herausforderungen: Sie müssen mit sich ändernden Kundenverhalten umgehen – Stichwort Fintech –, weshalb sie ihr Produktangebot modularisieren müssen. Was wiederum erhebliche Investition in die teils veraltete IT-Infrastruktur mit sich bringt.

Steigende Fixkosten wiederum erhöht die Neigung zu Übernahmen, was an der Börse meist goutiert wird. Wer überlebt, hat also gute Chancen auf zweistellige Kursgewinne. Hier wie anderswo gilt jedoch die Devise: Sie sollten stets die Qualität im Auge behalten. Also ausschließlich Bankaktien kaufen, die Sie auf Sicht von zehn Jahren im Depot halten wollten. Das engt die Auswahl deutlich ein.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.