Europcar setzt aggressive Shoppingtour ungebremst fort

Europcar: Der Einstieg bei Buchbinder wirbelt den Auto-Vermietmarkt ordentlich durcheinander. An dieser Stelle erfahren Sie mehr dazu: (Foto: Ekaterina Lin / Shutterstock.com)

Wenig berauschend verlief für Europcar die Zeit nach dem Sprung auf das Parkett vor gut 2 Jahren:

Mit roten Zahlen stotterte das Unternehmen am unteren Ende der Zeichnungs-Spanne zu 12,25 € an die Börse.

Eine schwache Geschäfts-Entwicklung sorgte im Anschluss für einen regelrechten Ausverkauf und ließ die Papiere in wenigen Monaten bis auf unter 7 € abstürzen.

Seither geht es aber wieder aufwärts – zumindest was den Aktienkurs angeht: Gerade haben die Papiere das Niveau des Börsengangs mit einem Kurs von 12,36 € wieder überschritten.

Für den jüngsten Kurssprung gibt es auch einen handfesten Grund:

Der Autovermieter greift nach seinem deutschen Konkurrenten Buchbinder und baut damit seine Marktposition deutlich aus.

Übernahme stärkt „Billig-Geschäft“

Die Marschrichtung steht fest:

Mit der Übernahme des Konkurrenten Buchbinder will der Autovermieter Europacar sein Billig-Geschäft in Deutschland stärken und zur Nr. 1 im Transporter- und Lastwagen-Markt aufsteigen.

Immerhin verfügt Buchbinder über 152 Leihstationen und eine Flotte von im Schnitt mehr als 20.000 Fahrzeugen.

Damit ist das Objekt der Begierde die Nr. 5 im deutschen Vermietmarkt und Marktführer in Österreich. Zusätzlich ist der Konzern in Ungarn und der Slowakei vertreten.

Mit einem Vermiet-Umsatz von 200 Mio. € im vergangenen Geschäftsjahr hat sich Buchbinder als reiner Anbieter im Low-Cost-Segment, also dem unteren Preissegment, positioniert.

Finanzielle Details zur Transkation sind bislang nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Deutscher Markt von hoher Bedeutung

Die Übernahme ist für Europcar von hoher Bedeutung. Denn für das Unternehmen ist der deutsche Markt der größte Erlösbringer.

Vor diesem Hintergrund ist die Akquisition von Buchbinder ein weiterer Schritt den Marktanteil im Low-Cost Segment zu steigern und Marktführer in Deutschland und Österreich zu werden.

Bislang lag Europcar mit einem Marktanteil von 27% in Deutschland weit abgeschlagen hinter dem Platzhirsch Sixt (34%).

Europcar fährt tief in der Verlustzone

Bei dem französischen Autovermieter Europcar ist einiges in Bewegung.

Drückte zum Börsengang noch eine hohe Schuldenlast von 1,8 Mrd. € die Bilanz, hat sich die Situation durch den Emissionserlöse etwas entspannt.

Dennoch sehen die aktuellen Geschäftszahlen alles andere als gut aus.

Zwar ist Europcar mit einer  Flotte von mehr als 200.000 Fahrzeugen in 160 Ländern einer der führenden Autovermietern weltweit, rutschte aber im Auftakt-Quartal tief in die Verlustzone.

Trotz des Umsatz-Anstiegs um 7% auf 439,3 Mio. €, weitete sich der operative Verlust um 1/3 auf 6,2 Mio. € aus.

Die schwachen Zahlen waren v. a. das Ergebnis von Investitionen in die Digitalisierung des Geschäfts.

Zugleich haben die fehlenden Osterfeiertage, die in diesem Jahr ins 2. Quartal fielen, das Geschäft gebremst.

Kartell-Behörde könnte Deal blockieren

Europcar rechnet damit, dass der Deal in der 2. Jahreshälfte durchgeht. Blockieren könnten dies allerdings die Wettbewerbshüter.

Denn schon heute ist Europcar der größte Autovermieter in Europa. Ob der Kauf also durchgeht, ist noch lange nicht sicher.

Verlassen können Sie sich hingegen darauf, dass die Akquisitions-Strategie der Franzosen noch lange nicht zu Ende ist.

Nach dem Erwerb des irischen Franchise-Nehmers im Dezember 2016 hat die Gruppe vor gerade einmal 2 Wochen die Übernahme ihres dänischen Franchise-Nehmers und Marktführers in Dänemark angekündigt.

Der Buchbinder-Deal dürfte also nicht der letzte Zukauf auf dem Suche nach mehr Wachstum gewesen sein.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.