Evonik-Aktie: Spezialchemieanbieter auf großer Einkaufstour in den USA

Evonik-Aktie: Spezialchemieanbieter auf großer Einkaufstour in den USA (Foto: 360b / shutterstock.com)

Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik setzt seine Shoppingtour in den USA ungebremst fort. Gestern kündigte der Konzern die Übernahme des Chemieunternehmens Peroxychem mit Sitz in Philadelphia an –  Kostenpunkt immerhin 625 Millionen Dollar.

Dem Aktienkurs hat die Meldung nicht auf die Beine geholfen. Vielmehr setzten die Papiere ihre Konsolidierung weiter fort. Auf Zwölfmonatssicht notiert die Aktie mit einem Verlust von rund 18%.

Evonik – weltweit führend in der Spezialchemie

Evonik Industries zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bereich Spezialchemie. Das Unternehmen ist in einer Vielzahl von Märkten und Anwendungsgebieten tätig und produziert chemische Produkte und Systemlösungen für Konsumgüter, die pharmazeutische Gesundheitsversorgung, Tierernährung, den Energiemarkt, die internationale Kunststoff- und Gummiindustrie und Hightech-Anwendungen auf chemischer, thermischer und mechanischer Basis.

Die Produkte des Unternehmens finden sich unter anderem in Hygieneartikeln, Solaranwendungen, Verpackungen, Halbleiterelektronik, Batterien, Baumaterialien, Farben und Lacken oder Pflanzenschutzmitteln wieder. Das deutsche Unternehmen vertreibt seine Produkte auf der ganzen Welt und betreibt Produktionsanlagen an 24 internationalen Standorten.

Dritte große Übernahme in den USA in weniger als drei Jahren

Für 625 Millionen US-Dollar übernimmt das Essener Unternehmen jetzt den Anbieter von Wasserstoffperoxid und Peressigsäure Peroxychem von One Equity Partners. Der Zukauf bringt Evonik vor allem im gewinnträchtigen Geschäft mit Spezialitäten voran. Sie müssen wissen: Wasserstoffperoxid ist eine klassische Chemikalie, für die es immer wieder neue Anwendungsgebiete gibt, darunter auch im Hightechsektor.

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Der Zukauf ist übrigens schon die dritte große Übernahme in den USA in den letzten zweieinhalb Jahren. So schluckte Evonik das Spezialchemiegeschäft der Gaseherstellers Air Products für 3,8 Milliarden Dollar. Zugleich erwarben die Essener für 630 Millionen Dollar die Silica-Sparte von Huber.

Peroxychem positioniert sich im Wachstumsmarkt

Peroxychem produziert spezielle Wasserstoffperoxid-Produkte, die unter anderem in der Abwasserbehandlung und in der Reinigung von Halbleiterfabriken eingesetzt werden. Damit erzielen die Amerikaner jährliche Wachstumsraten von 5 bis 7%, während die Zuwächse bei Standardanwendungen auf Wasserstoffperoxid-Basis eher bei 3% liegen. Beiden Unternehmen gelang es in den vergangenen vier Jahren, ihre operativen Gewinne (EBITDA) mit Wasserstoffperoxid-Produkten im Schnitt um über 10% zu steigern.

Perfekter Fit

Evonik ist selbst einer der weltweit führenden Hersteller von Wasserstoffperoxid. Allerdings ist der Konzern bisher mehr auf Standardanwendungen des Mittels konzentriert, beispielsweise für das Bleichen von Papier und Textilien. Der so genannte Aktivsauerstoff wird auch zu Desinfektion in der Medizin eingesetzt. Peroxychem wiederum ist stärker in Spezialanwendungen, etwa für die Elektronikindustrie oder für das keimfreie Verpacken von Lebensmitteln.

Stolzer Kaufpreis

Die Wachstumsperspektiven gibt es allerdings nicht umsonst. So ist der Kaufpreis mit 625 Millionen Dollar alles andere als ein Schnäppchen. Sie müssen wissen: Peroxychem beschäftigt 600 Mitarbeiter und kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 300 Millionen Dollar. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) lag bei 60 Millionen Dollar. Damit zahlt Evonik mehr als das 10-Fache des bereinigten Betriebsgewinns für die US-Firma. Auf der Positivseite rechnet Evonik mit Synergien von jährlich 20 Millionen Dollar, die bis 2022 voll realisiert werden sollen.

Allerdings haben die großen Zukäufe der vergangenen Jahre sowie milliardenschwere Pensionslasten bei Evonik für einen enormen Schuldenberg gesorgt. Aktuell beträgt die Nettofinanzverschuldung 3,2 Milliarden Euro, hinzu kommen Pensionsrückstellungen von fast 3,9 Milliarden Euro.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.