Evonik – plötzlich fehlen 154 Millionen Gewinn

Das laufende Jahr scheint bislang nicht besonders für Börsengänge geeignet zu sein.

In der letzten Woche sagte das Wohnungsbauunternehmen Deutsche Annington seinen  Börsengang ab und folgte damit dem Wissenschaftsverlag Springer Science, der ebenfalls der schlechten Stimmung für Neuemissionen Tribut zollen musste.

Oder liegt es vielleicht doch an den angebotenen Aktien, am Unternehmen?

Für eine endgültige Bewertung ist es noch zu früh, die weitere Entwicklung der Unternehmen außerhalb der Börse bleibt abzuwarten und zu beobachten.

Kein Erfolg nach Evonik-Börsengang

Beobachten sollte man auch die Unternehmen, die trotz aller Widrigkeiten dennoch die Erstnotiz gewagt haben. Und seitdem mehr schlecht als recht ihr Dasein an der Börse fristen.

So wie der Staplerhersteller KION (eine Ausgliederung aus der Linde AG). Seit seiner Erstnotiz Ende Juni zu 24,00 € dümpelt die Aktie vor sich hin, Anleger finden ganz offensichtlich keine Argumente, die Aktie zu kaufen. Und ohne Kaufinteresse können die Kurse nicht steigen.

Das Kaufinteresse verloren haben auch bereits die Aktionäre der EVONIK INDUSTRIES AG (WKN EVNK01, Ticker EVK).

Die Aktie, am 25. April diesen Jahres erstmals notiert, stürzte seit ihrer Einführung zu 33,00 € auf 24,70 € (Schlusskurs am Freitag) ab und bescherte damit Erstanlegern herbe Kursverluste.

Und wann die Talfahrt ein Ende nimmt, bleibt offen, hier kommt es einzig und allein auf das Unternehmen und entsprechende Erfolgsmeldungen an, die bislang ausblieben.

Charttechnisch jedenfalls stehen die Zeichen weiterhin auf Sturm, der Point&Figure-Chart ist da eindeutig.

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(anklicken zum Vergrößern)

Auch wenn wir erst eine kurze Historie abbilden können, sieht man die Warnsignale auf den ersten Blick. Gleich drei Point&Figure-Verkaufssignale (rote Kreise) sind es, die vom Kauf der Evonik-Aktie dringend abraten.

Nächster Halt bei 17,00 €

Und auch das ausgewiesene Kursziel von 17,00 € ermutigt nicht zum Einstieg.

Doch was sind die Gründe? Warum bringt ein Mehrheitseigentümer ein Unternehmen an die Börse, wenn die Erfolgsaussichten so schlecht sind?

Eine schwierige Frage, mit einer einfachen Antwort: Er braucht Geld, und zwar jede Menge.

Denn Evonik ist ein Unternehmen, bei dem nachhaltiges Wirtschaften nicht zwingend im Vordergrund steht.

Sondern das Flüssigmachen des Unternehmenswertes. Was wiederum historisch bedingt ist.

Ewigkeitskosten belasten das Unternehmen

Ohne jetzt einen Ausflug in die deutsche Wirtschaftsgeschichte zu unternehmen nur so viel:

Um die jahrzehntelangen Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus bzw. die seiner Stilllegung finanziell abzusichern, übertrugen in 2007 betroffene Unternehmen wie E.ON, RWE, ThyssenKrupp und ArcelorMittal  ihre Lasten an die RAG-Stiftung (vormals Ruhrkohle AG).

Danach wurde diese in Sinn und Zweck der Transaktionen war es, die sogenannten Ewigkeitskosten zu bündeln und mittelfristig ein Unternehmen zu schaffen, welches diese refinanzieren kann. Und dies nach Möglichkeit außerhalb der eigenen Firmenbilanz.

Dank der guten Einzelkontakte fand die Ausgliederung auch die Zustimmung der Politik und so konnten sich die Beteiligten elegant aus der Firmenhaftung stehlen.

Doch nun lagen die Probleme bei der RAG-Stiftung. Und die Unterhaltskosten für stillgelegte Minen, die Pensionsverpflichtungen für die ehemaligen Kumpel sowie immense Renaturierungs-aufwendungen belasten auf Jahrzehnte.

Mittel zum Zweck, und um die hohen Kosten überhaupt tragen zu können, sind die Bildung eines Kapitalstocks und die Erwirtschaftung laufender Erträge aus den Beteiligungen der RAG-Stiftung.

Und hier kommt dann wieder Evonik ins Spiel. Die Beteiligungsgesellschaft der RAG-Stiftung verfügt über Vermögenswerte und Randaktivitäten, die zum Verkauf gestellt werden sollen und damit den zukünftigen Kapitalstock für die RAG-Stiftung bilden sollen.

Andererseits erwirtschaften diese Randaktivitäten aber auch laufende Erträge, die sich nicht unerheblich in der Unternehmensbilanz niederschlagen.

Kaptalstock oder laufende Erträge – was ist wichtiger?

Und genau vor diesem Hintergrund ist es den Aktionären der Evonik unverständlich, dass sich das Unternehmen in diesen Tagen von seinem Immobilienbestand trennt, um den Kapitalstock zu stärken.

Denn satte 154 Millionen Euro oder 13,2% waren es in 2012, die die Immobilientochter zum Betriebsergebnis des Unternehmens beitrug. Die nun wegfallen und in anderen Kassen landen.

Und auch der Kapitalstock scheint dadurch nicht gefüllt zu werden, das neue Unternehmen entsteht aus einer Fusion unter Gleichen, d.h. es fließt kein Kaufpreis, es werden lediglich Kapitalanteile hin und her geschoben.

Den Sinn und Zweck des Ganzen mag verstehen, wer will, ich tue es nicht. Ich stelle lediglich fest, Evonik wird im Jahr 2013 schlicht 154 Mio. Euro weniger einnehmen.

Und dass ich mit meinem Unverständnis nicht alleine dastehe, zeigt mir die Kursentwicklung der Aktie am heutigen Morgen. Denn es geht weiter bergab auf nur noch 24,09 €. Ein weiteres Minus von 2,47%.


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8. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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