Evonik übernimmt Air Product-Sparte für 3,8 Mrd. Dollar

Die Gerüchte, dass der Spezial-Chemiekonzern Evonik kurz vor einem Milliarden-schweren Zukauf in den USA steht, haben sich bewahrheitet. Für 3,8 Mrd. Dollar übernimmt Evonik die Air Products-Sparte Performance Materials.

Die Sparte liefert Chemikalien die unter anderem für die Herstellung von Farben, Lacken und  Sonnenmilch benötigt werden. Air Products hatte das Geschäftsfeld zusammen mit dem Zuliefergeschäft für die Halbleiter-Industrie zum Verkauf gestellt.

Übernahme erfüllt zentrale Forderung der Investoren

Der Zukauf wurde an der Börse mit kräftigen Kursaufschlägen gefeiert. Gegen den schwachen Gesamtmarkt steigt die Aktie am Freitag um 4,5%. Analysten begrüßen den Schritt, da er Evonik regional breiter aufstellt und auch die Produktpalette erweitert.

Besonders die breitere Produktpalette war von vielen Investoren gewünscht. Nicht wenige sahen die hohe Abhängigkeit vom Tierfuttermarkt als größten Malus des Chemie-Konzerns, nachdem Zahlen zum ersten Quartal wenig überzeugend ausfielen.

Deal-Abschluss bis Ende dieses Jahres erwartet

Die Air Products-Sparte wird gut 1 Mrd. Dollar Umsatz und 240 Mio. Dollar operativen Gewinn beisteuern. Das Synergie-Potenzial wird mit 80 Mio. Dollar jährlich angegeben, hinzu kommt ein Steuervorteil von 500 Mio. Dollar.

Bis Ende dieses Jahres soll die größte Übernahme der Evonik-Firmengeschichte unter Dach und Fach sein. Sollte Evonik den Deal doch noch absagen, müssen die Deutschen eine Vertragsstrafe von 190 Mio. Dollar an Air Products zahlen (breakup-fee).

Starke Evonik-Bilanz lässt Spielraum für weiteren Deal

Für Evonik ist die Übernahme wichtig, um die Mittelfrist-Ziele zu erreichen. Der Ausblick auf 2016 war schwach und die Analysten waren sich weitestgehend einig, dass die ambitionierten Ziele von 18 Mrd. Euro Umsatz und 3 Mrd. Euro operativen Gewinn im Jahr 2018 nur durch Zukäufe erreicht werden können.

Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass Evonik noch einmal am Übernahme-Markt aktiv wird. Für diesen Zukauf wird zwar ein Großteil der Liquidität aufgebraucht, doch bleibt Spielraum für eine zweite große strategische Ergänzung.

Ohne weitere Zukäufe bräuchte Evonik ansonsten in 2017 und 2018 über 10% Umsatzwachstum, um das Mittelfrist-Ziel zu erreichen. Woher die kommen sollen, ist schwer auszumachen.

Verschlankung soll Air Products-Effizienz steigern

Während Evonik sich strategisch breiter aufstellt, um neues Wachstum zu generieren und das Geschäft weniger anfällig von zyklischen Einflüssen zu machen, geht Air Products genau den anderen Weg.

Mit dem Verkauf der Performance Materials-Sparte soll der 30 Mrd. Dollar schwere Konzern schlanker gemacht werden. Der Fokus auf den Geschäftsbereich Industriegase soll  zu einer größeren Effizienz führen.

Weitere Deals in der Chemie-Branche vorprogrammiert

Nicht nur bei Evonik und Air Products wird eine strategische Veränderung überprüft. Die gesamte Chemiebranche ist im Umbruch. Für Aufsehen sorgten besonders der über 100 Mrd. Dollar schwere Deal zwischen Du Pont und Dow Chemical sowie der 43 Mrd. Dollar schwere Deal zwischen Syngenta und ChemChina.

Auch unter den kleineren Chemie-Unternehmen kommt es zu verschiedenen Übernahmen. Wie heute bekannt wurde, hat sich der US-amerikanische Chemie-Konzern Ferro zum Verkauf gestellt.

9. Mai 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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