Evotec: Das etwas andere Biotech-Unternehmen

Mann Aktien – Phongphan – shutterstock_574318042

Seit rund einem Jahr bewegt sich die Evotec-Aktie seitwärts. Auf lange Sicht spricht einiges für steigende Kurse. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das deutsche Biotech-Unternehmen schreibt seit vielen Jahren schwarze Zahlen – im Gegensatz zur Masse der Konkurrenz. Dies verdankt Evotec seinem speziellen Geschäftsmodell, das es auch für Anleger interessant macht.

Unternehmensportrait

Bei Evotec handelt es sich nicht um ein typisches (forschendes) Biotech-Unternehmen. Die Hamburger arbeiten überwiegend im Auftrag anderer Pharma- und Biotechkonzerne, darunter befinden sich klangvolle Namen wie Merck & Co, Novartis, Bayer, Sanofi, Bristol-Myers Squibb, Novo Nordisk, Celgene, AstraZeneca und Pfizer.

Bezahlt werden die Forschungsarbeiten in Form von laufenden Forschungszahlungen, weshalb Evotec im Gegensatz zu vielen anderen Biotechunternehmen bereits seit Jahren profitabel arbeitet. Einige Wirkstoffe erforscht Evotec zudem in Eigenregie, um sie zu einem späteren Zeitpunkt an größere Unternehmen zu lizensieren.

Forschung an über 100 Wirkstoffen

Evotec forscht derzeit an mehr als 100 Wirkstoffen, wobei sich der Großteil davon in einer frühen Phase der Entwicklung befindet. 13 Wirkstoffe sind aktuell in klinische Studien eingetreten, 4 davon in die 2. Phase von 3 bis zum Zulassungsantrag. Für alle Wirkstoffe in den klinischen Studien hat Evotec bereits einen Partner gefunden.

Zahlreiche Wirkstoffe in frühen Entwicklungsstadien erforscht das Unternehmen in Eigenregie. Ziel ist es jedoch immer, diese zu „verpartnern“. Denn eine Entwicklung von Medikamenten bis zur Marktreife mit abschließendem Vertrieb wäre mit enormem finanziellen Aufwand und Risiken verbunden. Außerdem fehlt dem Unternehmen dafür eine schlagkräftige Vertriebsabteilung.

Evotecs Strategie ist es daher, die Entwicklung der Medikamenten-Kandidaten soweit voran zu treiben, dass die Wirkstoffe zu einem guten Preis an große Pharmakonzerne auslizensiert werden können. Die darauffolgende klinische Entwicklung sowie das Marketing werden durch den finanzstarken Partner geleitet und bezahlt. So kann Evotec über Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen an deren zukünftigen Erfolgen teilhaben, ohne dabei ein großes finanzielles Risiko zu tragen.

Neue Kooperationen sorgen für Wachstum

Innerhalb der vergangenen 4 Jahre konnte sich der Umsatz verdreifachen. In diesem Tempo dürfte es zwar 2020 nicht weitergehen, doch ich traue dem Unternehmen zu, auch in diesem Jahr zu wachsen.

Auch in den vergangenen Monaten konnte Evotec einige neue Kooperationen eingehen und so die Basis für weiteres Wachstum legen. So erhielt beispielsweise kürzlich die US-Tochter von Evotec einen Auftrag der US-Umweltschutzbehörde EPA zur Analyse von Chemikalien zwecks Identifizierung potenzieller Gesundheits- und Umweltrisiken.

Bewertung nur auf den ersten Blick ambitioniert

Höhere Investitionen führen dieses Jahr zu sinkenden Gewinnen. Dadurch klettert das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in den dreistelligen Bereich. Das hört sich nach einer hohen Bewertung an, ist aber nicht besonders aussagekräftig. Die Anleger sollten sich darüber freuen, dass Evotec überhaupt Gewinne einfährt, während die große Masse der kleinen Biotech-Unternehmen erhebliche Verluste macht.

Mit einem aktuellen Börsenwert in Höhe des 7-Fachen des Umsatzes, ist Evotec im Vergleich zu zahlreichen US-Biotechwerten noch recht günstig bewertet. Ich sehe daher noch einiges Aufwärtspotenzial, wenn der Kurs erst einmal ins Laufen kommt.

Mann Aktien – Phongphan – shutterstock_574318042

Evotec: Starke Nachrichten können Kurs (noch) nicht beflügelnStarke Zahlen, Lob für die Übernahme und zusätzliches Geld: Für Evotec kann es kaum besser laufen. Nur die Aktie reagiert nicht.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Sascha Mohaupt. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz