Evotec: Dieser Kursrutsch scheint übertrieben

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Die Evotec-Aktie hat eine rasante Talfahrt hinter sich. Das ist verwunderlich, denn die vorgelegten Zahlen waren gut. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Evotec-Aktie hat seit Vorlage guter Halbjahreszahlen vor einer Woche ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Ich sehe gute Chancen, dass sich die Aktie davon erholen kann. Der Wert bleibt jedoch spekulativ.

Unternehmensportrait

Bei Evotec handelt es sich nicht um ein typisches (forschendes) Biotech-Unternehmen. Die Hamburger arbeiten überwiegend im Auftrag anderer Pharma- und Biotechkonzerne, darunter befinden sich klangvolle Namen wie Bayer, Pfizer, Novo Nordisk, Novartis, Sanofi, AstraZeneca und Celgene.

Bezahlt werden die Forschungsarbeiten in Form von laufenden Forschungszahlungen, weshalb Evotec im Gegensatz zu vielen anderen Biotechunternehmen bereits seit Jahren profitabel arbeitet. Einige Wirkstoffe erforscht Evotec zudem in Eigenregie, um sie zu einem späteren Zeitpunkt an größere Unternehmen zu lizensieren.

Quartalszahlen über Erwartungen, Jahresprognose angehoben

In der vergangenen Woche meldete Evotec Zahlen für das 1. Halbjahr, die über den Erwartungen lagen: Der Umsatz stieg um +16% auf 207 Mio. Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um gut +50% auf 58 Mio. Euro (Prognose lag bei 55 Mio.). Alle Geschäftsbereiche trugen laut Evotec zum guten Ergebnis bei.

Ebenfalls erfreulich: Für das Gesamtjahr erhöhte Evotec seine Prognosen: Statt von einem Umsatzplus von rund 10% geht das Unternehmen nun von einer Umsatzsteigerung von +15% aus. Außerdem soll das Ebitda um mindestens 10% zulegen (bisher waren es genau 10%).

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Nach anfänglichen Kursgewinnen folgte der Absturz

Die guten Zahlen wurden in den ersten Handelsstunden mit entsprechenden Kursgewinnen belohnt. Doch dann fingen die Tagesgewinne an zu bröckeln, die Aktie rutschte in die Verlustzone und am Ende des Tages stand ein zweistelliges Prozentminus zu Buche. In den folgenden Tagen setzte sich der Kursverfall fort. In der Spitze verlor die Evotec-Aktie ein Viertel ihres Wertes.

Es gab zwar Kritik, dass Evotec seine Prognose für den operativen Gewinn weniger stark an-gehoben hatte als für den Umsatz. Aber dies ist nun wirklich Meckern auf sehr hohem Ni-veau. In diesem Jahr hat sich das operative Geschäft unbestreitbar prächtig entwickelt. Daher mutet der Kurssturz auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar schon seltsam an.

Psychologie kann eben an der Börse ein starker Kurstreiber sein. Was mit Gewinnmitnahmen beginnt, kann dann schnell eine Eigendynamik entwickeln, vor allem in der derzeit angespannten Börsenlage. Hinzu kommt, dass die Zahlen ausgerechnet an einem der schwächsten Handelstage des Jahres veröffentlicht wurden, da sind die Anleger eher bereit, den Verkaufsknopf zu drücken.

Der Evotec-Chef nutzt die Gunst der Stunde und greift zu

Evotec-Chef Werner Lanthaler scheint jedenfalls von Evotec überzeugt zu sein: Er nutzte zu Wochenbeginn Kurse unter 19 Euro und kaufte knapp 10.000 Evotec-Aktien in einem Gesamtwert von gut 188.000 Euro.

Erholungsversuch gestartet

Gestern startete die Evotec-Aktie einen Erholungsversuch und kletterte immerhin wieder über die 20-Euro-Marke. Bis zum Kursniveau vor Bekanntgabe der Zahlen zwischen 24 und 25 Euro ist noch ein ganzes Stückchen Luft. Ich gehe davon aus, dass der Wert mittelfristig wieder in diesen Bereich (und langfristig darüber hinaus) kommen wird. Wer darauf setzen möchte, sollte allerdings eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Die nächsten Wochen dürfte es jedenfalls volatil bleiben.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.