Evotec: Hamburger Forschungsunternehmen schraubt nach abgeschlossener Übernahme Jahresprognose nach oben

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Evotec: Wirkstoffspezialist schraubt Prognose nach erfolgreicher Übernahme nach oben. Aktienkurs gerät trotzdem stark unter Druck. Enttäuschte Anleger fliehen aus der Aktie (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Auf den ersten Blick liest sich die Prognoseerhöhung des Hamburger Wirkstoffspezialisten Evotec wie ein Paukenschlag. Ein starkes Basisgeschäft und die Integration der gerade frisch übernommenen Just Bio führen zu einer deutlichen Anpassung der Jahresprognose. Trotzdem wird die Aktie gerade massiv abverkauft und der starke Run seit dem Oktobertief zum Großteil wieder zunichte gemacht. Seit dem Jahreshoch Ende Juli haben die Papiere um beinahe 30% an Wert verloren.

Evotec – der Hamburger Wirkstoffforschungsspezialist

Evotec zählt zu den weltweit führenden Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen. Unternehmen, die ihre Wirkstoffentwicklung auslagern wollen, werden hochwertige Lösungen und Dienstleistungen in diesem Bereich angeboten. Evotec übernimmt dabei alle Aktivitäten bis hin zur klinischen Entwicklung. Das Unternehmen unterhält langjährige Forschungsallianzen mit den größten Pharma-Unternehmen wie Bayer, Boehringer Ingelheim, CHDI, Genentech, Janssen Pharmaceuticals, MedImmune/AstraZeneca oder Ono Pharmaceutical sowie mit der Havard University zur Erforschung neuer Wirkstoffe.

Übernahme in den USA erweitert die Angebotspalette

Mit der Übernahme von Just Biotherapeutics, die am 2. Juli abgeschlossen wurde, haben die Hamburger ihre Angebotspalette deutlich erweitert. Zukünftig wird Evotec mit dem eingekauften Know-how auch biologische Wirkstoffe für Therapiebereiche wie Onkologie, Zentralnervensystem, Schmerz, Entzündungskrankheiten, Stoffwechselerkrankungen und Infektionskrankheiten entwickeln. Bisher konzentrierte sich der Konzern auf die Wirkstoffforschung im niedermolekularen Bereich.

Den Deal lässt sich Evotec inklusive möglicher Meilensteinzahlungen bis zu 90 Millionen Dollar kosten. Nach einer Erstzahlung in Höhe von 60 Millionen Dollar in bar an die Besitzer von Just Bio ( ARCH Venture Partners, Merck & Co., Lilly Asia Ventures und die Bill & Melinda Gates Foundation) folgt nach drei Jahren, abhängig vom Erfolg der noch in der Entwicklung befindlichen Produkte, weitere Zahlungen in Höhe von maximal 30 Millionen Dollar.

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Evotec: Starke Nachrichten können Kurs (noch) nicht beflügelnStarke Zahlen, Lob für die Übernahme und zusätzliches Geld: Für Evotec kann es kaum besser laufen. Nur die Aktie reagiert nicht.  › mehr lesen

Evotec passt Jahresprognose an

Operativ zeigt sich Evotec zuversichtlich. Die starke Entwicklung im Basisgeschäft sowie die Integration von Just Bio nahm die Konzernführung als Anlass, die Prognose zu erhöhen. Statt einem Umsatzplus von 10% erwarten die Hamburger jetzt 15%. Am Ende dürften also knapp 420 Millionen Euro Jahresumsatz in den Büchern stehen.

Auch bei dem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wurde nachgebessert. Statt rund 10% Zuwachs sollen nun mehr als 10% erreicht werden. Entsprechend sollte das Ebitda auf mindestens 101,2 Millionen Euro nach oben klettern.

Anleger hatten mehr erwartet

So gut eine nach oben geschraubte Prognose auf den ersten Blick auch scheint, sie muss immer in Relation zu den Anlegererwartungen gesehen werden. Der aktuelle Kursverlauf spricht eine eindeutige Sprache. Die Investoren hatten die Revision längst im Kurs eingepreist und hatten insgeheim auf eine noch stärkere Erhöhung gewettet. Das Ergebnis der verfehlten Erwartungen ist ein massiver Kursverfall. Bis sich die Aktie eingependelt hat, dürften die Schwankungen extrem hoch bleiben.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.