Evotec: Starke Nachrichten können Kurs (noch) nicht beflügeln

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Starke Zahlen, Lob für die Übernahme und zusätzliches Geld: Für Evotec kann es kaum besser laufen. Nur die Aktie reagiert nicht. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Biotech-Aktien zählten zuletzt nicht gerade zu den Favoriten der Anleger. Dabei gab es zum Teil zahlreiche positive Neuigkeiten – wie beispielsweise vom deutschen Biotechwert Evotec. Hier kann es sich für Sie durchaus lohnen, genauer hinzuschauen.

Unternehmensportrait

Bei Evotec handelt es sich nicht um ein typisches (forschendes) Biotech-Unternehmen. Die Hamburger arbeiten überwiegend im Auftrag anderer Pharma- und Biotechkonzernen, darunter befinden sich klangvolle Namen wie Bayer, Pfizer, Novo Nordisk, Novartis, Sanofi, AstraZeneca und Celgene.

Bezahlt werden die Forschungsarbeiten in Form von laufenden Forschungszahlungen, weshalb Evotec im Gegensatz zu vielen anderen Biotechunternehmen bereits seit Jahren profitabel arbeitet. Einige Wirkstoffe erforscht Evotec zudem in Eigenregie, um sie zu einem späteren Zeitpunkt an größere Unternehmen zu lizensieren.

Starke Quartalszahlen

Im 1. Quartal liefen die Geschäfte prächtig. Das Hamburger Biotechnologieunternehmen steigerte seinen Umsatz um +27% auf 104 Mio. Euro. Der Gewinn kletterte von 3,5 auf 13,0 Mio. Euro noch wesentlich deutlicher. Beide Zahlen lagen über den Analystenprognosen. Verantwortlich für die starken Zahlen waren zahlreiche neue Kooperationen und Meilensteinzahlungen für erfolgreiche Forschungsprojekte, beispielsweise vom wichtigsten Partner Bayer.

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Übernahme in den USA

Kurze Zeit später meldete Evotec eine Übernahme in den USA und erhielt dafür ebenfalls Beifall von Analystenseite. Evotec kaufte den US-Biologika-Experten Just Biotherapeutics für 90 Mio. Euro. Verkäufer ist ein Konsortium, zu dem der US-Pharmakonzern Merck & Co, die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und Finanzinvestoren gehören. 2018 erzielte Just Biotherapeutics einen Jahresumsatz von rund 20 Mio. US-Dollar. Der Kaufpreis vom rund 4-Fachen des Umsatzes erscheint – in Anbetracht einer doppelt so hohen Bewertung der Evotec-Aktie – somit recht günstig.

Mit diesem Schritt erweitert Evotec nicht nur sein Angebot um eine umfangreiche Bandbreite biopharmazeutisch hergestellter Wirkstoffe, sondern erhält auch Zugriff auf die technologische Plattform J. Design. Diese unterstützt die Bestimmung der vielversprechendsten Moleküle für einen Wirkstoff und basiert auf maschinellem Lernen. Ein Trend, der in der Pharmaindustrie derzeit immer mehr an Bedeutung gewinnt und Evotec mittel- bis langfristig viele neue Aufträge bescheren könnte.

Finanzspritze durch die Gates-Foundation

Zu Wochenbeginn gab es eine weitere positive Meldung: Im Zuge einer Kooperation mit der Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates erhält Evotec eine Geldspritze von 23,8 Mio. US-Dollar, um seine Tuberkulose-Forschung voranzutreiben. Damit soll eine zuverlässige Datenbasis zur Auswahl der besten Wirkstoffkombinationen für klinische Studien geschaffen werden.

Aktie konnte bislang (zu) wenig profitieren

Von den jüngsten positiven Nachrichten konnte die Evotec-Aktie bisher nur wenig profitieren. Die mag an dem aktuell eher schwierigen Marktumfeld für Biotech-Aktien liegen. Aber der Gegenwind für die Branche wird nicht ewig anhalten. Sobald sich die Stimmung wieder verbessert, kann ich mir gut vorstellen, dass die Evotec-Aktie zu den Branchenfavoriten zählen wird. Ein näherer Blick auf den Wert kann sich also für Sie lohnen.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.