Ewiger Übernahme-Kandidat Celesio endlich unter der Haube

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Clariant geht in die Offensive: Im Zuge der Branchen-Konsolidierung sucht der Schweizer Chemie-Konzern den Zusammenschluss mit Huntsman. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Die Übernahme-Aktivität in der Schweiz bleibt auf hohem Niveau – und gleichzeitig auch die Aktivität in der Chemie-Branche.

Dieses Mal kommt es zwar nicht zu „Groß frisst klein“ , dafür aber zu einem attraktiven Zusammenschluss unter Gleichen:

Der Schweizer Spezialchemie-Konzern Clariant arbeitet an einer Fusion mit dem US-amerikanischen Branchen-Kollegen Huntsman.

Nach dem Aktientausch soll Clariant am neuen Unternehmen zu 52% beteiligt sein, Huntsman-Aktionäre sollen 48% der Aktien halten.

Clariant-Aktie reagiert mit Aufschlägen

An der Börse kam die Nachricht gut an. Zwar muss die Clariant-Aktie im weiteren Handelsverlauf einen Teil der Gewinne wieder abgeben.

Doch kurz vor Handelsschluss bleibt an der Heimat-Börse in der Schweiz ein Plus von 3,5%.

Zeitgleich notiert die Huntsman-Aktie unverändert. Dies zeigt Ihnen, dass die Investoren noch nicht ganz vom Mehrwert der Transaktion überzeugt sind.

Analysten verweisen darauf, dass der transatlantische Deal mit Blick auf die jeweiligen Angebots-Paletten nur begrenztes Synergie-Potenzial trägt.

Clariant-Chef Hariol Kottmann sieht das anders: „Der perfekte Deal zur richtigen Zeit“ befindet der Firmenboss.

Fusions-Partner rechnen mit hohen Synergien

Die Kritik über verhaltenes Einsparungs-Potenzial kommt nicht von ungefähr:

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Clariant und Huntsman einigte sich darauf, dass der Verwaltungssitz des neuen Konzerns mit dem Namen HuntsmanClariant in Pratteln bei Basel haben wird.

Das operative Geschäft soll allerdings aus dem texanischen Woodlands geführt werden.

2 unterschiedliche Hauptsitze sind zwar bei transatlantischen Bündnissen sinnvoll. Doch sind sie selten so effektiv wie Hauptsitze, bei denen Verwaltung und operatives Geschäft unter einem Dach sind.

Wenn dann auch noch die operative Überschneidung nicht sehr groß ist, dann wird es schwierig mit den Einsparungen.

HuntsmanClariant scheint dies allerdings berücksichtigt zu haben und geht dennoch von 400 Mio. Dollar Synergien aus.

Und selbst wenn die Synergien geringer ausfallen, ist der Zusammenschluss positiv zu werten.

Zusammenschluss mit Huntsman mehrfach durchgespielt, aber dennoch überraschend

Clariant ist seit mehren Jahren Übernahme-Kandidat und auch ein Zusammengang mit Huntsman wurde in der Gerüchteküche immer wieder herumgereicht.

Nachdem es gegen Ende vergangenen Jahres allerdings hieß, dass die Schweizer sich bei informellen Gesprächen nicht mit den Amerikanern einig wurden, rückten wieder andere Optionen in den Fokus.

Dass es einen Deal geben wird, war für viele wahrscheinlich – zumal die Konzernspitze auch unter dem Druck von Finanz-Investoren stand.

Jetzt sieht es danach aus, als wenn Clariant einen verhältnismäßig günstigen Weg gefunden hat, um die Konzerngröße zu verdoppeln ohne selbst geschluckt zu werden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.