Expedia-Aktie: Kursdebakel bei Online-Reisebüro

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Expedia: Kurssturz nach gekappter Prognose. Werbepartner Google wird zum Problem und lässt Anleger aus der Aktie des Online-Reisebüros fliehen (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Um satte 27% rauschte die Aktie des Online-Reisvermittlers Expedia am Donnerstag nach den Zahlen in den Keller. Damit lösten sich rund 5 Milliarden Dollar Börsenwert einfach mal schnell in Luft auf. Auslöser des Kursmassakers waren vor allem schwache Quartalszahlen, die für den größten Tagesverlust der Aktie in den vergangenen sechs Jahren sorgte.

Expedia im Portrait

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, ein paar Takte zur Historie des US-Konzerns. Expedia ist das weltweit größte Online-Reisebüro. Das Unternehmen startete im Jahr 1996 als Spin-Off von Microsoft. Sowohl Privat- als auch Geschäftsreisende finden eine riesige Auswahl an Last Minute Angeboten und Reiseschnäppchen, Katalog- und Städtereisen, Linien- und Charterflügen, Hotels und Mietwagen. Darüber hinaus werden in der Kategorie vor Ort attraktive Leistungen und Services wie Eintrittskarten, Besichtigungstouren, Transfers und Restaurantreservierungen auch unabhängig von einer Reisebuchung angeboten.

Zuletzt investierte der Konzern kräftig in den Geschäftsbereich für private Ferienvermietungen (VRBO), um den Konkurrenten Airbnb und Booking im boomenden Markt für alternative Vermietungen die Stirn bieten zu können.

Starkes Wachstum, sinkende Gewinnmargen

In den zurückliegenden Jahren verzeichnete der US-Konzern beeindruckende Wachstumsraten. Seit 2004 kletterten die Umsätze von 1,84 auf 11,22 Milliarden Dollar in 2018. Weniger stark ging es allerdings bei den Gewinnen aufwärts. Auf Grund der sinkenden Gewinnspannen erhöhte sich der Nettogewinn „lediglich“ von 163 auf 406 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum.

Drittes Quartal unter Erwartungen

Im abgelaufenen dritten Quartal konnte der Reisespezialist seine Anleger nicht überzeugen. Während der Umsatz um 8,5% auf 3,56 Milliarden Dollar nach oben kletterte, musste Expedia beim Gewinn kräftige Einbußen verkraften. In nackten Zahlen bedeutet das einen Gewinn von 409 Millionen Dollar beziehungsweise 2,71 Dollar pro Aktie. Im Vergleich zum Vorjahresquartal immerhin ein Rückgang um 20%.

Um Sonderfaktoren bereinigt blieb mit 3,38 Dollar zwar deutlich mehr an Gewinn übrig, aber auch diese Kennzahl lag weit unter den Erwartungen der Analysten. Die Experten waren im Vorfeld der Zahlen nämlich von 3,80 Dollar je Anteilschein ausgegangen.

Die Supermacht Google wird zum Problem

Viel mehr als die schwächeren Zahlen dürften aber die Aussagen des Managements von Expedia für Verunsicherung gesorgt haben. Denn die Konzernführung verweist bei der Präsentation der Zahlen auf ein grundlegendes Problem – den veränderten Suchalgorithmus von Google. In das gleiche Horn blies kürzlich auch der Rivale TripAdvisor, der auf starken Gegenwind im Bereich der suchmaschinenoptimierten Werbung verwies. Kurz zum Hintergrund: Für die Online-Reisevermittler ist die Platzierung weit oben bei den Suchergebnissen über die Google-Onlinesuche enorm wichtig. Wenn Google seinen Algorithmus ändert, stellt das Firmen wie Expedia vor ein großes Problem.

Platziert Google die “kostenlosen” Links weiter unten auf der Seite und zusätzlich die eigene Hotel-Finder-Plattform sowie andere kostenpflichtige Links weiter oben, müssen Firmen wie Expedia auf teurere Marketingkanäle ausweichen. Das wiederum wirkt sich direkt auf die Gewinnentwicklung des Konzerns aus.

Jahresprognose wird deutlich zurechtgestutzt

An der aktuellen Situation dürfte sich vorerst wenig ändern. Entsprechend pessimistisch zeigt sich die Expedia-Führung und reduzierte mit Vorlage der Quartalszahlen auch die bislang bestehende Jahresplanung. Statt einem Zuwachs beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDDA) von 12 bis 15% rechnet der Konzern jetzt nur noch mit einem Anstieg von 5 bis 8%.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.