Experten sorgen sich vor Rückgang des Welthandels

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In der vergangenen Woche kamen ja die globalen Handelskonflikte wieder auf die Agenda. Die Expertenwelt sorgt sich mittlerweile vor einem starken Rückgang des Welthandels. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

In jüngster Vergangenheit kam der seit rund einem Jahr anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder ganz oben auf die Agenda der Massenmedien. In diesem fragilen Umfeld befürchten nun selbst internationale Wirtschaftsexperten, dass der Zollkrieg zwischen den USA, China und Europa zu einem Rückgang des Welthandels führen werde. Das ist zumindes das Ergebnis einer Umfrage des Münchner ifo Instituts („World Economic Survey“) unter 1.130 Volkswirten.

Weniger Handel als wichtigste Folge

Auf die Frage, was die wichtigste Folge der höheren Zölle sei, antworteten die Experten mehrheitlich „weniger Handel“. Diese Antwort erreichte den Wert von 1,7 auf einer Skala von 1 bis 3; wobei 1 „am wichtigsten“ bedeutet. Besonders groß ist diese Sorge demnach bei Volkswirten im Nahen Osten und Nordafrika. In dieser Region wurde der Wert von 1,0 erzielt.

In den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) antworteten die Experten im Schnitt mit einem Wert von 1,4. Bei den Volkswirten aus der EU, Lateinamerika und China kam jeweils ein Wert von 1,6 heraus. In anderen entwickelten Volkswirtschaften erreichte der Wert 1,7. Sehr interessant ist indes, dass die Experten in den Schwellenländern Asiens und Europas mit 2,1 und insbesondere in den USA mit 2,2 relativ unbesorgt insofern sind.

Weitere Folgen des Handelskonflikts

Höchst beachtlich sind auch die weiteren Auswirkungen des Konflikts. Hier sind ganz klar stärkerer Protektionismus, steigende Kosten durch Zölle und eine Anpassung von Liefer- und Wertschöpfungsketten zu befürchten. All diese Folgen kamen im Schnitt auf den Wert von 2,0. Für vergleichsweise etwas weniger wahrscheinlich erachten die Experten steigende Preise für Waren und Dienstleistungen sowie ein Umlenken der Handelsströme (jeweils 2,2).

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In allen Regionen der Welt, mit Ausnahme des Mittleren Ostens und Nordafrikas, sehen mehr als 50 Prozent der Befragten ihre Volkswirtschaft durch die aktuellen Handelsstreitigkeiten beeinträchtigt. Mehr als 75 Prozent der Experten in der Europäischen Union, in anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften und Lateinamerika sind sich insofern einig.

Höchst interessant, dass in Deutschland und den Niederlanden mehr als 90 Prozent der Experten angaben, dass ihr Land von den eskalierenden Handelsstreitigkeiten betroffen sei.

Und dann wurde in der vergangenen Woche auch bekannt, dass der Kreditversicherer Euler Hermes schätzt, dass die Anhebung der Einfuhrzölle auf chinesische Waren auf 25 (bisher 10) Prozent das Weltwirtschaftswachstum in den nächsten beiden Jahren um 0,5 Prozentpunkte mindern würde.

Darunter würde mit großer Sicherheit auch die exportstarke deutsche Volkswirtschaft massiv leiden. Für mich ist klar: Es ist nur eine Frage der Zeit, ehe die Wachstumsprognose für Deutschland erneut nach unten angepasst werden muss.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.