Exxon kann der große Gewinner des Öl-Crash sein

Der Preisverfall des Öls seit Mitte 2014 macht den großen Ölkonzernen weltweit schwer zu schaffen. Zähneknirschend wurden zuletzt reihenweise Gewinnrückgänge oder sogar Quartalsverluste veröffentlicht, auch die Giganten der Branche bleiben davon nicht verschont.

BP, Chevron, Shell – sie alle hatten unter dem Preisverfall zu leiden, der das Barrel Öl binnen weniger Monate im Wert halbiert hat. Auch der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil kam nicht ungeschoren davon. Im Schlussquartal verbuchte das Unternehmen einen Gewinnrückgang von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Aktie im Sinkflug

Der Erlös ging zurück auf 6,5 Milliarden US-Dollar zwischen Oktober und Dezember 2014. Ein Jahr zuvor hatte Exxon noch 8,3 Milliarden Dollar eingenommen. Die Zahlen sind schwach, aber es hätte weitaus schlimmer kommen können.

Nichtsdestotrotz blieb die Aktie zuletzt im Sinkflug. Der Chart von Exxon Mobil liest sich fast parallel zum Kurs des Ölpreises – seit vergangenem Sommer geht es stetig abwärts. In den letzten drei Monaten pendelte das Papier zwischen etwa 87 und rund 95 Dollar, doch seit Ende Februar geht es steil nach unten. Mitte der Woche lag der Wert bei nur noch 84 Dollar je Aktie.

Zumindest in Euro sieht der Kursverlauf ein wenig freundlicher aus.

2015-03-11 Exxon Mobil

Doch das Blatt könnte sich wenden. Denn Exxon Mobil ist solide aufgestellt und damit gut gewappnet für die Krise – und auch für eine mögliche Marktkonsolidierung.

Ergreift Exxon die Gunst der Stunde?

Je länger die Niedrigpreisphase beim Öl andauert, desto wahrscheinlicher werden Übernahmen innerhalb der Branche. Gerade der Einstieg in den boomenden Fracking-Markt der USA erscheint derzeit aus Sicht von Exxon attraktiv.

Das Unternehmen hatte seinerzeit den Trend verschlafen. Was zunächst ein Ärgernis darstellte, könnte sich nun als Segen erweisen: Selten ist die Gelegenheit so günstig, den Fuß in einen bereits etablierten Markt zu setzen. Die Übernahme kleinerer Fracking-Unternehmen, die häufig unter ihrer Schuldenlast ächzen und vom Ölpreisverfall besonders hart getroffen werden, scheint eine logische Konsequenz zu sein.

Doch nicht nur in diesem Segment könnte Exxon Mobil die Gunst der Stunde ergreifen. Längst brodelt auch die Gerüchteküche auf ganz anderer Ebene – denn die direkte Konkurrenz steht ebenfalls deutlich schwächer da als Exxon selbst. Nicht nur hinsichtlich der Geschäftszahlen, sondern auch mit Blick auf die Aktienentwicklung erscheinen auch hier größere Übernahmen durchaus möglich.

BP – heißer Kandidat für eine Übernahme

Insbesondere BP wäre ein heißer Kandidat für eine solche Fusion. Der Konzern ächzt noch immer unter den Spätfolgen der „Deepwater Horizon“-Katastrophe im Frühjahr 2010, der niedrige Ölpreis tut sein Übriges, um BP in Schieflage zu bringen.

Nutznießer könnte Exxon Mobil sein, denn gerade solange der Ölpreis schwach bleibt, wenden sich auch die Aktionäre zunehmend von den Branchengrößen ab.

Exxon selbst ist davor übrigens auch nicht gefeit: So hat sich Investorenlegende Warren Buffett mit seiner Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway Ende 2014 aus dem Konzern zurückgezogen. Im September war Berkshire hier noch mit 3,7 Milliarden Dollar investiert.

Die Meldungen zeigen, wie zwiespältig sich die Lage aus Sicht der Anleger derzeit gestaltet. Wer jetzt auf Ölkonzerne setzt, braucht einen langen Atem. Denn dass die Ölpreise perspektivisch wieder anziehen werden, davon gehen die meisten Beobachter fest aus. Nur wann es soweit sein wird, bleibt vorerst Spekulation.

13. März 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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