Exxon investiert wieder kräftig: Lohnt es sich?

Der Ölpreis ist wieder im Keller, doch Exxon Mobil fährt die Investitionen hoch – eine riskante Strategie, genau wie der Kauf der Aktie... (Foto: Philip Lange / Shutterstock.com)

Fast könnte man aufatmen bei Exxon Mobil. Der Ölkonzern hat einen wesentlich besseren Start ins Jahr hingelegt als noch 2016.

Im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum konnte der Gewinn im 1. Quartal nun glatt verdoppelt werden auf 4 Mrd. Dollar. Der freie Cashflow kletterte von 4,8 auf 8,2 Mrd. Dollar.

Das lag v. a. an den letzten Amtshandlungen von Rex Tillerson.

Bevor er unter US-Präsident Donald Trump zum neuen Außenminister der Vereinigten Staaten bestellt wurde, war er Vorstands-Chef bei Exxon Mobil – und setzte dort zuletzt den Rotstift an.

Kehrtwende: Investitionen werden hochgefahren

Investitionen wurden gestrichen, stattdessen sollte die Produktivität angekurbelt werden. Das hat sich offenbar ausgezahlt, wie die Q1-Bilanz in Zahlen offenbart.

Doch das war es auch schon wieder mit den Spar-Anstrengungen: Tillersons Nachfolger Darren Woods fährt die Ausgaben nun wieder nach oben.

22 Mrd. Dollar sollen allein in diesem Jahr in Bohrungen und die Erschließung von Ölvorkommen fließen. In den kommenden 3 Jahren sollen jeweils weitere 26 Mrd. Dollar folgen.

Damit lenkt Woods früher ein als die Konkurrenz, die bislang weiterhin auf die Kostenbremse tritt.

Exxon-Mobil-Aktie: Risikofaktor Ölpreis

Mit Blick auf den Ölpreis dürften sich auch bei Anlegern der Exxon-Mobil-Aktie gemischte Gefühle breitmachen.

Denn obwohl die OPEC-Staaten gemeinsam mit weiteren Ländern erst vor wenigen Tagen beschlossen haben, ihr im Herbst so euphorisch gefeiertes Abkommen zur Drosselung der Ölförderung um 9 Monate bis Ende März 2018 zu verlängern, ist der Ölpreis seither nicht gestiegen.

Ganz im Gegenteil, der Preis je Barrel rauschte sogar in den Keller und fiel zuletzt auf den tiefsten Stand seit rund 6 Monaten.

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Brent und WTI waren wieder für deutlich unter 50 Dollar je Fass zu haben.

Die Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind unterdessen deutlich: Demnach wird es zwar wieder spürbar aufwärts gehen mit dem Ölpreis – allerdings erst ab 2020.

Bis dahin, so die Annahme, wird die Nachfrage kräftig anziehen, insbesondere die aufstrebenden Schwellenländer werden einen höheren Bedarf anmelden.

Gerade wegen der zuletzt zurückgefahrenen Investitionen der Ölkonzerne wird sich dadurch jedoch eine Lücke auftun zwischen Angebot und Nachfrage, die den Preis in die Höhe treiben wird.

Es könnte aufwärts gehen – irgendwann

Soweit die Theorie…

In den vergangenen Monaten jedoch haben beispielsweise US-Fracking-Firmen die Lücke liebend gern aufgefüllt, die sich durch die Förderkürzungen von OPEC und Co. geöffnet hatte.

Woods setzt auf Risiko, indem er schon jetzt die Investitionen wieder hochfährt, keine Frage.

Doch behält die IEA Recht mit ihrer Prognose und zieht der Ölpreis in wenigen Jahren wieder an, könnte sich sein Wagemut womöglich auszahlen.

Nichtsdestotrotz: Die Exxon-Mobil-Aktie ist nichts für schwache Nerven und bleibt risikobereiten Anlegern vorbehalten.

Auf Jahressicht notiert das Papier inzwischen fast 10% tiefer bei rund 82 Dollar oder 73 €. Analysten raten mehrheitlich zur Vorsicht.

2016-06-16 Exxon


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.