EZB im Warnmodus: Neue Finanzkrise durch Italien

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Italien wackelt. Und damit die gesamte EU. Hier erfahren Sie, wie die miesen Wirtschaftsdaten des Landes tatsächlich aussehen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die neue populistische Regierung in Italien hätte die EU in arge Bedrängnis gebracht. Wir haben Ihnen aufgezeigt warum: Sie wollte Steuersenkungen, eine Absenkung des Rentenalters sowie ein staatlich finanziertes Grundeinkommen.

Obwohl sich das hochverschuldete Italien (132 Prozent Staatsverschuldung) das alles gar nicht leisten kann. Ganz im Gegenteil.

Staatspräsident lässt Regierung platzen

Schlimmer noch: Scheitert das Land dahingehend, dann scheitert ganz Europa. Denn der Eurorettungsschirm ESM kann die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nicht auffangen.

Aus diesem Grund ließ der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella diese EU- Euro- und Merkel-kritische Regierung platzen. Und damit auch den Wählerwillen, die die Lega und die Fünf-Sterne-Bewegung als stärkste Parteien – und damit als Regierung – sehen wollten.

250-Milliarden-Euro-Erlass von der EZB

Sie wissen auch, dass die vorgesehene populistische Regierung von der EZB einen Erlass von 250 Milliarden Euro forderte, um ihre Wahlversprechen finanzieren zu können.

Die Banker haben dies jedoch bereits abgelehnt. Die europäischen Verträge würden es nicht erlauben, Staaten zu finanzieren.

So sehen die miesen Haushaltszahlen Italiens aus

Die Neuverschuldung Italiens von derzeit 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hätte sich durch das neue populistische Regierungsprogramm sogar verdreifacht.

Andere Experten schätzen, dass mit einer radikalen Abkehr vom Sparkurs das italienische Haushaltsdefizit auf 5,8 Prozent steigen würde. In der EU sind dahingehend nur 3 Prozent erlaubt, will man die Maastricht-Kriterien einhalten.

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Das wusste natürlich auch die geplante italienische Regierung. Doch Sterne-Chef Luigi Di Maio meinte dazu, dass diese Höchstgrenze eben neu verhandelt werden müsse.

Fakt jedoch ist: Wenn Italien stürzt, dann könnte das die gesamte Eurozone in den Abgrund reißen. Italien ist einfach too big to fail – zu groß zum Scheitern.

Italiens neue Rentenpolitik: Chaos oder Segen?

Tatsächlich hätte Rom die Rücknahme der Rentenreform 170 Milliarden Euro gekostet. Dieser Betrag wäre zum aktuellen Schuldenstand von etwa 2,3 Billionen Euro hinzukommen.

Der Wirtschaftsberater Raj Badiani malte diesbezüglich ein wahres Horror-Szenario an die Wand. Wenn die geplante italienische Regierung das Rentenalter wieder herabgesetzt hätte, dann würde sich das Rentensystem mittel- bis langfristig nicht mehr tragen.

Denn alleine dafür würde Rom jährlich 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgeben.

Aber das ist noch nicht alles. Denn die vielen faulen Kredite, die in den Tresoren der italienischen Banken lagern, bereitet den Wirtschaftsexperten ebenfalls Magenschmerzen.

Die neue Koalition wollte mit ihrem neuen Programm die Wirtschaft ankurbeln

Allen Unkenrufen zum Trotz widersprach die geplante Koalition sämtlicher Kritik.

Lega-Chef Matteo Salvini erklärte dazu: “Die Regierung, die wir bilden wollen, will Italien zu Wachstum und Jobs verhelfen, Firmen mit ihren Investitionen ins Land bringen, Arbeit sicherer machen.“


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.