EZB lässt Anleihenkaufprogramm auslaufen

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Ab Oktober steckt die EZB weniger Geld in Anleihenkäufe, zum Jahresende hin soll das Programm auslaufen. Der Nullzins bleibt erhalten. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Zehn Jahre ist es nun her, dass die Pleite der US-Bank Lehman Brothers das globale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds führte. Hausbesitzer, Großbanken, ganze Volkswirtschaften in der Eurozone gerieten in der Folge in existenzbedrohende Schieflage.

Nur mit größter Mühe und unter Aufbringung geradezu obszöner Summen an Steuergeld konnte das System damals stabilisiert und gerettet werden. Und auch wenn sich die Lage in Irland, Portugal oder Griechenland allmählich stabilisiert, ist der Krisenmodus längst nicht vorüber.

Das verdeutlicht ein Blick auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hat vor etwa drei Jahren mit einem umfassenden Programm zum Ankauf von Anleihen begonnen, um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln. Gelungen ist dies mit eher mäßigem Erfolg: Ein Großteil des Geldes ist an den Finanzmärkten versickert.

EZB fährt Anleihenkäufe ab Oktober zurück

Nun aber wird die EZB ihre Anleihenkäufe zurückfahren, ab Oktober sollen nur noch 15 Milliarden Euro pro Monat in Anleihen von Staaten und Unternehmen gesteckt werden. Zum Jahresende hin soll das umstrittene Programm dann komplett eingestellt werden.

Doch die Anleihenkäufe sind nur ein Baustein der krisenmotivierten Gegenmaßnahmen der europäischen Zentralbanker. Ein zweiter Baustein sind die Zinsen – und die bleiben weiterhin auf ihrem historisch niedrigen Niveau. Bis mindestens Herbst 2019 soll der Leitzins im Euroraum demnach bei null Prozent verbleiben. Zudem müssen Banken einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken, statt es weiterzugeben, etwa in Form von Investitionen oder Krediten.

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Wie Bürger von Nullzinspolitik profitieren

Die Nullzinspolitik wirkt sich für die Bürger positiv oder negativ aus, je nachdem, welche Form der Geldanlage oder Altersvorsorge gewählt wurde: Sparern, die ihr Kapitalvermögen auf einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto bunkern, gehen jahrelange Zinserträge verloren. Schlimmer noch: Ihr Vermögen verliert de facto an Wert, da nicht einmal ein Inflationsausgleich stattfindet, der üblicherweise durch die Zinszahlungen sichergestellt wird.

Umgekehrt profitieren Kreditnehmer, die beispielsweise eine Immobilie finanzieren, von günstigen Konditionen durch das nach wie vor durch Niedrigzinsen geprägte Umfeld. Manch einer warnt jedoch bereits vor der nächsten sich aufblähenden Immobilienblase, die durch günstige Kredite und die dadurch steigende Nachfrage noch zusätzlich befeuert wird.

Bläht sich die nächste Immobilienblase auf?

Gerade in Ballungsräumen sind die Kaufpreise für Immobilien in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen, was sich in einem zweiten Schritt auch auf die Mieten niederschlägt. Die Lebenshaltungskosten steigen somit sowohl für Mieter als auch für neue Eigenheimbesitzer, die zwar aktuell niedrige Zinsen zahlen, aber eine höhere Kreditsumme aufnehmen müssen.

Das böse Erwachen droht, wenn die oftmals auf zehn Jahre festgeschriebenen Zinsen nach Ablauf dieser Laufzeit plötzlich in die Höhe schnellen und Kreditnehmer ihre Finanzierung nicht mehr aufbringen können. Dann droht das Platzen der nächsten Immobilienblase – die Geschichte, die sich vor zehn Jahren bereits abgespielt hat, könnte dann erneut ihren Lauf nehmen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.