EZB sorgt sich wegen möglicher stärkerer Flaute

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Anscheinend ist der Boom der Wirtschaft in Europa schon wieder im Endstadium. Das verlangsamte Wachstum bereitet der EZB Kopfzerbrechen. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Der Boom der Wirtschaft in der Eurozone gehört nun wohl endgültig der Vergangenheit an. Fakt ist, dass sich nun selbst die an sich notorisch optimistischen Notenbanker der EZB in Frankfurt vor einer stärkeren Flaute sorgen. Im jüngsten Protokoll zur Zinssitzung im April diesen Jahres hieß es nämlich, dass eine stärker ausgeprägte Abschwächung der Nachfrage nicht ausgeschlossen werden könne.

Ferner teilten die Banker mit, dass die Konjunkturaussichten unsicherer geworden seien. Sehr spannend ist auch, dass nach Ansicht der Zentralbanker die Abschwächung des Wachstums nicht nur länderübergreifend sei. Diese Verlangsamung sei auch in mehreren Sektoren festzustellen.

Schwaches erstes Quartal

Nicht zuletzt war die Abschwächung des Wachstums bereits im ersten Quartal 2018 zu beklagen. Von Januar bis März hatte sich das Wachstum in Relation zum Vorquartal ja beinahe halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Januar und März nur noch um 0,4 Prozent in Relation zum Vorquartal zu. In den drei Vorquartalen lag das Plus noch bei jeweils 0,7 Prozent. Kein Wunder also, dass die Notenbanker vor diesem Hintergrund weitgehend darin übereinstimmten, dass eine ruhige Hand in der Geldpolitik zum gegenwärtigen Zeitpunkt gerechtfertigt sei.

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Die EZB hatte im April weder den Leitzins verändert, der auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, noch ihre großangelegten milliardenschweren Anleihenkäufe aufgegeben. Herr Brzeski, seinerseits Chefvolkswirt von ING-Diba merkt laut Reuters an, dass der Sitzungsbericht zum April-Treffen bestätigen würde, dass die EZB keine Eile habe, ihre aktuelle geldpolitische Richtung zu ändern. Und auch bei den kommenden Sitzungen des geldpolitischen Entscheidungsgremiums, dem EZB-Rat, am 14. Juni in Riga und am 26. Juli in Frankfurt am Main, ist keine signifikante Trendwende der Geldpolitik in Europa zu erwarten.

Anzeichen für Preisübertreibungen nehmen zu

Ja, liebe Leser, die EZB sorgt sich aber nicht nur wegen einer möglichen konjunkturellen Flaute, sondern auch wegen der zunehmenden Risikobereitschaft der Investoren. Das ging jedenfalls aus dem jüngst veröffentlichten Finanzstabilätsbericht hervor. Zwar seien in der Eurozone keine generellen Preisübertreibungen zu erkennen.

Dennoch gebe es der EZB zufolge überzogene Bewertungen auf einigen Immobilienmärkten. Dies betreffe etwa Gewerbeimmobilien oder die Preise in großen Städten. Zudem träfe das zum Teil auch auf Anleihen mit einer niedrigen Bonitätseinstufung zu. Und just da schließt sich der Kreis. Die Risiken werden jedenfalls nicht kleiner, wenn sich die Konjunktur am Ende doch noch stärker als von den Experten erwartet abkühlen wird…


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.