Facebook Aktie crasht

Die Facebook Aktie hat binnen Stunden fast ein Viertel an Wert verbrannt. Das Unternehmen steht vor immensen Herausforderungen. (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Die Facebook Aktie hat im Zuge der Präsentation der Quartalszahlen einen historischen Absturz hingelegt: Innerhalb weniger Stunden rauschte der Kurs um bis zu 24 Prozent in den Keller, der Verlust summierte sich zwischenzeitlich auf 151 Milliarden Dollar.

Laut Bloomberg hat es zuvor noch kein anderes an der US-Börse notiertes Unternehmen geschafft, so viel Kapital innerhalb so kurzer Zeit zu verbrennen. Was war geschehen?

Facebook hatte kurz zuvor seine Bilanz für das abgelaufene zweite Quartal vorgestellt und damit die sehr hohen Erwartungen von Analysten und Anlegern teilweise verfehlt. So konnte zwar der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 Prozent gesteigert werden auf 13,23 Milliarden Dollar. Analysten hatten die Messlatte mit durchschnittlich 13,36 Milliarden Dollar jedoch noch etwas höher gehängt. Der Gewinn legte um 31 Prozent zu auf 5,1 Milliarden Dollar.

Grundsätzliche Schwierigkeiten

Noch deutlicher als das rein monetäre Zahlenwerk dürften aber andere grundlegende Entwicklungen gewirkt haben, die Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg gemeinsam mit Finanzvorstand Dave Wehner und Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einer Telefonkonferenz mit Analysten erläuterte.

Baustelle Nummer eins: Die Entwicklung der Nutzerzahlen. Zwar rechnet man sich bei Facebook die Nutzerzahlen inzwischen dadurch schön, dass nicht mehr nur Facebook-Konten, sondern auch Nutzerprofile der mittlerweile zum Unternehmen gehörenden Apps Instagram und Whatsapp mitgezählt werden. Dadurch kommt Facebook auf eine stolze Zahl von insgesamt 2,23 Milliarden Nutzern.

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grenzen des Wachstums allmählich erreicht sind. Wurde Facebook in früheren Jahren noch gehypet und konnte seinen Nutzerstamm jährlich vervielfachen, gerät das Wachstum nun mehr und mehr ins Stocken. Im zweiten Quartal lag es bei gerade noch 1,5 Prozent, nachdem in den vorangegangenen Jahren zumindest 3 bis 4 Prozent Wachstum erreicht werden konnten.

Rückläufiges Nutzerwachstum

Die Ursachen hierfür sind vielfältig: In weiten Teilen der Welt ist ein Internetanschluss kaum verfügbar, es fehlt schlichtweg die Infrastruktur. In Europa und Nordamerika hingegen läuft Facebook schon so lange so erfolgreich, dass wohl die meisten am sozialen Netzwerk Interessierten inzwischen ein Nutzerkonto eingerichtet haben.

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Die nachwachsende Generation setzt eher auf andere Kommunikationskanäle, Snapchat steht bei den Jüngeren beispielsweise hoch im Kurs. Vertreter der älteren Generation, die bislang noch nicht registriert sind, dürften dies wohl auch künftig kaum ändern, sei es aufgrund technischer Verständnisprobleme oder aufgrund ideologischer Überzeugungen. Immerhin hat Facebook in den vergangenen Monaten vor allem negative Schlagzeilen hervorgebracht, man denke etwa an den Datenmissbrauchsskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica, der im März publik wurde.

Die Nutzerzahlen in Europa entwickelten sich zuletzt sogar leicht rückläufig: Neben geringerem Wachstum loggten sich auch die bereits registrierten Nutzer seltener ein. Die Zahl der mindestens einmal im Monat aktiven Facebook-Nutzer in Europa ging von 377 auf 376 Millionen zurück, bei den täglich aktiven gab es einen etwas deutlicheren Rückgang von 282 auf 279 Millionen.

Facebook Aktie tiefrot – neue Herausforderungen im Werbegeschäft

Facebook selbst hatte vor diesem Effekt gewarnt im Kontext der neuen Datenschutzgrundverordnung DSGVO, die in der Europäischen Union im Mai in Kraft getreten war. Diese beschränkt die Auswertung und Nutzung erhobener Daten, was sich für Facebook zum Problem entwickeln könnte: Immerhin finanziert sich das soziale Netzwerk primär durch seine Werbeeinnahmen, und Werbeanzeigen können umso teurer verkauft werden, je gezielter und auf den Nutzer zugeschnitten sie eingeblendet werden können.

Ein weiteres Problem in Sachen Werbeeinnahmen hat sich Facebook womöglich selbst geschaffen. Das Feature „Stories“, bei dem Nutzer beispielsweise Fotos oder kurze Videos posten können, die nach 24 Stunden wieder verschwinden, und das somit dem „Status“ bei Whatsapp ähnelt, erfreut sich unter den Facebook-Nutzern immer größerer Beliebtheit – wirft aber in Sachen Werbeeinnahmen deutlich weniger ab als die klassische Timeline-Kommunikation.

Da die „Stories“-Nutzung jedoch tendenziell zulasten der Timeline geht, könnte hier schon bald eine neue Einnahmelücke klaffen – während zugleich die Ausgaben steigen, insbesondere mit Blick auf besseren Datenschutz.

Eine insgesamt komplexe Gemengelage also, die Facebook erst einmal in den Griff bekommen muss. Für Aktionäre war es eine harte Landung nach zuvor monatelanger Rally.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.