Facebook Aktie geht nach Algorithmus-Ankündigung in die Knie

Weniger Platz für Unternehmensmeldungen, mehr Raum für Freunde: Facebook schraubt am Algorithmus, die Aktie rauscht ab. (Foto: Anikei / Shutterstock.com)

Es dürfte ein harter Einschnitt werden: Facebook hat angekündigt, seinen Algorithmus zu verändern.

Dadurch sollen den Nutzern künftig weniger Unternehmens- und Nachrichteninhalte angezeigt werden, stattdessen sollen die Newsfeeds wieder dominiert werden von Inhalten, die befreundete Kontakte erstellt und gepostet haben.

Back to the roots gewissermaßen, zurück zu den Wurzeln, denn ursprünglich war Facebook ja vor allem das: eine Kommunikationsplattform für Personen, die sich kennen und die beispielsweise über größere räumliche Distanzen hinweg in Kontakt stehen wollen.

Massive Kritik an Echokammern

Inzwischen aber ist Facebook weit mehr als das. Das größte soziale Netzwerk mit rund 2 Milliarden registrierten Nutzern ist selbst zum Informationsportal mutiert. Große Nachrichtenseiten verbreiten ihre News über Facebook, Unternehmen zahlen viel Geld, um ihre Werbung dort zu platzieren, wo sie potenziell interessierte Kunden vermuten.

Jedoch steht Facebook auch seit geraumer Zeit massiv in der Kritik, sogenannte „Bubbles“ zu produzieren – Echokammern, in denen Nutzer vor allem auf Inhalte stoßen, die ihren bereits bestehenden Meinungen und Überzeugungen entsprechen. Kontroversen werden dadurch ausgehebelt, das eigene Weltbild nicht hinterfragt, sondern verstärkt.

Gerade im Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl 2016 und der mutmaßlichen gezielten Verbreitung von Falschmeldungen über einschlägige Facebook-Seiten wurde der Gegenwind stärker. Nun reagiert das Unternehmen, garniert mit einem langen – natürlich auf Facebook veröffentlichten – Statement von Gründer und Chef Mark Zuckerberg.

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Weniger Platz für Unternehmensmeldungen

Doch inwieweit den Kritikern mit dieser Umstellung des weiterhin streng geheimen Algorithmus der Wind aus den Segeln genommen werden kann, ist mehr als fraglich. Alarmiert zeigten sich neben Medienschaffenden, die auf die Bedeutung und Verantwortung von Facebook bei der Verbreitung von Nachrichten hinweisen, auch Unternehmen, die im Rahmen von Werbeanzeigen und Social-Media-Marketing viel Geld investiert haben, um Aufmerksamkeit bei einer möglichst klar definierten Zielgruppe zu gewinnen.

In Zukunft ist wohl damit zu rechnen, dass weniger Platz für solche Meldungen zur Verfügung steht. Die Ressource „Werbeplatzierung“ wird knapper, die Konkurrenz darum größer, in der Folge dürfte Facebook höhere Preise für die entsprechende Schaltung verlangen.

Facebook Aktie rauscht in die Tiefe

Wie umfassend die Änderungen letztlich ausfallen werden, bleibt abzuwarten. An der Börse kamen die Pläne jedenfalls gar nicht gut an, in einer ersten Reaktion ging die Facebook Aktie zu Wochenbeginn deutlich in die Knie und rutschte um gut 7 Prozentpunkte nach unten.

Da Facebook von seinen Nutzern keine Gebühren verlangt, finanziert sich das Unternehmen in erster Linie durch Werbeeinnahmen. Zuckerberg wird in den kommenden Monaten erklären müssen, wie er die nun angekündigten, tiefgreifenden Veränderungen refinanzieren will, sollten dadurch tatsächlich Werbeflächen wegbrechen.

Es dürfte ein spannendes Jahr werden für Facebook und seine Anleger.

2018-01-18 Facebook


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.