Facebook-Aktie: Langfristig ein gutes Investment?

Nach einem Kursverlust von in der Spitze über 50% ist das Sentiment für die Facebook-Aktie mehr als frostig.

Anleger fühlen sich von den Alt-Aktionären und den Investmentbanken geprellt.

Die Ereignisse rund um den verpatzten Börsengang der vermeintlichen Wachstumsmaschinerie Facebook habe ich letzte Woche noch einmal aufgearbeitet.

Nun gilt es, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Dies bezüglich blamieren sich die Investmentbanken einmal mehr so gut sie nur können – allen voran der Emissionsführer des Börsengangs Morgan Stanley.

Noch vor wenigen Monaten hatten sie keine Probleme damit, die Aktie zur Erstnotiz für 38 US-Dollar an den Markt zu bringen. Dies entsprach laut Morgan Stanley dem fairen Wert der Aktie.

Nun – wenige Monate später – senkt ausgerechnet Morgan Stanley das Kursziel der Facebook-Aktie von 38 auf 32 US-Dollar.

Zuckerberg will mit gutem Beispiel vorangehen

Etwas ernster nimmt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wohl das Thema Anlegervertrauen.

Zuletzt hatte er verkündet, ein mindestens ein Jahr lang keine weiteren seiner Aktien zu verkaufen. Auch seine Mitarbeiter sollen mitziehen. Investoren fürchten bislang noch den 29. Oktober.

Ab diesem Tag können Mitarbeiter erhebliche Bestände an Facebook-Aktien veräußern. Doch auch hier soll es deutliche Beschränkungen bei den möglichen Verkäufen der Mitarbeiter-Aktien geben.

Facebook ist um Vertrauen und eine bessere Wahrnehmung der Aktie bemüht. Das Sentiment könnte drehen. Zuletzt hat die Abwärtsbewegung der Aktie zumindest schon einmal an Dynamik verloren.

Ist die Kurserholung der letzten Tagen nur ein Strohfeuer oder der verspätete Beginn einer Erfolgsstory?

Facebook und der tiefe Burggraben

Das Unternehmen wächst in Bezug auf den Umsatz und Gewinn schnell. Und unter diesem Aspekt würden die meisten Anleger Facebook wohl als Wachstum-Aktie einstufen.

Doch Facebook weist ein Merkmal auf, die die Aktie gerade für Value-Investoren interessant macht: Das Unternehmen hat einen „tiefen Burggraben“ um sich gezogen.

Darunter verstehen Value-Investoren einen bestimmten Vorteil, der den Markteintritt für Konkurrenten extrem erschwert und die Marktstellung dauerhaft sichert.

Im Fall von Facebook handelt es sich bei diesem „Burggraben“ um den Netzwerk-Effekt. Facebook ist eigentlich ein Musterbeispiel für den wirtschaftlichen Wert eines Netzwerkeffekts.

Je mehr Menschen die Plattform nutzen, desto höher wird der Mehrwert für jeden einzelnen Nutzer. Und damit steigert dieser Effekt auch den ökonomischen Nutzen für das Unternehmen.

Gleichzeitig wird es immer unwahrscheinlicher, dass sich ein Konkurrent etabliert. Man will schließlich als Nutzer auf der Plattform aktiv sein, auf der auch die meisten Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder aktiv sind.

Man kann von dem Unternehmen ja halten was man will, aber Fakt ist, dass die Plattform breitflächig genutzt wird. Und das Wachstumspotential – gerade in Bezug auf den wichtigen Faktor Werbung – ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Und auch die potentiellen Kunden aus der Werbeindustrie sind sich des „tiefen Burggraben“ von Facebook bewusst.

Auch die Zahlen können sich sehen lassen

Beim aktuellen Kurs von 22 US-Dollar ist die Aktie mit einem geschätzten KGV von 44 immer noch nicht billig. Aber auch die High-Flyer wie Google wiesen lange Zeit teure Bewertungen auf.

Die Frage ist immer, ob hinter der Story wirklich ein nachhaltiger Wachstumstreiber steckt. Dies sehe ich bei Facebook aus den genannten Gründen gegeben.

Die starke Markenstellung in Kombination mit dem bei weitem noch nicht ausgeschöpften Potential bei den Werbeeinnahmen stellt die Grundlage des Wachstumspfads von Facebook dar.

Und Facebook kann durchaus auch mögliche Rückschläge wegstecken. Durch den Börsengang ist mit umgerechnet 4 US-Dollar pro Aktie ausreichend Cash auf dem Firmenkonto vorhanden.

Also bevor Sie über die schillernde Apple-Aktie nachdenken – über die eher eingeschränkten Perspektiven bin ich vor einigen Tagen eingegangen –, lohnt vielleicht ein Blick auf die derzeit vielleicht meist gehasste Aktie der Welt.

Auch bei Einzeltiteln macht antizyklisches Vorgehen Sinn. Denn auch hier gilt: Wenn Euphorie und Angst spürbar sind, sollte man eher das Gegenteil der breiten Masse tun.

17. September 2012

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Von: geve.

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