Facebook Aktie nach Datenskandal weiter unter Druck

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Die Facebook Aktie hat massiv an Wert verloren wegen des Skandals um Cambridge Analytica. Doch die Panik scheint übertrieben. (Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com)

Alle Jahre wieder gibt es in: den Datenskandal bei Facebook. Immer wieder geht es darum, welche Daten wie erhoben, an wen weitergegeben und zu welchen Zwecken genutzt werden. Neu ist das alles nicht.

Neu ist auch der „aktuelle“ Skandal rund um die britische Datenfirma Cambridge Analytica nicht – denn der missbräuchliche Datenerwerb liegt bereits mehrere Jahre zurück und ist lediglich nun erst bekannt geworden. Längst hat Facebook selbst einen Riegel vorgeschoben und schärfere Kontrollen der App-Anbieter eingeführt, ein vergleichbarer Datenmissbrauch wäre in dieser Form schon seit Jahren nicht mehr möglich.

Hat Cambridge Analytica Trump ins Weiße Haus gehievt?

Trotzdem ist der Aufschrei groß, denn die Daten wurden mutmaßlich eingesetzt, um im US-Präsidentschaftswahlkampf Stimmung für Donald Trump zu machen, der das Rennen entgegen aller Prognosen letztendlich auch für sich entscheiden konnte. Das Establishment war seinerzeit entsetzt über den Wahlausgang, fragte sich wochenlang, wie es dazu kommen konnte – und wittert nun einen Erklärungsansatz.

Denn wenn Datenfirmen wie Cambridge Analytica tatsächlich gezielt Profile von App-Nutzern – und deren Facebook-Freunden – ausgewertet haben mit dem Ziel, eine Pro-Trump-Wahlkampagne erfolgversprechender zu platzieren, dann würde das aus Sicht mancher Beobachter zumindest eine mögliche Erklärung dafür liefern, warum der Nicht-Politiker Trump am Ende erfolgreich ins Weiße Haus einziehen konnte – ein Umstand, mit dem der Kandidat bekanntlich selbst bis zuletzt nicht wirklich gerechnet hatte.

Datenhandel kein Geheimnis

Nun jedoch reflexartig das soziale Netzwerk zu verlassen, wie es – wie auch nach früheren Datenskandalen – einmal mehr von Facebook-Kritikern gefordert wird, würde das Problem nicht lösen, sondern allenfalls das eigene Gewissen ein Stück weit beruhigen. Denn wer Facebook seit Jahren bereitwillig seine Daten zur Verfügung gestellt hat, über den existieren vermutlich ohnehin bereits detaillierte Profile bei etlichen Datenverwertungsfirmen.

Dass es Facebooks Geschäftsgrundlage ist, die gesammelten Daten auszuwerten und an Werbekunden und Partner weiterzuverkaufen, ist ebenfalls kein Geheimnis. Nur dass der Otto-Normal-Facebooknutzer darüber eben eher aus den Medien erfährt anstatt vom Netzwerk selbst.

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Snap: Auf dem Weg zum Penny-StockTrotz oder gerade wegen der Neugestaltung seiner Foto-App hat Snap gestern miese Quartalszahlen vorgelegt. Die Aktie verliert mehr als 14 % › mehr lesen

Löst ein Führungswechsel die Kommunikationsprobleme?

Genau hier liegt auch der wesentlichste und am ehesten berechtigte Kritikpunkt: die mangelhafte Kommunikation. Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg pflegt oftmals eher einen Stil, wie man ihn klischeehaft dem sprichwörtlichen „Computernerd“ zurechnen würde als dem CEO einer weltweit operierenden Firma mit milliardenschweren Umsätzen.

Und so wird nun einmal mehr über einen möglichen Chefwechsel geraunt, Sheryl Sandberg – seit 2008 Geschäftsführerin bei Facebook – gilt als heiße Kandidatin für eine potenzielle Zuckerberg-Nachfolge.

Ein Wechsel an der Spitze wäre jedenfalls ein starkes Signal nach außen – auch in Richtung Börse, denn dort kam der jüngste Skandal ebenfalls gar nicht gut an. Innerhalb weniger Tage hat die Facebook Aktie mehr als 10 Prozent an Wert verloren.

Facebook Aktie: Kein Grund zur Panik

Analysten empfehlen dennoch, nicht in Panik zu verfallen, denn es handelt sich, wie eingangs geschildert, weniger um ein aktuelles Datenproblem, als vielmehr ein Kommunikationsproblem. Sicherlich wird Facebook auch in Sachen Datenschutz nachrüsten und sich künftig besser erklären müssen, um das Vertrauen der Nutzer nicht weiter zu verspielen.

Andererseits hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch größere Datenschutzlücken zwar einige gelöschte Accounts nach sich ziehen – unterm Strich aber ist Facebook immer weiter gewachsen. Es spricht wenig dafür, dass es diesmal – langfristig betrachtet – anders laufen wird.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.