Facebook Aktie unter Druck wegen Anzeigenboykott

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Rund 90 Unternehmen schalten derzeit keine Anzeigen bei Facebook, um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Anleger reagieren. (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Im Einzel- und Warenhandel heißt es oft, die Kunden sollten mit ihren Füßen abstimmen, wenn ihnen ein Produkt oder die Positionierung eines Unternehmens nicht gefällt. Bei virtuellen Dienstleistern wie Facebook ist die Sache etwas komplexer.

Sicherlich, auch Facebook nimmt zur Kenntnis, wenn wegen eines neuen Datenschutzskandals zigtausende Kunden ihre Konten schließen. Doch bei einem Nutzerpool, der mehr als eine Milliarde umfasst, fallen die paar tausend kaum ins Gewicht.

Anders sieht es aus bei den Unternehmen, die Werbeanzeigen bei Facebook schalten. Da die Nutzung der Plattform für Inhaber normaler Profile kostenlos ist, wird ein Großteil der Umsätze über eben solche Werbeanzeigen generiert.

Nun aber scheinen die Werbekunden mit den Füßen abzustimmen. Rund 90 Unternehmen folgen inzwischen dem Boykottaufruf unter dem Hashtag „StopHateForProfit“, initiiert von US-Bürgerrechtlern.

Rund 90 Unternehmen stoppen Facebook-Werbeanzeigen

Die Forderung: Facebook solle konsequenter vorgehen bei der Löschung von Hassbotschaften, Mobbingattacken oder der Verbreitung von Falschmeldungen. Besondere Relevanz erhält das Ganze vor dem Hintergrund, dass im November US-Präsidentschaftswahlen anstehen. Bei den Wahlen vor vier Jahren sollen im Vorfeld gezielte Falschinformationen verbreitet worden sein, um die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu diskreditieren – unter anderem stand auch Facebook hier im Verdacht, entsprechenden Kampagnen ein Forum gegeben zu haben, ohne entsprechende Meldungen zu prüfen oder einzuschreiten.

So etwas soll sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Um ihrer Forderung wirtschaftlich Nachdruck zu verleihen, haben sich inzwischen zahlreiche namhafte Konzerne dem Anzeigenboykott angeschlossen, darunter unter anderem Unilever, Coca-Cola oder Starbucks. In dieser Woche wollen die Initiatoren auch an europäische Unternehmen appellieren, sich der Aktion anzuschließen und vorerst keine Anzeigen mehr bei Facebook zu schalten.

Zuckerberg zögert, Anleger reagieren

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook wegen seiner Haltung zu Meinungsfreiheit und Zensur in der Kritik steht. Erst vor wenigen Wochen eskalierte ein Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Kurznachrichtendienst Twitter. Letzterer hatte mehrere Tweets des Präsidenten mit einem Warnhinweis versehen und einen Faktencheck verlinkt, um auf den Falschmeldungscharakter der in den Tweets erhobenen Behauptungen aufmerksam zu machen.

Trump drohte daraufhin mit einer Schließung von Twitter, es folgten hitzige öffentliche Debatten, in die auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg involviert war. Er relativierte, es sei nicht Aufgabe der Betreiber sozialer Medienplattformen, sich als Schiedsrichter aufzuspielen und zu entscheiden, welche Inhalte gestattet seien und welche nicht. Kritiker bescheinigten ihm daraufhin ein Einknicken vor dem US-Präsidenten – zumal bekannt ist, dass Facebook sehr wohl Inhalte löschen lässt, nur eben vor allem solche mit sexuellen Bezügen, weniger im politischen Kontext.

Zumindest an der Börse hat der Anzeigenboykott bereits Wirkung gezeigt, denn auch die Anleger stimmten mit den Füßen ab und sorgten so in der vergangenen Woche für einen Kurseinbruch der Facebook Aktie um mehr als 10 Prozent. Allein am Freitag wurden damit Milliardensummen an Aktienwert verbrannt.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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