Facebook machte falsche Angaben bei der WhatsApp-Übernahme

Facebook ist durch Übernahmen stark geworden. Doch mit den Angaben zu den Übernahme-Kandidaten nahm es der Konzern nicht ganz so genau... (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Wer FANG-Aktien im Depot hat, der hat vieles richtig gemacht. – Sie fragen sich, was FANG-Aktien sind?

Der Name setzt sich aus den Anfangs-Buchstaben der Aktien von Facebook, Apple, Netflix und Google zusammen.

In den vergangenen 3 Jahren hatten die Aktien einen unglaublichen Lauf:

Die Facebook-Aktie verteuerte sich um 200%, Apple-Aktien legten um 110% zu, die Netflix-Aktie stieg um 260% und die Google-Aktie (Alphabet) stieg um 115%.

Die Konzerne haben sich mit ihrem Geschäftsmodell gegen die Konkurrenz durchgesetzt und verfügen nun über eine extrem starke Position.

Gelungen ist den Konzernen das aus eigener Kraft – aber auch mit Übernahmen. Besonders Deal-freudig zeigte sich dabei Facebook.

Mit den Angaben zu den Übernahmen nahm das soziale Netzwerk es aber nicht ganz so genau, wie sich zeigt:

Wegen falscher Angaben bei der Übernahme von WhatsApp wurde Facebook heute von der EU-Kommission zur Zahlung eines Bußgelds von 110 Mio. € verurteilt.

Facebook: Nutzer-Abgleich technisch nicht möglich…

Rückblick: Im Jahr 2014 einigte sich Facebook mit den Eigentümern des Kurzmitteilungs-Dienst Whatsapp auf eine Übernahme im Volumen von 19 Mrd. Dollar.

Der Deal wurde von Datenschützern als äußerst kritisch gesehen, da Facebook davon lebt, den Werbepartnern über social profiling (Analyse von Verhaltensmustern) gezielten Zugang zu den Nutzern zu gewähren.

Whatsapp dagegen sammelt wenig Daten über seine Nutzer. Facebook versprach seinerzeit, dass die Daten nicht vermischt werden sollen und Whatsapp eigenständig agieren solle.

Der Abgleich von Nutzer-Profilen sei nicht gewollt und zudem technisch nicht möglich.

…oder etwa doch?!

2 Jahre später kündigte das soziale Netzwerk dann allerdings an, dass man doch die bei Whatsapp hinterlegten Telefonnummern mit Facebook verknüpfen wolle.

Erst auf Druck der Datenschützer wurde der Plan zurückgestellt.

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Es stellte sich heraus, dass der Datenabgleich auch schon 2014 möglich war – entgegen der Facebook-Angaben im Zuge des Genehmigungs-Verfahrens.

Die Falsch-Angabe war nicht so relevant, dass der Deal deswegen nachträglich für unzulässig befunden werden muss.

Das eigentlich technisch unmögliche Szenario wurde von den Behörden bereits damals durchgespielt.

Facebook beteuert, dass die Falsch-Angabe keine Absicht gewesen sei. Bestraft wird die Internet-Datenkrake dennoch.

Und um zu verhindern, dass auch andere Konzerne bei Genehmigungs-Verfahren schludern, fällt das Strafmaß mit 110 Mio. € auch nicht gering aus.

Übernahme-Kurs macht Facebook stark: Analysten sehen weiteres Kurs-Potenzial

Facebook hat in den vergangenen 10 Jahren über 60 Übernahmen getätigt.

Die Whatsapp-Übernahme wird von vielen Analysten als ein kluger, vorausschauender Schachzug gewertet.

Die große Anzahl an Deals machte Facebook zum innovativen Allrounder und hatte nicht selten auch zum Ziel, einen aufstrebenden Konkurrenten wie WhatsApp aus dem Weg zu räumen.

Im schnelllebigen Internet-Zeitalter sind solche Deals fast schon zwingend notwendig, um seinen Marktanteil zu verteidigen bzw. weiter zu wachsen.

Es ist davon auszugehen, dass Facebook auch zukünftig auf Deals setzt, um sein Angebot zu verbessern und neue Trends zu besetzen.

Das Management hat viele richtige Entscheidungen getroffen, die auch den Aktionären zugute kamen.

Viele Analysten gehen davon aus, dass die Erfolgsstory weitergeht und empfehlen den Kauf der Aktie.

Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 173 Dollar – 20% über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.