Facebook: Netzwerkriese erwirbt milliardenschwere Beteiligung in Indien

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Facebook schlägt in Indien zu: 5,7 Milliarden Dollar-Einstieg bei Jio und "Super-App" sollen zusätzliches Wachstumspotenzial erschließen (Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com)

Spektakuläre Megadeals sind in Corona-Zeiten zwar etwas seltener geworden, doch es gibt sie weiterhin: So auch beim US-Technologiegigant Facebook. Das größte soziale Netzwerk der Welt streckt seine Fühler nach Indien aus und kauft sich beim aufstrebenden Online-Netzwerk Jio ein. Mit einem Kaufpreis von 5,7 Milliarden Dollar ist es der größte Zukauf seit der 19 Milliarden Dollar schweren Übernahme von WhatsApp vor sechs Jahren.

Facebook setzt auf neuen Wachstumsmarkt

Facebook ist auf dem indischen Markt ausgesprochen beliebt. Mehr als 400 Menschen nutzen in Indien bereits den Kommunikationsdienst WhatsApp. Das sind 80% aller Smartphone-Nutzer und ist weltweite Spitze. Doch der Netzwerk-Riese sieht weitere Chancen in dem wachstumsstarken Land und kauft sich jetzt beim Online-Netzwerk Jio Platforms ein. Für 5,7 Milliarden Dollar erwirbt der US-Konzern eine 10%-Beteiligung an Jio und steigt damit zum größten Einzelaktionär der Firma auf.

Wer hinter Jio steckt

Jio ist ein indisches Telekommunikationsunternehmen des Milliardärs Mukesh Ambani und agiert als 100%-ige Tochtergesellschaft des Mischkonzerns Reliance Industries mit Hauptsitz in Mumbai. Das Unternehmen betreibt ein nationales LTE-Netz, das alle 22 Telekommunikationskreise des Landes abdeckt. Mit über 390 Millionen Nutzern ist es das drittgrößte Telekommunikationsunternehmen der Welt hinter China Mobile und Vodafone nach Nutzerzahlen und das größte in Indien vor Bharti Airtel. Weitere Bereiche, in denen das Unternehmen tätig ist, sind Glasfasernetze, Streaming, Smartphones und Online-Handelsplattformen.

Auf dem Weg zur Super-App

Die genauen Pläne hinter dem Deal sind noch nicht ganz klar. Letzte Woche berichtete die indische Economic Times, dass Facebook und Reliance planen, die Dienste von WhatsApp und Jio zu nutzen, um eine “Super-App” im WeChat-Stil für Indien zu schaffen.  Sie müssen wissen: Tencents Dienst WeChat hatte in China zuletzt 1,15 Milliarden Nutzern und hat bei vielen kleinen Unternehmen, die es für Zahlungen, Werbung und Kommunikation nutzen, eine enorme Verbreitung gefunden. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte könnten Facebook und Jio jetzt in Indien anpeilen.

Laut beiden Firmen könnten beispielsweise JioMart, Jios Initiative für kleine Unternehmen, mit der Leistungsfähigkeit von WhatsApp zusammengeführt werden. Das würde es den Menschen ermöglichen, mit Unternehmen in Verbindung zu treten, einzukaufen und schließlich Produkte in einer nahtlosen mobilen Erfahrung zu kaufen. Das Potenzial dürfte immens sein. In Indien wächst die Zahl der Handynutzer rasant und somit auch das Geschäft mit Online-Zahlungen und mobil getätigten Geschäften. Einen Großteil der insgesamt 1,3 Milliarden Einwohner soll mit dem neuen Kommunikationstool erreicht werden.

Zwischen Hoffen und Bangen

Während Facebook seine Einkaufstour mit Jio weiter offensiv fortsetzt, machen sich im operativen Geschäft erste Corona-Bremsspuren bemerkbar. Zwar werden die einzelnen Dienste in der Corona-Zeit deutlich mehr genutzt, auf der anderen Seite dürfte das rückläufige Werbegeschäft zu Belastungen führen. Eine Abschwächung des Anzeigengeschäfts in der von der Viruskrise besonders stark betroffenen Ländern ist bereits zu beobachten.

Facebook setzt auf Gaming

Unterdessen sorgt der Technologiekonzern mit Innovationen für positive Meldungen. Gerade hat Facebook bekanntgegeben, mit einer eigenen Gaming-Plattform an den Start zu gehen. Eigentlich war der Start für Juni gedacht gewesen, ist aber auf Grund der Corona-Krise jetzt vorgezogen worden.

Mit seinem Dienst will Facebook der Amazon -Tochter Twitch und Googles Videoplattform YouTube Konkurrenz machen. Der Markt für das Livestreamen von Spielen hat in den letzten Jahren rasant an Bedeutung gewonnen. Daher nur allzu verständlich, dass sich der Netzwerkriese von diesem Kuchen ein ordentliches Stück sichern will.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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